Architekturdebatte (5) : Beginnt die Zukunft in Nordneukölln?

Braucht Berlin eine neue Internationale Bauausstellung? Die Grünen-Politikerin Franziska Eichstädt-Bohlig meint: Die Probleme in Neukölln und rund um den aufgelassenen Flughafen Tempelhof müssen thematisiert werden.

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Eine IBA für Berlin sollte sich thematisch keinesfalls verzetteln, argumentiert der Münchener Architekt und Stadtplaner Thomas Sieverts. Und sie sollte Bedeutung auch für andere Metropolen haben. Ein Beispiel heißt: Verkehr. Ausfallstraßen, die immer mehr Stadtraumqualität zerstören, nennt er ein „weltweites Problem“. Hier, und möglichst an den Stadträndern und nicht im Zentrum, könnte eine IBA Lösungen finden und sogar ein länderübergreifendes Projekt Berlin-Brandenburg werden.Weitere Bilder anzeigen
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06.07.2011 14:12Eine IBA für Berlin sollte sich thematisch keinesfalls verzetteln, argumentiert der Münchener Architekt und Stadtplaner Thomas...

Eine Internationale Bauausstellung (IBA) in Berlin muss beispielgebende Antworten für die drängenden urbanen Aufgaben in unserer finanzschwachen Hauptstadt finden. Natürlich müssen Stadtplanung, nachhaltiges und vorbildliches Bauen und Raumgestaltung einen wesentlichen Teil der Projekte ausmachen. Sie sind aber nicht Anlass für die Bauausstellung, sondern Medium zur Lösung von „Zukunftsfragen des gesellschaftlichen Wandels“, wie dies das von der Bundesregierung initiierte Memorandum zur Zukunft Internationaler Bauausstellungen fordert.

Eine IBA braucht ein klar erkennbares Thema und einen deutlichen lokalen Schwerpunkt. Sie muss aber auch eingebettet sein in ein gesamtstädtisches Leitbild, mit dem Berlin sich in den kommenden Jahren international profilieren kann. Für Berlin kann der Innovationsschwerpunkt nicht in einer ungesicherten Wachstumsstrategie und in der Neunutzung von Brachen liegen, sondern nur in der exemplarischen Suche nach der Zukunftsfähigkeit der vorhandenen Stadt.

Der inhaltlich und räumlich sehr vagen IBA-Planung des Senats unter den Leitworten „Hauptstadt - Raumstadt - Sofortstadt“ stellen wir den Vorschlag einer Internationalen Nachhaltigkeitsausstellung für und mit Nordneukölln und für das Tempelhofer Feld unter dem Motto „Soziale Stadt im Klimawandel“ gegenüber. Aspekte der nachhaltigen Stadtentwicklung werden in einigen Internationalen Bauausstellungen thematisiert, besonders beispielhaft in der IBA Hamburg- Wilhelmsburg. Es gibt bislang aber noch keine bestandsorientierten Konzepte für die energetische Modernisierung und die nachhaltige Entwicklung eines ganzen Stadtquartiers.

Nordneukölln ist ein sozial unterprivilegierter Stadtteil mit einer kulturell gemischten Bevölkerung. Die Tendenzen zu ungesteuerter Aufwertung und sozialer Verdrängung nehmen zu. Das geöffnete Tempelhofer Feld bietet aber auch Raum für eine sozial-ökologische Aufwertung mit der ansässigen Bewohnerschaft. Berlin hat die Chance, sich den soziokulturellen und bildungspolitischen Anforderungen dieses Stadtteils und den Zielen der Nachhaltigkeit und des Klimaschutzes gleichermaßen zu stellen und zusammen mit dem Bezirk, mit Mietern und Eigentümern, Gewerbetreibenden und Vereinen, mit Schulen, Kitas und Stadtteilaktiven hier die „Soziale Stadt im Klimawandel“ exemplarisch zu gestalten.

Lesen Sie auf Seite 2, welche Ideen Franziska Eichstädt-Bohlig für das Tempelhofer Feld hat.

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