• Aufklärungsfilm "Entscheidend ist die Entscheidung" : Prominente feiern ihren neuen Film zu Organspende

Aufklärungsfilm "Entscheidend ist die Entscheidung" : Prominente feiern ihren neuen Film zu Organspende

Mit Humor wollen Prominente über Organspende aufklären. Auch Joko Winterscheidt und Jürgen Vogel machen mit.

Raja Kraus
Schauspieler Jürgen Vogel, Xenia Assenza, Jennifer Ulrich und Moderator Joko Winterscheidt (v.l.) werben bei der Vorstellung des Aufklärungsfilms "Entscheidend ist die Entscheidung" mit Humor für Organspendeausweise.
Schauspieler Jürgen Vogel, Xenia Assenza, Jennifer Ulrich und Moderator Joko Winterscheidt (v.l.) werben bei der Vorstellung des...Foto: dpa/Jörg Carstensen

Laute Musik, bunte Scheinwerfer: Die Party ist in vollem Gang. Das Besondere? Das Duo von Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf, bekannt aus der Pro7-Sendung „Circus HalliGalli“, steht hinter der Bar. „Was macht ihr eigentlich hier?“, fragt, berechtigterweise, eine junge Frau. Mit dieser Szene beginnt der 30-minütige Aufklärungsfilm „Entscheidend ist die Entscheidung“, der am Montag im Cinemaxx am Potsdamer Platz vorgestellt wurde und ab sofort auf YouTube zur Verfügung steht. Darin informieren Winterscheidt und Heufer-Umlauf gemeinsam mit dem Verein Junge Helden über ein Thema, das sonst weniger in Bars vorkommt: Organspende.

Mit Humor gegen Vorbehalte

Eine „atemberaubende Schauspielleistung“ habe er da hingelegt, sagt Joko Winterscheidt. Ernste Themen nicht zu ernst nehmen – das ist die Message sowohl des Films als auch der Veranstaltung im Cinemaxx. Und da sind Winterscheidt und Heufer-Umlauf ja genau die Richtigen. „Klaas bitte ich zu entschuldigen, wir sind selten getrennt, dieser Tag gehört zu einem der schönen in meinem Leben“, erklärt Joko dann auch gleich die Abwesenheit seines Co-Moderators. Aber dafür ist ja Jürgen Vogel gekommen. Wie Winterscheidt engagiert sich der Schauspieler seit Jahren für Junge Helden. „Ich möchte die Prominenz nutzen, um auf dieses Tabuthema aufmerksam zu machen“, sagt Vogel, der auch im Aufklärungsfilm mitspielt. Er selber hat seiner Schwester mit einer Knochenmarkspende das Leben gerettet.

Animationen, Interviews und TV-Ausschnitte veranschaulichen, was es mit der Organspende auf sich hat. So kommen nur Patienten als Spender infrage, die durch Hirntod sterben, deren Organe aber weiterhin durch künstliche Beatmung am Leben gehalten werden. Fachärzte, Arnim Teutoburg-Weiß und Torsten Scholz von den Beatsteaks, aber auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier, der seiner Frau 2010 eine Niere spendete, kommen im Film zu Wort.

Ein emotionales Thema

„Die Kombination Klaas und Frank-Walter Steinmeier, das war terminlich gar nicht so leicht zu organisieren“, scherzt Angela Ipach von Junge Helden. Sie ist die Schwester der 2011 verstorbenen Claudia Kotter, die 2003 den Verein gründete. Kotter benötigte eine neue Lunge, fand sogar einen Spender, doch nach vier Jahren starb sie an Herzversagen. Der Aufklärungsfilm, der vor allem an Schulen gezeigt werden soll, wurde Claudia Kotter explizit gewidmet – Angela Ipach kämpft bei der Premiere mit den Tränen.

Das Wort „Organspende-Skandal“ will Jürgen Vogel nicht hören, stattdessen müsse man von „Organvergabe-Skandal“ sprechen, sagt er. Und der Schauspieler zeigt sogar Verständnis: „Ich möchte auch nicht entscheiden müssen, wer ein Organ bekommt. Es gibt einfach zu wenige Spender, das ist der eigentliche Skandal.“ Andere Länder wie Großbritannien, Österreich und Spanien seien Deutschland weit voraus. „Warum schaffen wir es nicht, dass alle automatisch Organspender sind?“, fragt Vogel. Wer es dann nicht möchte, müsse einfach nur „nein“ sagen.

Egal ob ja oder nein

Dem Verein Junge Helden geht es aber vor allem darum, das Thema Organspende bekannter zu machen. „Viele haben Angst, die notwendigen Fragen zu stellen“, sagt Joko Winterscheidt. Das Wichtige sei, einen Organspendeausweis zu haben, auf diesem kann auch angegeben werden, dass man keine Organe spenden möchte. So könne man vor allem auch den Hinterbliebenen die Last der Entscheidung abnehmen.

Mindestens ein Mal im Jahr veranstaltet Junge Helden eine Party, bei der die prominenten Unterstützer an der Bar, im Eingangsbereich oder am Mischpult stehen. „Ich gehe nie wieder an die Bar, das tut mir nicht gut“, sagt Jürgen Vogel und lacht. „Das Reizvolle an diesen Partys ist das Leichte, es geht nicht um lückenlose Aufklärung“, sagt Winterscheidt. Denn: „Nicht alles lässt sich mit schwerer Zunge erklären.“ Kommen kann jeder – und geht im besten Fall mit einem Infoflyer.

Was denn an ihnen selbst ihr wertvollstes Organ sei, möchte am Ende eine Frau aus dem Publikum wissen. Da kommen Jürgen Vogel und Joko Winterscheidt in Verlegenheit und aus dem Lachen kaum noch raus. „Meine Seele“, rettet Jürgen Vogel galant die Situation.

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