Bedrohtes Puppentheater "Hans Wurst Nachfahren" : Monster Grüffelo ist gerettet

12.000 Bürger haben sich in einer Online-Petition für die bedrohte Puppenbühne am Winterfeldtplatz in Schöneberg stark gemacht. „Hans Wurst Nachfahren“ kann nun doch bleiben.

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Bilderbuch-Klassiker Grüffelo und seine Freundin, die furchtlose Maus, in Aktion. Eine Szene aus dem Puppentheater "Hans Wurst Nachfahren".
Bilderbuch-Klassiker Grüffelo und seine Freundin, die furchtlose Maus, in Aktion. Eine Szene aus dem Puppentheater "Hans Wurst...Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Die Zukunft hing am seidenen Faden. Bis vor wenigen Tagen schien das baldige Ende des traditionsreichen „Hans Wurst Nachfahren“-Puppentheaters am Schöneberger Winterfeldtplatz unabwendbar. Auf ihrer Website kündigten die Puppenspieler bereits „den Abschieds-Spielplan“ an – doch nun gibt es kurz vor dem letzten Vorhang offenbar neue Hoffnung: Der Mietvertrag des Theaters an der Gleditschstraße 5 ist erst mal bis Oktober 2016 verlängert worden. In dieser Zeit soll einvernehmlich mit dem Vermieter eine endgültige Lösung gefunden werden, damit die Spielstätte dauerhaft am Winterfeldtplatz bleiben kann.

Auch Kulturstaatsekretär Tim Renner setzt sich für die Bühne ein

Ursprünglich wollte der neue Eigentümer des Gebäudes die Theaterleute bis Ende Mai 2015 los sein, um Platz für ein privates Tonstudio zu schaffen. Aber eine Bürgerinitiative im Kiez machte mit mehr als 12 000 Unterschriften für „Hans Wurst Nachfahren“ Druck. Auch Kulturstaatssekretär Tim Renner engagierte sich stark und verhandelte kurz vor Torschluss noch mal mit dem Hausbesitzer, sodass jetzt mehr Zeit für eine endgültige Rettungsaktion bleibt.

Seit 37 Jahren sind Kinder und Erwachsene vom Spiel fasziniert

Seit 37 Jahren sind die mannshohen Stab-, Hand-, Marionetten- und Klappmaulpuppen für Generationen von Berliner Kindern ein wichtiges Stück Lebenserinnerung geworden – egal, ob Hase Lodengrün, das Grüffelo-Monster und die furchtlose Maus, oder die Freunde Lotte, Paul und Anton. Aber auch für Erwachsene wird hier gespielt. Loriots „Dramatische Werke“ stehen derzeit auf dem Programm, außerdem Klassiker wie „Faust“ oder „Die Tür mit den 7 Schlössern“, ein Edgar-Wallace-Krimi. Das Theater wird bundesweit für sein exzellentes Puppenspiel geschätzt. Und vom Publikum geliebt. Die meisten Vorstellungen sind ausverkauft, jährlich sind es 300 mit mehr als 25 000 kleinen und großen Besuchern.

Deshalb einigte sich der Berliner Senat bereits vor 24 Jahren mit dem früheren Eigentümer des Hauses auf einen Deal. Das Land investierte damals umgerechnet 1,25 Millionen Euro in den Ausbau des Parterres zur modernen Spielstätte, dafür dafür verpflichtete sich der frühere Vermieter, die Räume mindestens zwanzig Jahre dem Theater zu überlassen. Nach Ablauf dieser Frist konnte „Hans Wurst Nachfahren“ erst mal weiter bleiben, bis das Haus im vergangenen Jahr verkauft wurde. Der neue Eigentümer schickte wenig später die Kündigung. Zuvor hatten Land und Bezirk eine gute Chance verpasst, das Gebäude günstig selbst zu erwerben. Dies wäre möglich gewesen, indem man vor entsprechenden Kaufverhandlungen den Bebauungsplan geändert und festgeschrieben hätte, dass dort auf jeden Fall ein Bühnenbetrieb bleiben soll. Den Plan gab es, die Initiative aber blieb aus.

Online-Initiative löste einen Aufstand im Kiez aus

Stattdessen kam Ende 2014 die „Initiative Kiezkultur – Rettet das Theater am Winterfeldtplatz“ auf die Bühne. Innerhalb kürzester Zeit wurden mithilfe einer Online-Petition auf der Website www. openpetition.de tausende Unterschriften gesammelt. „Wir sind selbst überrascht, es war wie ein Kiez-Aufstand“, sagt Jochen Dannert von der Bürgerinitiative. Viele Menschen empöre es stark, „dass wieder ein Stück gewachsene Kiezkultur verschwinden soll“. Auch für Kitas und Schulen sei das Theater eine Institution. Und: „Sein Café mit der Terrasse hat sich zum beliebten Kieztreff entwickelt.“

Für Barbara Kilian von der Theaterleitung ist die Nachricht „eine echte Osterüberraschung“ und große Erleichterung. „Toll, dass wir weitermachen können“, sagt sie. Und Jochen Dannert ist optimistisch. Es gebe mehrere realistische Lösungsmodelle, die nun mit dem Hausbesitzer intensiv verhandelt werden müssten, meint er. Am 13. April steht das Puppentheater „Hans Wurst Nachfahren“ auch auf der Themenliste des Kulturausschusses im Abgeordnetenhaus. Für die Erhaltung setzen sich die Fraktionen aller Parteien ein.

Die Puppenbühne im Internet: www.hans-wurst-nachfahren.de

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