Berlin-Charlottenburg : Nach 13 Jahren kehrt das Kiezkino "Klick" zurück

Rund um den Kurfürstendamm mussten viele große Filmpaläste schließen, aber das kleine Kino „Klick“ am Rande des Stuttgarter Platzes lebt wieder auf. Wir verlosen Karten für die Premiere von "Gaza Surf Club" am 30. März.

von
Filmverleiher Christos Acrivulis und die PR-Expertin Claudia Rische lassen das Charlottenburger Kino Klick wieder aufleben.
Filmverleiher Christos Acrivulis und die PR-Expertin Claudia Rische lassen das Charlottenburger Kino Klick wieder aufleben.Foto: Thilo Rückeis

Ein paar frühere Stammgäste des Charlottenburger Kinos Klick haben schon bei den neuen Betreibern angefragt, ob „Hellzapoppin’“ wieder auf die Leinwand komme. Die Musicalverfilmung aus dem Jahr 1941 war ein oft gezeigter Publikumsliebling im Kiezkino an der Windscheidstraße 19 neben dem Stuttgarter Platz – bis es vor 13 Jahren wegen Mietschulden schließen musste. Nun wollen Christos Acrivulis und Claudia Rische das Klick neu beleben.

Grundsätzlich solle das Programm anspruchsvoll sein, aber „auch Spaß machen“, sagt Rische. Ein Beispiel dafür ist die deutsche Premiere des Films „Gaza Surf Club“, mit der das Klick am Donnerstag, dem 30. März, um 18 Uhr wieder öffnet. Der Film handelt von Palästinensern im Gaza-Streifen, die vor der Mittelmeerküste surfen, um ein Stück Freiheit zu gewinnen. Die Regisseure Philip Gnadt und Mickey Yamine stellen sich nach der Vorführung den Fragen des Publikums.

Kino für Raritäten

Zum Konzept des wiederbelebten Klick gehören auch Filme, die nach ihrem Kinostart selten oder gar nicht auf Berliner Leinwänden zu sehen waren.. Bei einer der täglichen Vorstellungen um 18 und 20 Uhr soll stets ein Dokumentarfilm laufen. Um auch ältere deutsche Filme zeigen zu können, kooperiert man mit der Deutschen Kinemathek. Sonnabends und sonntags um 16 Uhr gibt es Kindervorstellungen, eine Zusammenarbeit mit Schulen ist angedacht.

Das „Klick“ greift die fast vergessene Tradition der Kurzfilme wieder auf und will Werke von Filmstudenten der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin zeigen. Thematische Filmreihen und Gesprächsabende sollen das Angebot ergänzen. So will der Filmjournalist Rüdiger Suchsland am 26. April seinen Dokumentarstreifen „Hitlers Hollywood“ vorstellen.

Am Boulevard schlossen viele große Filmbühnen

Die Rückkehr eines geschlossenen Kinos ist die Ausnahme in der westlichen Innenstadt. In den Räumen einst berühmter Filmtheater am Ku’damm verkaufen heute Modeketten, den leer stehenden Gloria-Palast will ein Investor trotz des Denkmalschutzes abreißen. Nur dem Zoo-Palast gelang ein Comeback. Und am Bahnhof Zoo will die Yorck-Kinogruppe im Sommer das neue Arthouse-Kino „Delphi Lux“ eröffnen. Christos Acrivulis und Claudia Rische sehen darin keine Konkurrenz. Ihr Einzugsgebiet seien vor allem die Kieze um den Lietzensee und am Klausenerplatz und die direkte Nachbarschaft.

Die Geschichte des Kinostandorts reicht bis ins Jahr 1911 zurück. Den Namen Klick trägt das Haus seit 70 Jahren, dieses Jubiläum soll im Mai gefeiert werden. Heute ist der kleine Vorführsaal mit 83 Plätzen ein Teil der „DaWanda Snuggery“ – einem Laden mit Café, der zum Online-Shop DaWanda gehört. Der Saal wurde zuletzt für Events vermietet. Darin gastierte auch der Berliner Low-Budget-Regisseur Patrick Banush mehrmals mit seiner Mädchenkino-Reihe.

Neubeginn aus Leidenschaft

„Ein Kino zu bespielen, ist unsere Leidenschaft“, sagen die beiden neuen Betreiber, die dafür gemeinsam das Unternehmen „Kulturspedition“ gründeten. Claudia Rische betreibt seit mehr als zehn Jahren eine PR-Agentur für den Film- und Kulturbereich, früher machte sie zum Beispiel die Pressearbeit für die „Panorama“-Reihe der Berlinale. Christos Acrivulis gründete 2007 den Berliner Verleih „missingFILMs“ für unabhängige Produktionen von Nachwuchsfilmern. „Das Klick wird aber kein Kino meines Verleihs“, betont er.

Dieses Bild Bild entstand im Jahr 2000, damals war das Kino auch eine Kiezkneipe. Heute gibt es vorne einen Laden mit Café.
Dieses Bild Bild entstand im Jahr 2000, damals war das Kino auch eine Kiezkneipe. Heute gibt es vorne einen Laden mit Café.Foto: Thilo Rückeis

Rische wohnt und arbeitet in Neukölln, Acrivulis in Friedrichshain. Rund eineinhalb Jahre lang hatten sie in ganz Berlin nach einem Kinostandort gesucht. Schließlich entdeckten sie als Cafégäste der „DaWanda Snuggery“ zufällig den Saal hinter dem Lokal und waren sofort begeistert. „Alles ist gut in Schuss, und die Tonanlage hat einen satten Sound“, sagt Acrivulis. Zum alten Inventar gehört auch ein analoger Filmprojektor. Ob dieser irgendwann noch einmal nützlich sein kann, ist allerdings fraglich. Zunächst werden alle Filme von Blu-Ray-Discs abgespielt und per Beamer auf die Leinwand geworfen; der Kauf eines professionellen Digitalprojektors gehört zu den längerfristigen Plänen.

Gegen das Kinosterben

Trotz des Niedergangs des alten Klick machen sich dessen Wiedererwecker keine Sorgen. Die Kinolandschaft habe sich ja verändert, sagen sie, es gebe viel weniger Mitbewerber. Außerdem sieht Rische einen „Bewusstseinswandel“ beim Publikum. Nach dem großen Kinosterben sei vielen Filmfans inzwischen klar geworden, „was sie verloren haben“. Weitere Vorteile sehen Acrivulis und Rische darin, dass sie sich im Kulturbetrieb auskennen und „nicht von dem Kino leben müssen“. Ein kleiner Saal lasse sich auch leichter wirtschaftlich betreiben als ein großer.

Unterdessen hat Regisseur Patrick Banush, der das Klick nicht mehr für seine Mädchenkino-Reihe nutzen kann, eine Ersatzspielstätte gefunden. Vom 21. April bis zum 12. Mai macht er jeweils freitags im Bücherbogen am Savignyplatz weiter (www.maedchenkino.de). Christos Acrivulis kennt und schätzt Banush. „Wir werden uns mit Patrick treffen und über eine Kooperation sprechen“, kündigt er an. Damit scheint auch diese Rückkehr nicht ausgeschlossen.

- Wir verlosen zwei Mal zwei Freikarten für den Eröffnungsfilm „Gaza Surf Club“. Schicken Sie bitte bis zum 27. März eine Mail an verlosung@tagesspiegel.de. Stichwort: Kino Klick.
Karten für diese und andere Vorstellungen gibt es sonst bisher nur an der Windscheidstraße 19. Reservierungen: kontakt@kulturspedition.de. Das Programm steht bei Facebook.

1 Kommentar

Neuester Kommentar