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Berlin-Spandau : Foodtrucks und Live-Musik vor der Post-Ruine

Frisches Leben in Spandaus zentralstem Schandfleck: der Post-Ruine. Da spielt am Wochenende die Musik. Alexander Paschin, 31, steckt dahinter.

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Festareal: hier spielt die Musik am Wochenden. Hinten der Rathausturm. Foto: André Görke
Festareal: hier spielt die Musik am Wochenden. Hinten der Rathausturm.Foto: André Görke

Es reicht langsam, oder? Die Klamotten klamm, die Grillkohle feucht, die Geranien ersoffen, kurzum: Wird mal wieder Zeit für Sommer, bevor plötzlich Herbst ist. Blicken wir gleich mal aufs Wochenende, und da speziell auf den verschnarchten Westen der Stadt, wo am Wochenende eine kleine Überraschung ansteht: die „temporäre Zwischennutzung“ einer Bauruine – mit Beats und Burgern.

Seit den 90ern döst hier der Beton-Klotz

Konkret geht es um den zentralsten Dreckfleck in Spandau, wo seit den 90er Jahren der Post-Betonklotz herumdöst. Dort – zwischen Rathaus, Havel und ICE-Bahnhof – ist ein Fest geplant mit Food-Trucks (Barbecue, Burger, Burrito), Musikbühnen (Indie, Deutsch-Pop), Streetart und Hüpfburg. Dahinter steckt Alexander Paschin, 31 Jahre alt, Kulturveranstalter aus Friedrichshain, der nach eigenen Angaben zuletzt beim Fest „Zehn Jahre Hauptbahnhof“ mitgemischt hat. Das Fest findet auf dem hinteren Teil statt und wird laut Veranstalter unterstützt vom Bezirk.

1000 BLN 20: So sieht die alte Post-Ruine im Innern aus
So sieht es im Januar 2017 im Innern der Post-Ruine aus. Die Bilder macht der Spandauer Fotograf Sascha Lisowski. .Weitere Bilder anzeigen
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31.01.2017 12:32So sieht es im Januar 2017 im Innern der Post-Ruine aus. Die Bilder macht der Spandauer Fotograf Sascha Lisowski.

„Wir wollen auf dem Post-Gelände noch öfter feiern“, sagt Paschin – deshalb heißt das Fest auch „Alte Post – the first“. Wer jetzt sagt: „Hui, dafür bin ich zu alt“ – dem antwortet Paschin: „Och, meine Mutter kommt auch.“
Mit Spandau hatte der Mann bisher nicht viel zu tun, die Szene ist weit weg, die Disko „Jet-Power“ fast vergessen. Aber Paschin hat gemerkt, wie sehr diese stille Ruine die Leute berührt. Das Interesse an seiner Facebookseite ist hoch, jeder hat eine Geschichte zur Post zu erzählen, jeder hat dort mal ein Päckchen abgeholt, eine Briefmarke gekauft.

Abriss soll jetzt im Oktober beginnen

Eigentlich sollte das Haus längst abgerissen sein. Die Investoren Fay Projects und Merz Objektbau haben die Brache im März 2016 erworben und planen hier für rund 100 Millionen Euro den Bau eines Quartiers mit einem Hotel, einem Boardinghouse, Wohnungen, Büros und Geschäften. Auch wenn der Abriss der Postruine wegen dort brütender Vögel verschoben werden musste, war man in den vergangenen Monaten nicht untätig, berichtete Merz-Geschäftsführer Agilolf Bachner dem Tagesspiegel. Das Gebäude wurde im Innenbereich komplett entkernt, Schadstoffe sind beseitigt worden. In dieser Woche werden diese Arbeiten abgeschlossen. Der eigentliche Abriss soll nun im Oktober beginnen, im Herbst soll es dann auch den geplanten Tag der offenen Baustelle mit Informationen für die Bürger geben. Bis dahin sollen auch die im November vergangenen Jahres vorgestellten Planungen mit drei 40, 60 und 80 Meter hohen Gebäuden überarbeitet sein. "Das Werkstattverfahren ist in der Konkretisierungsphase, wir befinden uns in regelmäßiger Abstimmung mit dem Bezirk und sind sehr zufrieden, wie es läuft", so Bachner.

Baubeginn frühestens Ende 2018

"Aus unserer Sicht gibt es keine Verzögerungen", sagt der Geschäftsführer. Das Bebauungsplanverfahren werde ohnehin erst im Laufe des kommenden Jahres abgeschlossen. Mit dem eigentlichen Bau werde frühestens Ende 2018 begonnen werden können. Deshalb hatte man auch die Idee einer Zwischennutzung. Für das Festival am Wochenende hat man den Bereich am Havelufer zur Verfügung gestellt, um das Gelände für die Bürger schon jetzt "ein bisschen zugänglich zu machen".

„Alte Post – the first“, 15. und 16. Juli, 12 bis 22 Uhr, Eintritt frei.

Die Post-Ruine von Spandau - Leserfotos von der Baustelle 1980
Dieses Bild schickte uns Tagesspiegel-Leser Axel Noack. Es zeigt den Post-Rohbau von Spandau, Ende der 70er Jahre. Der Fotograf steht an der Klosterstraße Ecke Charlottenburger Chaussee. Foto: Axel NoackWeitere Bilder anzeigen
1 von 38Foto: Axel Noack
10.02.2017 13:58Dieses Bild schickte uns Tagesspiegel-Leser Axel Noack. Es zeigt den Post-Rohbau von Spandau, Ende der 70er Jahre. Der Fotograf...

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