Berliner Bettensteuer : Hotels beklagen Probleme mit der neuen City Tax

Seit Neujahr müssen Berlin-Touristen die umstrittene Übernachtungssteuer zahlen, die Hotels stellen sich gerade darauf um. Nicht bei allen klappt das gleich gut.

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Zu Gast in Berlin. Seit dem 1. Januar müssen Touristen eine Bettensteuer zahlen.
Zu Gast in Berlin. Seit dem 1. Januar müssen Touristen eine Bettensteuer zahlen.Foto: dpa

Im Aletto-Hostel nahe dem Bahnhof Zoo wurden in den vorigen Tagen einige Extraschichten eingelegt, um die Mitarbeiter im korrekten Umgang mit der Bettensteuer zu schulen. Die Umstellung zum 1. Januar sei „schwierig und zeitaufwändig“ gewesen, sagt Marketingchef Razvan Lattes. Vieles sei noch immer unklar, weil Informationen von der Finanzverwaltung fehlten.

Das im Sommer 2012 eröffnete Hostel mit 850 Betten setzt auf eine einfache Lösung – es erhebt die fünfprozentige Steuer für Privatreisende nicht separat, sondern hat die Übernachtungspreise pauschal entsprechend erhöht.

Auch im Aletto übernachten aber Geschäftsreisende, die von der Steuer ausgenommen sind; sie können sich den Zuschlag erstatten lassen. Dafür sei eine Bescheinigung des Arbeitgebers nötig, selbstständige Unternehmer müssten ein Formular ausfüllen, sagt Lattes. „Eine Visitenkarte reicht nicht.“

Bisher mussten erst wenige Touristen in Berlin die umstrittene „City Tax“ zahlen, denn wer sein Hotel noch im Vorjahr gebucht und bezahlt hat, spart den Aufpreis.

Im Marriott am Potsdamer Platz gab es aber schon Betroffene. „Für ausländische Gäste ist die Steuer verwirrend, weil sie so kurzfristig in Kraft trat“, sagt Empfangsleiter Christoph Flaggl. Nur die deutsche Kundschaft habe davon überwiegend schon durch Medien erfahren.

Im Hotel de Rome in Mitte sind im neuen Jahr bisher nur Gäste abgereist, die längerfristig gebucht hatten. „Wir werden mit Flugblättern über die Steuer informieren“, kündigt Christoph Klinkhammer vom Empfang an. Technisch sei die Abrechnung dank „guter Computerprogramme“ kein Problem.

Von einem „Ausnahmezustand“ spricht dagegen ein Mitarbeiter des mittelständischen Hotels Plaza an der Knesebeckstraße nahe dem Ku’damm. Auch er beklagt, vom Senat gebe es kaum Leitlinien. Schwierig werde wohl der Umgang mit Reisenden, die mit Preisen aus Katalogen kalkuliert hatten, die „Mitte 2012 schon im Druck waren“.

Der Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) Berlin hatte wegen des starken Konkurrenzdrucks und Preiskampfs damit gerechnet, dass viele Häuser die Bettensteuer selbst begleichen, ohne die Mehrbelastung an ihre Gäste weiterzugeben. Diese Lösung hat aber zumindest keines der Hotels verwirklicht, die dem Tagesspiegel jetzt Auskünfte gaben. „Ein Privathotel wie unseres kann sich das gar nicht leisten“, heißt es etwa aus dem Plaza, das 131 Zimmer hat.

Rainer Bangert, General Manager des Westin Grand in der Friedrichstraße, nennt das Gesetz „völlig unausgegoren“ und will Widerspruch einlegen, sobald der erste Steuerbescheid kommt. Die Umsetzung sei so kompliziert, dass „ich eigentlich extra dafür einen Mitarbeiter einstellen müsste“ , ärgert sich Bangert.

Den „ungeheuren Mehraufwand“ kritisiert auch Michael Frenzel, Chef des Charlottenburger Hotels Palace. Rezeptionsmitarbeiter müssten „quasi als verlängerter Arm der Steuerbehörden fungieren“ und Reisenden Auskünfte abverlangen, um Privat- und Geschäftsreisende zu unterscheiden. Damit stelle die City Tax einen Eingriff in die Privatsphäre dar. Sie sei „nicht nur ein bürokratisches Monster, sondern schlicht eine Peinlichkeit“, die dem Ansehen Berlins genauso wie der nicht eröffnete Flughafen BER schade.

Aus der Direktion des Intercontinental in Tiergarten heißt es, eine „Grauzone“ bleibe zum Beispiel der Umgang mit einem Geschäftsmann, der eine Dienstreise privat um eine Nacht verlängere. Man habe eigens einen Anwalt damit beauftragt, Regeln für komplizierte Fälle zu erstellen.

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