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Berliner Ex-Piraten : Simon Weiß und Martin Delius treten in Linke ein

Am Donnerstag sind die Piraten Simon Weiß und Martin Delius offiziell in die Linkspartei eingetreten. "Ich bin Sozialist", sagt Delius zu dem Schritt.

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Schwarz auf weiß: Linken-Landesvorsitzender Klaus Lederer (mitte) mit Martin Delius (l.) und Simon Weiß.
Schwarz auf weiß: Linken-Landesvorsitzender Klaus Lederer (mitte) mit Martin Delius (l.) und Simon Weiß.Foto: Britta Pedersen/dpa

Eine Annäherung gab es schon zu Beginn des Wahljahres zwischen ehemaligen Piraten und der Linkspartei in Berlin. 36 Ex-Piraten verkündeten im Januar ihre Unterstützung für die Linke. "Das war ein Prozess der natürlichen Annäherung", sagte damals Fraktionschef Martin Delius im Doppelinterview mit Klaus Lederer, Vorsitzender der Linken in Berlin. Das Gespräch können Sie hier nachlesen.

An diesem Donnerstag sind die beiden Ex-Piraten Martin Delius und Simon Weiß auch offiziell in die Linkspartei eingetreten. Auf Twitter wurde es verkündet:

... und fotografisch dokumentiert. Martin Delius (Mitte) und Simon Weiß (rechts) halten ihre Mitgliedsanträge, Klaus Lederer schaut zu.

"Ich bin Sozialist", sagte Delius hinterher dem Tagesspiegel. Angesichts der wachsenden gesellschaftlichen Spaltung wolle er sich in einer Partei einbringen, die sich dafür stark mache, die öffentliche Daseinsvorsorge - also Einrichtungen der Grundversorgung wie Beförderungswesen, Gas-, Wasser- und Elektrizitätsversorgung - in der öffentlichen Verantwortung zu lassen. Gerade angesichts der Schuldenbremse benötige Berlin eine starke Öffentlichkeit gegen Privatisierungspläne. Zudem steht die Linke für Delius auch in Bereichen wie Digitalisierung und Veränderung der Arbeitswelt für eine "sozialverträgliche Politik".

Gefragt, wie er sich konkret bei der Linken betätigen will, sagt Delius: "So, wie die Partei das möchte." Er sei bereits seit einigen Monaten Bundesvorstandsmitglied des Forums demokratischer Sozialismus, das zum reformorientierten Flügel der Linken gezählt wird.

Beruflich wird sich Delius allerdings noch einige Monate mit den Piraten befassen: Er ist als Vorsitzender der Piratenfraktion für die Abwicklung der Fraktionsgeschäfte nach dem Ende der Legislaturperiode zuständig. Was er danach beruflich macht, sei noch offen: "Im Zweifel schreibe ich Bewerbungen wie jeder andere."

Weiß begründete den Schritt auf Anfrage so: "Ich möchte mich weiterhin politisch einbringen und sehe bei der Linken die Möglichkeit das im Sinne einer linken und emanzipatorischen Politik zu tun." Politisch will er seinen bisherigen Themen treu bleiben: "Ich habe mich in den letzten Jahren auf landespolitischer Ebene intensiv mit Themen rund um Digitalisierung und Informationsfreiheit beschäftigt, die in den nächsten Jahren nur noch wichtiger werden", sagt Weiß. "Ich plane zunächst mal zu schauen, wie ich meine Kenntnisse da nutzbar machen kann auch wenn ich dem Parlament nicht mehr angehöre." Das "Büro der guten Laune", also das gemeinsame Abgeordnetenbüro, das Delius und Weiß zusammen in der Charlottenburger Uhlandstraße betrieben hatten, befinde sich derzeit in der Auflösung. "Was aus den Räumlichkeiten in Zukunft wird, weiß ich nicht", sagt Weiß.

Delius und Weiß stehen quasi in der Tradition erfolgreicher Piraten-Politiker, die jetzt in anderen Parteien Politik machen wollen. Oliver Höfinghoff, Ex-Fraktionschef im Abgeordnetenhaus, ist schon Ende Mai der Linken beigetreten. Die Ex-Piratin Anke Domscheit-Berg will für die Linke 2017 in Brandenburg für den Bundestag kandidieren.

Die beiden früheren Bundeschefs der Piratenpartei wiederum, Bernd Schlömer und Sebastian Nerz, traten schon im vergangenen Oktober in die FDP ein. Schlömer kandidiert jetzt für die Liberalen in Friedrichshain-Kreuzberg bei der Abgeordnetenhaus-Wahl.

Christopher Lauer indes ist ebenfalls auf der Suche nach einer "neuen politischen Heimat" und war offenbar Ende Juli mit der SPD im Gespräch.

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