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Berliner Gymnasien : Noch mehr Schüler scheitern am Probejahr

Wer hoffte, dass die hohe Rückläuferzahl im Sommer 2012 den schwierigen Bedingungen des Doppeljahrgangs geschuldet war, sieht sich jetzt getäuscht: Berlins Quote ist sogar gestiegen.

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Nicht geschafft. Insgesamt 770 von 9160 Siebtklässlern mussten zu Beginn dieses Schuljahres auf eine Sekundarschule wechseln.
Nicht geschafft. Insgesamt 770 von 9160 Siebtklässlern mussten zu Beginn dieses Schuljahres auf eine Sekundarschule wechseln.Foto: dpa

Viele Anstrengungen, aber kein sichtbares Ergebnis: Der Anteil der Gymnasiasten, die am Probejahr gescheitert sind, ist nochmals leicht gestiegen und liegt jetzt bei über acht Prozent. Insgesamt 770 von 9160 Siebtklässlern mussten zu Beginn dieses Schuljahres auf eine Sekundarschule wechseln. Dies geht aus der aktuellen Bilanz der Bildungsverwaltung hervor, die dem Tagesspiegel vorliegt. Viele von ihnen mussten in Rückläuferklassen aufgefangen werden, weil es nicht genug freie Plätze an regulären achten Klassen der Sekundarschulen gab.

Besonders hoch bleibt der Prozentsatz der Schüler, die scheitern, nachdem sie das Gymnasium trotz einer Sekundarschulempfehlung gewählt hatten. Von ihnen muss jeder dritte gehen. Zum Vergleich: Von den Schülern mit einer Empfehlung für das Gymnasium schafften 95 Prozent das Probejahr.

Um die Zahl der Rückläufer zu senken, will die Bildungsverwaltung besonders schwache Schüler vom Besuch des Gymnasiums abhalten. Geplant ist deshalb, dass Schüler mit einem Notenschnitt von 3,0 oder schlechter künftig ein verpflichtendes Beratungsgespräch absolvieren müssen. Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) hofft, dass sich die Eltern durch die Mahnungen der Schulleiter von ihrem Vorhaben abbringen lassen.

„Diese Beratungsgespräche gibt es doch schon auf freiwilliger Basis. Sie wirken aber nicht“, gibt die grüne Bildungsstadträtin von Charlottenburg-Wilmersdorf, Elfi Jantzen, die Erfahrungen von Schulleitern aus ihrem Bezirk wieder. Auch ihre Neuköllner Kollegin Franziska Giffey (SPD) erhofft sich von der neuen Beratungspflicht keinen Durchbruch. Es habe sich im Laufe der Jahre gezeigt, dass es „beratungsresistente“ Familien gebe.

Die Bildungsverwaltung plant aber noch eine zweite Änderung, um zumindest die Zahl der reinen Rückläuferklassen zu reduzieren. Sie will gesetzlich festlegen, dass die siebten Klassen der Sekundarschulen nur mit 25 Kindern eröffnet werden dürfen. Dann gäbe es einen freien Platz pro Klasse für potenzielle Rückläufer. Auch diesen Schritt halten nicht alle Bezirke für wirkungsvoll.

„Durch Quereinsteiger und Zuzüge im Laufe des Schuljahres wird dieser Puffer sofort wieder aufgefressen“, warnt Giffey. Zudem würden die Gerichte immer wieder Schüler zuweisen, die sich in bestimmte Schulen einklagen. Es sei absehbar, dass sie ihre 100 Neuköllner Rückläufer auch langfristig nicht ohne die umstrittenen Rückläuferklassen unterbringen könne. Die Stadträtin sieht deshalb nur einen Weg, um das Problem zu lösen: „Es ist unbedingt erforderlich, weitere Zulassungsbeschränkungen einzuführen“, fordert Giffey. Sie schlägt vor, dass die Grundschüler, die auf das Gymnasium wollen, einen Test absolvieren müssen, falls sie keine Gymnasialempfehlung haben und einen Schnitt von 3,0 oder schlechter aus der Grundschule mitbringen.

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