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Berliner Problemschulen : Der Campus Rütli als einsamer Leuchtturm

28.11.2012 12:23 Uhrvon
Seit diesem Jahr werden Zusammenfassungen der Schulinspektionsberichte im Internet veröffentlicht. Wir haben uns die ersten 68 Berichte genauer angesehen und für Sie zusammengefasst. Die Bildergalerie zeigt, welche Probleme die Schulen im einzelnen beschäftigt. Foto: dapdBilder
Seit diesem Jahr werden Zusammenfassungen der Schulinspektionsberichte im Internet veröffentlicht. Wir haben uns die ersten 68 Berichte genauer angesehen und für Sie... - Foto: dapd

Der Campus Rütli mit seiner Gemeinschaftsschule ist auf einem guten Weg, und viele fragen sich: Warum geht das nicht in anderen Problemkiezen? Die Antwort hat auch mit dem Bürgermeister von Neukölln zu tun.

Es gibt wieder was zu feiern auf dem Campus Rütli. Diesmal ist es die Mehrzweckhalle, die für Sport, aber auch für Konzerte nutzbar ist. An diesem Mittwoch wird das Sechs-Millionen-Euro-Projekt mit viel Politprominenz eingeweiht. Das große Bildungsprojekt, das vor fünf Jahren im schwierigen Neuköllner Umfeld nach dem Weckruf eines Brandbriefes wie Phönix der Asche entstieg, hat durchaus Erfolge vorzuweisen: An der einstigen Abstiegsschule gibt es kaum noch Schulabbrecher, die Zahl der Anmeldungen von deutschstämmigen Schülern steigt, und in zwei Jahren werden die ersten Abiturienten entlassen.

Bleibt die Frage: Warum findet das Modell keine Nachahmer in anderen Bezirken?

Volker Hassemer tritt gleich auf die Bremse, wenn er diese Frage hört. Für ihn schwingt da zu viel Euphorie mit. „Der Weg ist noch nicht positiv zu Ende, und das Gelingen deshalb noch nicht klar“, sagt er. Doch ein Anfang sei gemacht: „Die Rütli-Schule ist von der Seite der Verzweiflung auf die Seite der Hoffnung gewechselt.“

Hassemer kennt sich aus mit der Rütli-Schule. Als 2006 der Brandbrief des Kollegiums die Runde machte, hat er Heinz Buschkowsky angerufen. Als Vorsitzender der Stiftung Zukunft Berlin wollte Hassemer dem Neuköllner Bürgermeister seine Hilfe anbieten. Buschkowsky hat reagiert, und was dann folgte, waren fünf Jahre einer erfolgreichen Zusammenarbeit, die „sehr viele Energien freisetzte“, wie Hassemer betont.

Die Rütli-Macher. Die „Viererbande“ vom Bildungscampus in Neukölln: Schulleiterin Cordula Heckmann, Projektleiter Klaus Lehnert, Quartiersmanagerin Ilse Wolter und Sascha Wenzel von der Freudenberg-Stiftung. Kitty Kleist-HeinrichBild vergrößern
Die Rütli-Macher. Die „Viererbande“ vom Bildungscampus in Neukölln: Schulleiterin Cordula Heckmann, Projektleiter Klaus Lehnert, Quartiersmanagerin Ilse Wolter und Sascha Wenzel... - Kitty Kleist-Heinrich

Das soll kein Loblied auf den SPD-Bezirkspolitiker sein. „Ein engagierter Bürgermeister darf sich gar nicht anders verhalten, als es damals Buschkowsky getan hat“, findet Hassemer, Ex-Stadtentwicklungssenator und CDU-Politiker. Mit anderen Worten: Es ist selbstverständlich, dass ein Bürgermeister aktiv wird, wenn eine Schule in Resignation und Verzweiflung versinkt wie Rütli damals.

So selbstverständlich sei das gar nicht, finden hingegen die Brennpunkt-Schulleiter in Mitte. Sie haben viele Brandbriefe geschrieben und sind sogar im Bundeskanzleramt empfangen worden, aber einen großen vorbildhaften Campus, der als Pilotprojekt dienen könnte, haben sie noch nicht bekommen.

„Unser Bürgermeister schneidet lieber Einweihungsbänder durch“, ätzt ein Rektor über Christian Hanke (SPD), der seit 2006 das Bezirksamt leitet. Die Brandbriefe seien verpufft. Keine Spur von Initiative oder einer Idee, wie man aus der Dramatik der Brandbriefe eine positive Energie entwickeln könnte wie bei Rütli. Stattdessen eine desaströse Finanzpolitik, die dazu führte, dass Mitte inzwischen völlig handlungsunfähig ist.

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