Berliner Schulen : Schulleiter will nicht in den Ruhestand – und klagt

Der Direktor der Gustav-Heinemann-Schule, Karl Pentzliehn, möchte ein Jahr verlängern. Doch man lässt ihn nicht, weil die Bildungsverwaltung geschlampt hat. Jetzt unterstützen ihn nicht nur Eltern.

Susanne Vieth-Entus

Wenn das keine Schülerliebe ist: „Die GHO ohne Pentzliehn ist wie die Wüste ohne Sand!“ oder: „Wenn Herr Pentzliehn jetzt geht, gehen wir mit (unter)“. So stand es auf T-Shirts und Plakaten, als im Mai über 1000 Schüler und Eltern der Marienfelder Gustav-Heinemann-Oberschule dafür demonstrierten, dass ihr Direktor ein Jahr lang weiterarbeiten darf. Er soll trotzdem gehen. Aber abgeschlossen ist der Fall noch nicht: Pentzliehn hat vorm Verwaltungsgericht Klage eingereicht. Gestern überreichten Eltern die Klageschrift an Bildungs-Staatssekretär Eckart Schlemm (SPD).

Der Streit geht um eine der beliebtesten Schulen der Stadt und um die Frage, wie wichtig es ist, wer eine solche Schule leitet. Eltern und Schüler haben entschieden, dass es ihnen sehr wichtig ist. Deshalb wollen sie, dass Pentzliehn bleibt, bis ein guter Nachfolger gefunden ist.

Die jetzige Zuspitzung beruht auf einem Irrtum der Bildungsverwaltung. Sie hatte Karl Pentzliehn im Januar gefragt, ob er „ein nochmaliges Hinausschieben des Eintritts in den Ruhestand“ wünscht – was der 66-Jährige schriftlich bejahte. Umso größer war seine Verwunderung, als im Frühjahr die 60-jährige Leiterin einer Realschule auftauchte, die sich als Anwärterin auf seinen Posten herausstellte. Am Ende war klar: Der Brief vom Januar war ein Fehler der Verwaltung.

Die Eltern sehen ein, dass man eine Pensionierung nicht unendlich vertagen kann. Sie waren schon froh darüber, dass Pentzliehn 2007 einen Aufschub bekam, um das Projekt „Japanisch ab Klasse 5“ anzuschieben. Aber sie wollen nur einen Nachfolger akzeptieren, der jung genug ist, um eine Perspektive zu bieten. Der aber ist nicht in Sicht.

Die Beziehung Pentzliehns zu seiner Schule ist in vieler Hinsicht ungewöhnlich. Sein ehemaliger Lehrer, der die neue Gesamtschule seit 1973 leitete, hatte ihn in sein Kollegium geholt. 1982 wurde Pentzliehn sein Nachfolger und baute die Schule eindruckvoll aus. Wer im Kollegium nicht mitzog, hatte nichts zu lachen. Mit seiner rigorosen Auswahl der leistungsstärksten Schüler schuf er Frust bei den vielen abgelehnten, aber die glücklichen, die Aufnahme fanden, hatten das Gefühl, das große Los gezogen zu haben.

Inzwischen haben sich nicht nur die älteste Tochter Heinemanns, sondern auch Persönlichkeiten wie der Präsident der Baukammer bei Zöllner dafür eingesetzt, bei der Nachfolge Pentzliehns Umsicht walten zu lassen. Der Staatssekretär habe ihnen in einem langen Gespräch aber letztlich nur sagen können, dass er „keinen dringenden Handlungsbedarf“ sehe, berichtet Uwe Januszewski vom Förderverein. Die Verwaltung bleibe dabei, „keinen Präzedenzfall“ schaffen zu wollen.

Die jüngsten Erfahrungen hätten ihn „gelehrt, dass es den Herrschaften relativ egal ist, was aus einer Schule wird“, sagt Pentzliehn. Susanne Vieth-Entus

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