Bessere Schultoiletten : Drei Berliner Schulen gewinnen bei Wettbewerb

Stinkende Rohre, kaputte Klotüren und Schüler, die sich ekeln: An vielen Berliner Schulen gibt es Probleme mit den Toiletten. Drei Berliner Schulen wurden jetzt für ihr Engagement zur Verbesserung der Situation ausgezeichnet.

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Einen Deckel gibt es, eine Sitzbrille nicht: Die Toiletten in der Grundschule am Weißen See sind nicht in optimalem Zustand.
Einen Deckel gibt es, eine Sitzbrille nicht: Die Toiletten in der Grundschule am Weißen See sind nicht in optimalem Zustand.Foto: dpa

„Es stinkt schrecklich“ - das Urteil der Zweitklässler von der Grundschule am Weißen See über ihre Toiletten ist eindeutig, und ihre Lehrerin kann es nur bestätigen: „Die Sanitärräume sind in einem furchtbaren Zustand“, sagt Marion Praschek. „Die Kabinen lassen sich nicht abschließen, die Wände sind nicht gefliest, und wir haben nicht einmal Klobrillen“.

Doch jetzt gibt es ein wenig Hoffnung, denn zumindest ein Toilettenraum wird schon bald renoviert. Die Schule gehört zu den Gewinnern beim Wettbewerb „Toiletten machen Schule“, den der Verein German Toilet Organization (GTO), eigentlich eine Entwicklungshilfeorganisation, ausgerichtet hat. Als Belohnung für die besten Konzepte zur Verbesserung der Schultoiletten finanziert der Verein eine Renovierung.

79 Schulen aus dem ganzen Bundesgebiet haben bei dem Wettbewerb mitgemacht, zwei der vier Hauptgewinner kommen aus Berlin. Neben der Grundschule am Weißen See kann sich die Staatliche Europaschule Quentin Blake aus Zehlendorf auf eine baldige Toilettensanierung freuen. Einen Sonderpreis gab es für das Arndt-Gymnasium in Dahlem.

Problemzone Schultoilette: Immer der Nase nach
Schüler, die nach dem Abitur ein Studium anstreben, sollten sich ihre zukünftige Hochschule genau ansehen. Dieses Bild zeigt Toiletten der Universität Potsdam am Standort Golm, wie unsere Leserin Laura George schreibt.Weitere Bilder anzeigen
1 von 17Foto: Laura George
23.11.2012 12:52Schüler, die nach dem Abitur ein Studium anstreben, sollten sich ihre zukünftige Hochschule genau ansehen. Dieses Bild zeigt...

Die drei Berliner Schulen klagen über ähnliche Probleme: Sie sind in denkmalgeschützten Gebäuden untergebracht, in denen die Rohre und Leitungen veraltet sind, und der muffige Geruch auch mit viel putzen nicht wegzubekommen ist. „Wir haben ein altes Alliierten-Gebäude“, erzählt Patricia Schulze, Elternvertreterin an der Quentin-Blake-Schule. „Die Toiletten und Waschbecken sind zu hoch für unsere Grundschüler, die kommen da gar nicht richtig dran.“

Sanierungen liegen, wenn überhaupt, lange zurück. „Bei uns soll eventuell 2017 renoviert werden“, sagt Elternsprecherin Marion Dikel von der Grundschule am Weißen See. „Das ist besser als alles, was wir bisher gehört haben“. Die drei Schulen stehen mit ihren Problemen nicht alleine da. Einer Umfrage der GTO zufolge meiden 75 Prozent der Berliner Schüler ihre Schultoiletten. Die Bezirke haben angesichts knapper Kassen jahrelang Sanierungsarbeiten verschleppt, der Investitionsstau beträgt nach Schätzungen von Stadträten mehrere hundert Millionen Euro. Der Senat stellt für Schulsanierungen zwar dieses Jahr 64 Millionen Euro extra zur Verfügung, doch das reicht bei Weitem nicht.

Deshalb helfen sich jetzt viele Schulen und Eltern selbst. An der Schule in Weißensee haben die Eltern einen Toiletten-Arbeitskreis gegründet und einen Spendenaufruf gestartet. An der Quentin-Blake-Schule schrubbten die Eltern selbst und künftig kontrollieren Schüler als sogenannte Toiletten-Paten, ob noch alles sauber ist.

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