Kein Geld für Grünpflege : Auch einer der schönsten Plätze Berlins bleibt kahl

Für Blumen in Parks und auf Plätzen fehlt den Bezirken das Geld - nicht nur am Viktoria-Luise-Platz. Es reicht gerade noch für Baum- und Rasenpflege.

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Schön war die Zeit. Der Viktoria-Luise-Platz in Schöneberg gehörte zu den gepflegtesten Grünanlagen der Stadt. Doch der Bezirk kann sich Blumen nicht mehr leisten.
Schön war die Zeit. Der Viktoria-Luise-Platz in Schöneberg gehörte zu den gepflegtesten Grünanlagen der Stadt. Doch der Bezirk...Foto: dpa

Anwohner sammeln Unterschriften, und Landeskonservator Jörg Haspel hat in einem Brief ans Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg sein Unverständnis zum Ausdruck gebracht: Der Viktoria-Luise-Platz – seit 1982 ein Gartendenkmal und für viele einer der schönsten Plätze Berlins– wird in diesem Jahr wohl nicht in der gewohnten Blütenpracht erstrahlen, weil dafür das Geld fehlt. Kein Einzelfall, denn weil in den bezirklichen Grünflächenämtern Etats massiv gekürzt und Stellen gestrichen wurden, fällt die Frühlingsblüte in der Hauptstadt wohl bescheiden aus.

Seit 2001 mussten rund 200 Mitarbeiter eingespart werden, sagt Stadtentwicklungsstadtrat Daniel Krüger (CDU). Sie durch Auftragsvergaben an Fremdfirmen zu ersetzen, würde jährlich rund fünf bis sechs Millionen Euro kosten. Doch nur 1,8 Millionen Euro stehen zur Verfügung. Die Hälfte davon geht für die Pflege des Baumbestands drauf, mit steigender Tendenz, denn der Anteil der alten und damit morschen Bäume wird immer größer.

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1 von 50Foto: Kitty Kleist-Heinrich
03.02.2016 15:45Ganz unaufgeregt verschönert Grün Berlin unsere Stadt. Wir zeigen in unserer Bildergalerie alle Gärten und Parkanlagen im...

Jeweils 250 000 Euro kosten die beiden mit Pflegemaßnahmen beauftragten Firmen, die sich um Rasenaussaat sowie die Reparatur von Spielplätzen und die Beseitigung von Vandalismusschäden kümmern. Die restlichen 400 000 Euro teilen sich die Müllbeseitigung in Grünflächen und die Unterhaltung der Außenanlagen der Schulen. Die 90 000 Euro, die noch in vergangenen Jahren für Wechselblumenbepflanzungen ausgegeben wurden, fehlen jetzt, sagt Krüger. 60 000 davon entfielen auf den Viktoria-Luise- Platz, nicht mehr bepflanzt werden aber auch der Platz der Luftbrücke rund um das Luftbrückendenkmal sowie Bereiche im Volkspark Mariendorf und im Gutspark Marienfelde.

Personal und Finanzmittel wurden um 60 Prozent reduziert

Seit der Bezirksfusion 2001 sind Personal und Finanzmittel um jeweils 60 Prozent reduziert worden, klagt auch Jürgen Grött vom Straßen- und Grünflächenamt in Mitte. Das Geld reicht nur noch für die Erhaltung oder die Wiederherstellung der Verkehrssicherheit. „Wir bemühen uns einige wenige Schmuckbeete zu bepflanzen, ob das klappt, ist noch sehr fraglich.“

Gab es beim Grünflächenamt Charlottenburg-Wilmersdorf 2002 noch 235 Mitarbeiter, sind es heute 136 – im Durchschnittsalter von 54 Jahren, so Stadtrat Marc Schulte (SPD). Bisher intensiv gepflegte Schmuckanlagen mussten auf eine pflegeleichte Bepflanzung umgestellt werden. Immerhin hat die Bezirksverordnetenversammlung bei den Haushaltsberatungen den Sachmitteletat um 500 000 Euro aufgestockt. So konnten unter anderem auf dem Ernst-Reuter-, dem Rüdesheimer, dem Ludwigkirch- und dem Steinplatz rund 80 000 Frühblüher gepflanzt werden. Außerdem sind auf begrünten Mittelstreifen beispielsweise auf dem Kurfürstendamm, der Bundesallee, dem Hohenzollerndamm und der Schlossstraße 200 000 Blumenzwiebeln versteckt.

„Es kann leider nur eine Grundpflege, insbesondere zur Sicherstellung der Verkehrssicherheit stattfinden“, sagt auch Stadtrat Hans Panhoff (Grüne) in Friedrichshain-Kreuzberg. Einen großen Teil des Budgets frisst die Reinigung der Grünanlagen auf. „Die Substanzerhaltung ist mit regulären Mitteln nicht mehr gewährleistet, hier muss auf Sondermittel ausgewichen werden. Zierbrunnen und öffentliche Toiletten können nur mit Sponsoring betrieben werden.“ Eine Frühjahrsbepflanzung der Grünflächen wird es nicht geben, Panhoff hofft aber, dass viele Narzissen und Krokusse, deren Zwiebeln schon seit Jahren im Boden stecken, wieder austreiben werden. Punktuell werden im Sommer auch wieder die bereits vorhandenen Rosenstöcke erblühen, unter anderem im Rosengarten an der Karl-Marx-Allee.

Blüten gibt es nur noch dort, wo noch alte Zwiebeln vorhanden sind

In Spandau fehlt neben Personal mindestens eine Million Euro an Sachmitteln, berichtet Stadtrat Carsten Röding (CDU). So wurden Blumen- und Schmuckrabatten zugunsten pflegeleichter Bepflanzungen abgebaut. Immerhin konnten nach öffentlicher Kritik auf dem Falkenseer Platz im vergangenen Jahr Krokusse gepflanzt werden, und in diesem Jahr ist es in Kooperation mit dem Behindertenbeirat möglich, zehn neue Sitzbänke aufzustellen. Für 2016 hat die BVV 100 000 Euro zusätzlich für die Pflege der Grünflächen bewilligt, für den grünen Bezirk Spandau dennoch viel zu wenig. „Wir können nur das Nötigste machen“, sagt Röding. Immerhin kann das Spandauer Schwerpunktprogramm „Raum für Kinderträume“ zur Erhaltung der Spielplätze mithilfe von Senatsmitteln fortgesetzt werden, und es ist auch gelungen, einige Auszubildende zu übernehmen.

„Wir würden allein 1,2 Millionen Euro im Jahr benötigen, um den Mauerpark so zu erhalten, wie er ist“, sagt Stadtrat Jens-Holger Kirchner (Grüne) in Pankow. Für die Grünpflege im gesamten Bezirk stehen nur 1,9 Millionen Euro zur Verfügung. „Nur das Notwendigste ist möglich, das ist meistens der Grasschnitt, Blumenpflanzungen gehören nicht dazu.“ Blüten gibt es nur noch dort, wo noch alte Zwiebeln vorhanden sind. Selbst bei den Bäumen ist man auf Patenschaften angewiesen. „Da muss man sich nicht wundern, dass Berlin so aussieht, wie es ist“, sagt Kirchner.

Für den einst vom Gartenarchitekten Fritz Ecke gestalteten Viktoria-Luise- Platz hegt Stadtrat Krüger jetzt die Hoffnung, Sponsoren zu finden, die 2017 wieder eine Bepflanzung ermöglichen.

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