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Bauplanung am Pankower Tor : Signale für Lokschuppen stehen auf Abriss

Der Rahmenvertrag zum Stadtentwicklungsgebiet Pankower Tor soll am 16. September unterschrieben werden. Parallel bereitet Investor Krieger einen Antrag zum Abriss des denkmalgeschützten Ensembles am S-Bahnhof Heinersdorf vor.

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Kurt Krieger ist seit 2010 im Grundbuch als Eigentümer der Flächen eingetragen, die zum Entwicklungsgebiet „Pankower Tor“ gehören. Dazu zählt auch dieser denkmalgeschützte Rundlokschuppen am S-Bahnhof Heinersdorf.
Kurt Krieger ist seit 2010 im Grundbuch als Eigentümer der Flächen eingetragen, die zum Entwicklungsgebiet „Pankower Tor“ gehören....Foto: Reinhart Bünger

Das Land Berlin, der Bezirk Pankow und die Krieger Grundstück GmbH des Investors Kurt Krieger (Möbel Höffner, Sconto, Kraft) haben sich am Donnerstag über den Rahmenvertrag zum Stadtentwicklungsgebiet Pankower Tor verständigt, das auf einer rund 40 Hektar großen Brache zwischen den S-Bahnhöfen Pankow und Heinersdorf mit zwei Schulen, einem Einkaufszentrum und Möbelmärkten bebaut werden soll. Klaus-Martin Groth, Anwalt des Investors, kündigte nach Informationen dieser Zeitung während dieses Termins die Vorbereitung von drei Abrissanträgen für ein denkmalgeschütztes Ensemble aus zwei Lokschuppen und einem Sozialgebäude am S-Bahnhof Heinersdorf an.

Zuvor hatten die Denkmalschützer des Bezirks Pankow die Krieger Grundstück GmbH als Besitzerin der Immobilien aufgefordert, endlich Sicherungs- und Erhaltungsmaßnahmen für die seit einem Vierteljahrhundert dem Verfall preisgegebenen Gebäude einzuleiten. „Wir sind nun in ein ordnungsrechtliches Verfahren eingetreten“, sagte die Leiterin der Unteren Denkmalschutzbehörde Pankow, Kerstin Lindstädt, dem Tagesspiegel auf Anfrage. Zur Vorbereitung der anstehenden Bauleistungen müsse ein Ingenieurbüro mit Tragwerkplanungen beauftragt werden. Das Dach des auf dem Areal stehenden Ringlokschuppens sei bereits akut einsturzgefährdet. Und beim Rundlokschuppen müsse die Tragfähigkeit der einzigartigen Schwedler-Kuppel geprüft werden. Bisher habe man aber keine Grundlagen für die Bauplanung. Das solle sich ändern, sagte Lindstädt: „Es ist beabsichtigt, die Planungsleistung als Voraussetzung für die Planung der konkreten Baumaßnahmen anzuordnen.“ Widersetze sich die Krieger Grundstück GmbH Bauerhaltungs- und Sicherungsmaßnahmen, komme als Zwangsmittel die Ersatzvornahme in Betracht. In diesem Falle würde der Bezirk anstelle des Investors auf dessen Kosten tätig. Das Anwaltsbüro Kurt Kriegers und die Krüger Grundstück GmbH wollten auf Anfrage zu den Vorgängen um die Lokschuppen nicht Stellung nehmen.
Der nun vorliegende Rahmenvertrag über das Pankower Tor, der unter anderem den Bau von rund 1000 Wohnungen möglich machen soll, ist für den 16. September zur Unterzeichnung vorgesehen und soll bis zum 12. September in einer abschließenden Fassung finalisiert werden. Damit er gültig wird, bedarf er noch eines Senatsbeschlusses und der Zustimmung des Berliner Abgeordnetenhauses. Ob das am S-Bahnhof Pankow geplante Einkaufszentrum 20.000 oder 30.000 Quadratmeter groß werden darf, bleibt einer Potenzial- und Verträglichkeitsanalyse vorbehalten. 

Ulrike Scheffer schreibt für Pankow


Ulrike Scheffer lebt mit ihrer Familie in einer sogenannten Intelligenzsiedlung in Pankow-Niederschönhausen. Einst lebten hier Wissenschaftler und Künstler, die schaffende Intelligenz der DDR. Einige ihrer Nachbarn wohnen schon seit den 1950er Jahren in der kleinen Straße und können kaum fassen, wie sich ihre Umgebung verändert hat: exklusive Townhäuser, Privatschulen und Müttercafés. Die meisten nehmen es gelassen, denn bei all dem hat sich Pankow seinen eigenen Charme bewahrt. Und deshalb fühlen sich wohl auch die Neubürger hier wohl.

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