Flüchtlinge in Pankow : Ansturm der Hilfsbereiten

Etwa 2000 Flüchtlinge leben inzwischen in Pankow. Das bringt Probleme mit sich. In diesem Fall allerdings vor allem, weil so viele Bürger helfen wollen.

Ulrike Scheffer
In Pankow gibt es viel Unterstützung für Flüchtlinge.
In Pankow gibt es viel Unterstützung für Flüchtlinge.Foto: imago

Unterstützung für Flüchtlinge zu organisieren, wird in Pankow allmählich zu einem Problem. "Die ehrenamtlichen Helfer stoßen an ihre Grenzen", sagt Katarina Niewiedzial, die Integrationsbeauftragte des Bezirks. Doch nicht etwa der vermeintliche Ansturm von Flüchtlingen ist in Pankow das Problem, sondern der Ansturm hilfsbereiter Bürger. Das bestätigt auch Theresa Adam vom Willkommensnetzwerk "Pankow hilft!", das die ehrenamtliche Hilfe koordiniert. "Besonders seit Heidenau können wir uns vor Anfragen kaum retten", sagt sie. Die Krawalle vor einer Flüchtlingsunterkunft in der sächsischen Stadt Heidenau hätten viele Bürger alarmiert. "Deshalb wollen sie sich einbringen und selbst etwas für Flüchtlinge tun." Das Netzwerk, in dem verschiedene Organisationen zusammengeschlossen sind, versucht nun, die Angebote zu kanalisieren. "Damit kommen wir derzeit aber kaum nach."

Langfristiges Engagement gefragt

Nicht überall im Bezirk ist das Netzwerk zudem gut ausgebaut. "In Prenzlauer Berg, in Buch und im Altbezirk Pankow läuft es super, in Weißensee ist der Unterstützerkreis noch nicht so gut etabliert", sagt Theresa Adam. Sie freut vor allem, wenn sich ehrenamtliche Helfer langfristig einbringen wollen. "Für die Flüchtlinge ist es wichtig, persönliche Beziehungen aufbauen zu können", erklärt sie. Das Willkommensnetzwerk plant aktuell ein Mentorenprojekt, das "Bekanntschaften" zwischen Pankower Bürgern und Flüchtlingen vermitteln soll, wie Adam sagt. "Da geht es nicht um Sozialarbeit, sondern einfach darum, eigenes Wissen und Erfahrungen weiterzugeben, ob im Umgang mit Behörden oder in Alltagssituationen."

Flüchtlingszahlen ändern sich täglich

Die Integrationsbeauftragte wünscht sich ebenfalls mehr direkte Unterstützung für die Menschen in den Pankower Unterkünften. "Wir bräuchten dort Flüchtlingsfürsprecher", sagt sie. Hauptamtliches Personal könne das nicht leisten und auch Flüchtlinge nicht. Niewiedzial selbst hat angesichts der wachsenden Aufgaben nun immerhin Verstärkung bekommen. Seit dem 1. August gibt es in ihrer Dienststelle eine Koordinatorin für Flüchtlingsfragen. Sieben Unterkünfte hat der Bezirk inzwischen, in denen zur Zeit rund 2000 Flüchtlinge leben. "Die Zahlen ändern sich täglich", sagt Katarina Niewiedzial. Aktuell rechnet Berlin mit der Ankunft vieler zusätzlicher Flüchtlinge aus Budapest.

Nachhilfe für Lehrer

Die Schwankungen machen es auch für Schulen und Kitas schwierig zu planen. Unter den Flüchtlingen in Pankow sind etwa 700 Kinder, rund 400 davon im schulpflichtigen Alter. Insgesamt 23 Pankower Schulen haben inzwischen Willkommensklassen eingerichtet. Anders als in Kreuzberg, Wedding oder Neukölln fehlt es in Pankow allerdings an Erfahrung im Umgang mit Kindern, die kaum Deutsch sprechen - und noch dazu oftmals schwer traumatisiert sind. Viele Pankower Lehrer hospitieren daher in Schulen anderer Bezirke, in denen Willkommensklassen seit Jahren ein fester Bestandteil sind. Dafür hat der Senat zusätzliche Mittel bereitgestellt. Kitas können Plätze für Flüchtlinge freihalten, um auch kurzfristig Kinder aufnehmen zu können. Bisher gehen aber nur wenige der etwa 300 Kinder unter fünf Jahren in eine Kita. "In vielen Herkunftsländern der Flüchtlinge ist es einfach nicht üblich, Kleinkinder betreuen zu lassen", erklärt Katarina Niewiedzial. Eltern, die ihre Kinder dennoch in eine Kita schickten, machten aber oft sehr gute Erfahrungen. "Mir sagte neulich eine Mutter: Seit mein Kind in der Kita ist, lacht es wieder."

Richtig spenden

Zum Schulstart brauchen die Kinder natürlich auch Schulmaterial. Dafür wurden in Pankow bereits frühzeitig Spenden gesammelt. Auch hier war die Resonanz groß. Und auch an Sachspenden herrscht kein Mangel in Pankow. Viele Unterkünfte nehmen zeitweise gar keine Pakete mehr an. Grundsätzlich, so Theresa Adam, seien Sachspenden aber nach wie vor willkommen. Allerdings solle man sich vorab informieren, was wirklich gebraucht werde. Auf der Homepage des Willkommensnetzwerks "Pankow hilft!" sollen in den kommenden Wochen Bedarfslisten einzelner Unterkünfte veröffentlicht werden. "Daran arbeiten wir gerade."

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Ulrike Scheffer schreibt für Pankow


Ulrike Scheffer lebt mit ihrer Familie in einer sogenannten Intelligenzsiedlung in Pankow-Niederschönhausen. Einst lebten hier Wissenschaftler und Künstler, die schaffende Intelligenz der DDR. Einige ihrer Nachbarn wohnen schon seit den 1950er Jahren in der kleinen Straße und können kaum fassen, wie sich ihre Umgebung verändert hat: exklusive Townhäuser, Privatschulen und Müttercafés. Die meisten nehmen es gelassen, denn bei all dem hat sich Pankow seinen eigenen Charme bewahrt. Und deshalb fühlen sich wohl auch die Neubürger hier wohl.

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