Schwimmen in Pankow : Neues Hallenbad könnte kleiner ausfallen

Vor knapp drei Jahren rieben sich die Pankower die Augen. Ein Multifunktionsbad mit mehreren Becken, Wellness und hohem Spaßfaktor sollte auf dem Gelände des Sommerbades gebaut werden. Doch nun soll dort auch noch eine Schule unterkommen.

Ulrike Scheffer
Pankow hat zu wenig Hallenbäder.
Pankow hat zu wenig Hallenbäder.Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Die Pläne für ein neues Multifunktionsbad auf dem Gelände des Sommerbades Pankow lassen sich wohl nicht so realisieren wie geplant. Vorgesehen war ein ganzjährig geöffnetes Bad mit mehreren Becken, Wellnesslandschaft, Restaurant und hohem Spaßfaktor. Die Bäderbetriebe kalkulierten mit rund 1200 Gästen pro Tag aus Berlin und dem Umland. Die konkreten Pläne der Bäderbetriebe fanden bisher allerdings nicht die Zustimmung der Politik. Der Bezirk meldete zudem dringenden Bedarf für den Bau einer Schule auf dem Freibadgelände an. Die gute Nachricht: Das Bezirksamt ist zuversichtlich, dass sowohl ein neues Hallenbad als auch ein neue Grundschule auf dem Areal Platz finden, wie Stadtrat Vollrad Kuhn (Grüne) am Dienstag im Stadtentwicklungsausschuss erklärte. Dem Tagesspiegel sagte er allerdings auch: "Es ist noch nicht geklärt, wie groß das Bad tatsächlich wird." Die Ursprungsidee eines Multifunktionsbades mit überregionaler Ausstrahlung sei angesichts der Schulbaupläne "vielleicht nicht mehr zu halten".

Die Bäderbetriebe bestätigten das zunächst nicht. Dort hieß es lediglich, es gebe keinen neuen Sachstand. Anwohner hatten von Beginn an auch auf die problematische Verkehrssituation rund um den Standort am Sommerbad hingewiesen. Sie leiden schon heute an schönen Sommertagen unter einer erheblichen Verkehrsbelastung und zugeparkten Wegen. Dem wollten die Planer begegnen, indem sie für das neue Bad keine zusätzlichen Parkmöglichkeiten bauen wollten. Gäste sollten so zur Anreise mit dem öffentlichen Nahverkehr animiert werden. Klar ist: Ein Bad ohne großen Einzugsbereich könnte die Situation entschärfen. Und vielen Pankowern wäre ein einfaches Hallenbad offenbar ohnehin lieber. "Das ist das, was wir immer wollten", sagten Mitglieder des "Fördervereins Schwimmhalle Pankow" am Dienstag Rande des Ausschusses.

Bad für die Nachbarschaft

Dennis Buchner, Pankower SPD-Politiker und sportpolitischer Sprecher seiner Fraktion im Abgeordnetenhaus, geht ebenfalls davon aus, dass sich die Pankower eher ein Bad für die Nachbarschaft wünschen. Er ärgert sich aber über die zeitlichen Verzögerungen bei der Bauplanung. "Weder das Bezirksamt noch die Bäderbetriebe haben das Projekt bisher vorangetrieben", sagte er dem Tagesspiegel. Weitere Verzögerungen befürchtet Buchner vor allem auf Seiten des Bezirks: "Ich erwarte, dass beim Bebauungsplan nicht noch mehr Zeit vergeudet wird." Der Bezirk habe zunächst mitgeteilt, dass er vier Jahre für die Aufstellung eines Bebauungsplans benötige, so Buchner. Die Bäderbetriebe hätten zudem den Eindruck erweckt, die fertigen Pläne für das Bad schon in der Schublade zu haben. Tatsächlich hatte Bäderchef Andreas Scholz-Fleischmann im Sommer 2016 angekündigt, die Ausschreibungen für das Multifunktionsbad in Pankow und für ein zweites in Mariendorf sollten im Herbst - 2016 - erfolgen. Geschehen ist das nicht. Es folgten vielmehr langwierige Auseinandersetzungen mit dem Senat über das sogenannte Bedarfsprogramm. Am Freitag werden die neuen Bäder Thema im Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses sein.

Der ursprünglich anvisierte Eröffnungstermin im Jahr 2021 dürfte angesichts der Entwicklungen nicht zu halten sein. Scholz-Fleischmann spricht jetzt von 2022. Kuhn hatte in seiner Präsentation für den Ausschuss einen Zeitrahmen von 2022 bis 2024 vermerkt. Für das Bebauungsplan-Verfahren setzt er inzwischen zweieinhalb statt vier Jahre an.

Ulrike Scheffer schreibt für Pankow


Ulrike Scheffer lebt mit ihrer Familie in einer sogenannten Intelligenzsiedlung in Pankow-Niederschönhausen. Einst lebten hier Wissenschaftler und Künstler, die schaffende Intelligenz der DDR. Einige ihrer Nachbarn wohnen schon seit den 1950er Jahren in der kleinen Straße und können kaum fassen, wie sich ihre Umgebung verändert hat: exklusive Townhäuser, Privatschulen und Müttercafés. Die meisten nehmen es gelassen, denn bei all dem hat sich Pankow seinen eigenen Charme bewahrt. Und deshalb fühlen sich wohl auch die Neubürger hier wohl.

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