Aktion der Kirche in Berlin-Spandau : Das Amen in der Kneipe

Dorthin gehen, wo die Männer sind, will die evangelische Kirche in Spandau. Zum Beispiel in die Kult-Kneipe Barfly. Und das klappt erstaunlich gut. Ein Ortstermin.

von
Männerrunde: Die drei Pfarrer Jens Jacobi (gelber Pulli), Helmut Jakobus (Mitte) und Nicolas Budde (schwarzes Hemd).
Männerrunde: Die drei Pfarrer Jens Jacobi (gelber Pulli), Helmut Jakobus (Mitte) und Nicolas Budde (schwarzes Hemd).Foto: Bodo Straub

Das wird wohl nix hier. Der Rosenverkäufer bleibt schon in der Tür stehen, fasst sich an die Mütze, sagt „guten Abend“, nickt, lächelt, dreht sich um und geht wieder. Ein Raum, 20 Männer, davon zwei schon am Kragen erkennbar im Kirchendienst – im Hinterzimmer des Café Barfly in Spandau wird er an diesem Donnerstagabend keine Blume los.

„Kirche in der Kneipe“ heißt die Aktion der beiden Pfarrer Jens Jacobi und Nicolas Budde. Ein Männerabend, Frauen sind nicht eingeladen. Die beiden finden, dass Männer in den Gemeinden manchmal untergehen und oft von sich aus nicht zu kirchlichen Veranstaltungen oder Gebetskreisen kommen. „Es gibt dieses Klischee: Wenn ich als Mann da hingehe, sitze ich zwischen lauter Frauen“, erzählt Jacobi. Also gehen die Pfarrer dort hin, wo die Männer sind, und das ist, noch so ein Klischee, die Kneipe.

"Ein Alkoholfreies, das Geistige gibt's ja nachher"

Ein Klischee, das sich an diesem Abend bewahrheitet. Der kleine Raum füllt sich jedenfalls schnell, es wird zur Begrüßung auf den Tisch geklopft und bestellt: „Ein Radler“, „ein dunkles Weizen“, „ein Alkoholfreies, das Geistige gibt’s ja nachher“. Zwar sind viele schon im Rentenalter, aber das mag an der mit 19 Uhr eher frühen Zeit liegen, und auch an der Konkurrenz in Form des BVB-Spiels. Auf den Tischen stehen Kerzen, aber die gehören zur Kneipe – das hier soll keine Andacht werden: „Liebe Männer, herzlich willkommen, wir werden nicht singen, wir werden keine Predigt halten“, begrüßt Budde.

Stattdessen wird gemacht, was man in einer Kneipe eben macht: diskutiert, über Gott und die Welt, beziehungsweise über Kirche und Krieg, mit Helmut Jakobus, Militärdekan bei der Bundeswehr. „Frieden predigen aber Waffen segnen?“ ist die Leitfrage – bewusst provokativ, denn Jacobi beeilt sich gleich zu Beginn, klarzustellen, dass zumindest in Deutschland nie Waffen gesegnet wurden.

Spannende Fragen und platte Sprüche - Kneipengespräch eben

So entspinnt sich eine muntere Diskussion mit spannenden Fragen („Warum zieht ein Christ überhaupt in den Krieg?“), mit Fragen, die eher vom Thema ablenken („Als es noch keine Trennung zwischen Staat und Kirche gab, wie war da das Verhältnis zwischen Deutschland und Afghanistan?“), und mit unwidersprochenen platten Statements wie: „Erschreckend, dass Frauen nix gelten in Ländern wie Afghanistan“ – ein Kneipengespräch eben, gelegentlich unterbrochen von der Kellnerin, die Bier und Burger bringt.

Nach eineinhalb Stunden sind alle schlauer oder auch nicht. Der Alt-68er, der zunächst meint: „Die Position der Christen kann nur eine pazifistische sein“ muss jedenfalls feststellen, dass alles nicht so einfach ist. Und Jens Jacobi ist zufrieden. „Diese Form des Gesprächs kann nur in der Kneipe stattfinden.“ Ihn freut, dass wohl alle ihre Fragen losgeworden sind – im Gegensatz zum Rosenverkäufer mit seinen Blumen.

Das nächste „Kirche in der Kneipe“  gibt es am 2. Juni. Thema: Macht Kirche Sinn?

Mehr Spandau im Tagesspiegel? Aber gerne doch! Sie finden uns bei Facebook unter www.facebook.com/tagesspiegelspandau, bei Twitter unter @Tsp_Spandau und natürlich unter www.tagesspiegel.de/spandau

Autor

2 Kommentare

Neuester Kommentar