Berlin-Spandau : Ärger hier, Baustellen da: Millionen für den Havel-Radweg

In Spandau entsteht mit Millionenaufwand der Havel-Radweg. Doch in der Werbung für die Trasse wird der Bezirk überhaupt nicht erwähnt.

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Der Havelradweg durchquert den Bezirk von Hakenfelde bis Kladow.
Der Havelradweg durchquert den Bezirk von Hakenfelde bis Kladow.Foto: During

Der neun Kilometer lange Spandauer Abschnitt des Havel-Radweges geht 2016 seiner Vollendung entgegen. Die Arbeiten im Anschluss ans Lindenufer südlich des Stabholzgartens in Richtung Wilhelmstadt haben begonnen, der Auftrag für den Abschnitt im Wröhmännerpark wurde erteilt.

Am Kladower Damm wird mit der Anlage des Radweges nach Abschluss der Tiefbauarbeiten von Vattenfall begonnen - die Fertigstellung erfolgt voraussichtlich Anfang 2017.

Gatow: Warten auf die Verkehrslenkung

Teilstücke im Bereich Schleuse/Lindenufer, auf der Burgwall-Halbinsel und am Weinmeisterhorn in Gatow wurden bereits fertiggestellt. Das Teilstück im Bereich der Großen Badewiese zwischen Havelmathen und Breitehornweg wurden kürzlich abgeschlossen.

Bald geht es los am Hafen Kladow

Der Bereich Imchenallee (Hafen Kladow) soll nach noch erforderlichen Abstimmungen über Art und Breite der Befestigung in Angriff genommen werden. Bereits seit dem vergangenen Jahr klemmt es dagegen im Abschnitt Alt-Gatow, wo das bezirkliche Tiefbauamt nach wie vor auf die erforderliche Anordnung der Baustelle durch die Verkehrslenkung Berlin wartet.

In Berlin ist alles am Fluss
Ach ja, Berlin und seine Gewässer. Gibt's ja 'ne Menge davon. Den Wannsee, Müggelsee, die Spree natürlich und den Teltowkanal. Und sonst so? Immer wieder interessant, wie viele Flüsse wir haben. Hier: die Wuhle.Weitere Bilder anzeigen
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13.06.2016 10:04Ach ja, Berlin und seine Gewässer. Gibt's ja 'ne Menge davon. Den Wannsee, Müggelsee, die Spree natürlich und den Teltowkanal. Und...


Millionenprojekt für Pedalritter

Der Spandauer Abschnitt ist Teil der rund 66 Kilometer langen, dritten Etappe des Havel-Radweges, die von Oranienburg nach Potsdam führt. Der Bau im Berliner Bereich wird von Grün Berlin koordiniert, wobei drei der insgesamt neun Unterabschnitte von Bezirksamt verantwortet werden.

Finanziert wird das mehrere Millionen Euro teure Projekt zu 90 Prozent von Wirtschaftssenator aus Fördermitteln der Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstrukturen, den Rest trägt die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung.

Der Havel-Radweg beginnt an der Havelquelle bei Ankershagen in Mecklenburg-Vorpommern, folgt dem Flussverlauf durch Brandenburg und Berlin und endet bei Gnersdorf im Sachsen-Anhalt, wo die Havel in die Elbe mündet.

Schöne, teure Strecke - aber wo ist die Werbung für Spandau?

Ob Spandau von seiner Fertigstellung profitieren wird, ist unklar. Bisher ist Berlin noch nicht einmal in die touristische Vermarktung eingebunden. Weder im von den Tourismusverbänden Altmark und Havelland herausgegebenen Flyer noch auf der vom Landkreis Stendal als Koordinierungsstelle für den Havel-Radweg verantworteten Website sind Spandauer Sehenswürdigkeiten wie die Zitadelle erwähnt.

Auf der Liste der Übernachtungsmöglichkeiten entlang der Route ist für den Berliner Abschnitt lediglich eine Pension im brandenburgischen Dallgow-Döberitz aufgelistet. Und der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club (ADFC) wirbt auf seiner Website zwar für „majestätisches Radwandern“ auf dem Havelland-Radweg, behauptet dort aber unter kompletter Auslassung Berlins, dass die Havel nur durch drei Bundesländer fließt.

Anwohner kritisieren Rad-"Rennstrecke"

In Spandau selbst stößt der teure Ausbau des Radweges nicht nur auf Begeisterung. Anwohner beklagten sich beim Tagesspiegel darüber, dass bereits ausgebaute Teilstücke zu Rennstrecken für Profi-Radler geworden sind, auf die sich Kinder und Senioren mit ihren Fahrrädern nicht mehr wagen können.

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Lesen Sie mehr im Tagesspiegel: Lieber eine Rad-Servicestation als die Transrapid-Brache - Der Spandauer Abgeordnete der SPD möchte den Streifen zwischen Bahnhof und Arcaden zu einer Park&Ride-Servicefläche für Radler machen. Ein Gastbeitrag von Swen Schulz

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