Berlin-Spandau : Die Geschichte eines Gitters auf dem Radweg

Slalom mit dem Fahrrad. Was soll das? Der Stadtrat antwortet. Es geht um illegalen Müll, Tempo-Reduzierung und Bauempfehlungen.

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Berlin-Spandau. Links ein Gitter auf dem Radweg, daneben - getrennt durch eine Linie - fast freie Fahrt. Und rechts ein illegaler Müllplatz. Hier wird viel gebaut. Foto: H.
Berlin-Spandau. Links ein Gitter auf dem Radweg, daneben - getrennt durch eine Linie - fast freie Fahrt. Und rechts ein illegaler...Foto: H.

Ein kurioses Bild aus Spandau macht derzeit die Runde - darauf zu sehen: Links der Radweg mit einem Slalom-Gitter (durch das sich kein Radler mit Kinderanhänger schlängeln wird) – rechts daneben der freie Fußweg (über den wohl nie, nie, nie ein Radler ausweichen wird, oder?). Die Trasse führt von der Parkstraße zum Radweg an der Havel, zu den alten Speichern.

Zu sehen war das Foto eines Spandauer Tagesspiegel-Lesers (Danke an H.) zuerst im Spandau-Newsletter, woraufhin das Bild bei Twitter munter kommentiert wurde. Die Organisation „BUNDJugend“ brachte die Ecke prompt für den Fahrradpreis 2017 ins Spiel gebracht („Negativpreis: Rote Warnweste“).

Und auch wir hatten erst gescherzt, dass da ein Handwerker die Schablonen verstauscht habe und der Fußweg durch Gitter geschützt werde und ... falsch gedacht.

Die Begründung des Baustadtrats von Spandau

Der Baustadtrat von Spandau, Frank Bewig (CDU), erklärt den Hintergrund zusammengefasst so: Auf dem Grundstück rechts wurde massiv illegal Müll abgeladen, worüber sich auch Anwohner mehrfach beschwert haben (auch bei uns, beim Spandau-Newsletter des Tagesspiegel). Bewig weiter: Die illegale Zufahrt sollte also gesperrt werden. Für den Notfall - und auch die Wasserbetriebe - steht da jetzt ein Klapp-Poller auf dem Fußweg. Und „im Bereich des Radweges wurde gemäß den Empfehlungen für Radverkehrsanlagen ein Gitter gebaut.“ Außerdem reduzierten Radler so die Geschwindigkeit vor dem kreuzenden Havelweg. Unfälle würden so vermieden. (die ausführlichere Begründung lesen Sie als Mail weiter unten)

"Die Ecke ist wirklich kreuzgefährlich"

Radfahrer sagen dagegen: Autofahrer traue man auch umsichtige Abbremsmanöver an einer Kreuzung zu - da würde niemand ein so enges Hindernis einfach mitten auf die Straße aufstellen.

Anwohner wiederum meinen: "Das Gitter ist sinnvoll, weil es wirklich eine kreuzgefährliche Ecke ist". Allerdings wird die jetzige Lösung angezweifelt: "Da zwängt sich doch niemand durch" - die meisten werden über den Fußweg ausweichen.

"Unfälle können so vermieden werden"

Hier die Original-Mail des Stadtrats mit weiteren Details: "Von der Neuendorfer Straße kommend, wurde in Verlängerung der Parkstraße ein Verbindungsweg für Fußgänger und Radfahrer zum entlang der Havel verlaufenden Fuß - und Radweg geschaffen. Bisher wurde das Gelände, wie auf dem Foto ersichtlich, vielfach illegal von Fahrzeugen befahren, wiederholt wurde illegal Müll auf dem angrenzenden Gelände abgelagert. Um die erforderliche Zufahrtsmöglichkeit für Wartungsarbeiten der Berliner Wasserbetriebe an den im Bereich des Weges vorhanden Anlagen sicher zu stellen, jedoch weiteres Befahren des Rad- bzw. Fußweges zu verhindern, wurde im Bereich des Fußweges, ein Klapppoller (für BWB) und im Bereich des Radweges, gem. den Empfehlungen für Radverkehrsanlagen (ERA), ein Gitter eingebaut. Selbst wenn dieses dazu führt, dass der Radfahrer seine Fahrtgeschwindigkeit hier reduzieren muss, wird das Gitter von Radfahrern weitaus als Poller wahrgenommen und Unfälle können werden vermieden."

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