Verdichtung im Falkenhagener Feld : Wo in Spandau neue Wohnungen entstehen

Kontroverse Diskussion im Stadtentwicklungsausschuss – „Kippt“ ein Quartier bei einem zu hohen Anteil von Sozialwohnungen?

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Auf dieser Grünfläche sollen Verdichtungsbauten entstehen. Foto: During
Auf dieser Grünfläche sollen Verdichtungsbauten entstehen.Foto: During

Die Charlottenburger Baugenossenschaft plant eine Verdichtungsbebauung in ihrer Wohnsiedlung im Siegener Viertel des Falkenhagener Feldes. Zwischen Freudenberger Weg und Eiserfelder Ring soll im nördlichen Teil der bisherigen Grünfläche ein Block mit fünf und im südlichen Teil ein Block mit acht Vollgeschossen entstehen, berichtete der Leiter des Spandauer Stadtplanungsamtes, Markus Schulte, am Dienstag im zuständigen Ausschuss der Bezirksverordnetenversammlung. Das bedeutet 140 bis 150 neue Wohneinheiten. Für den zusätzlichen Parkraumbedarf soll eine Tiefgarage für 75 bis 100 Fahrzeuge mit Zufahrt vom Freudenberger Weg entstehen. Ferner plant die Genossenschaft den Bau einer Kindertagesstätte mit rund 60 Plätzen, geprüft wird, ob zusätzliche Schulplätze an der B. Traven-Schule über eine Folgekostenvereinbarung gesichert werden können. Obwohl der Bereich die höchste Spielplatz-Defizitstufe hat gibt es indessen keinen Rechtsanspruch auf einen Ersatz des durch die Bebauung wegfallenden Bolzplatz, sagte Schulte.

Niedrigster Status im Sozialatlas

Heftige Diskussionen gab es im Hinblick auf den geplanten Verzicht eines 25- bis 30-prozentigen Anteils von Sozialwohnungen mit Mietpreis- und Belegungsbindung. Angesichts der Tatsache, dass das Gebiet von Armut und Arbeitslosigkeit geprägt ist und im Sozialatlas im niedrigsten Status eingestuft ist hält ein Gutachten hier die Schaffung weiterer Wohnungen mit Sozialbindung für unverträglich, erläuterte Markus Schulte. Vielmehr soll versucht werden, durch eine Steigerung der Wohnqualität auch Mieter anzuziehen, die in Lohn und Brot stehen und so die Sozialstruktur zu verbessern, betonte Baustadtrat Frank Bewig (CDU).

SPD besteht auf Sozialbindung

Die SPD wollte diese Haltung nicht akzeptieren. Es gehe nicht um die Arbeitslosen sondern gerade um die Polizisten, Verkäuferinnen und Friseure, die sich keine Miete von zehn oder zwölf Euro pro Quadratmeter leisten können, sagte die Bürgerdeputierte Ulrike Sommer. Auch in Spandau seien die Mieten deutlich mehr gestiegen als die Einkommen. Die Genossenschaft habe genau diese Personengruppe im Blick, konterte Stadtrat Bewig. Uneingeschränkte Zustimmung zum Bericht des Amtes gab es schließlich nur von CDU, FDP und einem Vertreter der Grünen. Die übrigen Mitglieder nahmen den Bericht lediglich zur Kenntnis und die SPD bestand auf der Protokollnotiz, dass sie den Verzicht auf die Belegungsbindung ablehne.

130 Wohnungen auf ehemaligem Kraftwerksgelände

Rund 130 Wohneinheiten sollen auf dem Areal des ehemaligen Kraftwerkes Oberhavel an der Niederneuendorfer Allee in Hakenfelde entstehen. Der entsprechende Bebauungsplan steht nach großen, von Landesbehörden verursachten Verzögerungen, nun endlich kurz vor dem Abschluss, berichtete Amtsleiter Schulte. Geplant ist hier ein Wohngebiet geringer Dichte mit landschaftlicher Prägung. Zum Rustweg hin sind zweigeschossige Bauten mit Mietwohnungen vorgesehen, am Teufelsseekanal sollen Stichkanäle entstehen, an denen auch Einfamilien- oder Reihenhäuser möglich sind.

Berlin spart durch Privatstraßen

Erschlossen wird das Gebiet mit Privatstraßen. Das sei eine zunehmende Praxis in Berlin, um die öffentliche Hand von den Unterhaltungs- und Pflegekosten zu entlasten, sagte Schulte. Am Havelufer wird eine öffentliche Grünfläche entstehen. Diskussionen gibt es noch mit den Berliner Forsten über den Bau einer Kita und eine Verlegung der Wendekehre der Buslinie 136 vom Aalemannufer.

127 Wohnungen auf Gewerbegrundstück in Klosterfelde

127 Wohneinheiten sind auf dem bisherigen Gewerbegrundstück Grünhofer Weg 30 in Klosterfelde geplant. 25 Prozent davon werden der Mietpreis- und Belegungsbindung unterliegen. Bemängelt wurde bei der Anhörung der Träger öffentlicher Belange die nur geringe Zahl der hier möglichen, zusätzlichen Parkplätze. Die nächste Bushaltestelle sei nur 350, der Bahnhof Spandau 700 Meter entfernt, heiß es dazu vom Amt.

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