Kaputte Schulen in Steglitz-Zehlendorf : Feuchtbiotope mit Schimmelpilzkulturen

In unserer losen Serie über marode Schulen in Steglitz-Zehlendorf geht es dieses Mal um die Rothenburg-Grundschule, in der die Hausmeisterin den eigentlich sanierten Materialraum des Hortes nur noch mit Atemmaske betritt. Drei Meter vom Küchen- und Mensabereich entfernt.

Gunhild Flöter und Ben Lohse
Das Urteil der Kinder in der Rothenburg-Grundschule in Steglitz-Zehlendorf zu der Sanierungsqualität an ihrer Schule. Diese unglaubliche Geschichte war auch Thema in der Bezirksverordnetenversammlung am 10. Dezember. Der Direktor hat sie den Bezirksverordneten vorgetragen.
Das Urteil der Kinder in der Rothenburg-Grundschule in Steglitz-Zehlendorf zu der Sanierungsqualität an ihrer Schule. Diese...Foto: Flöter/Lohse

Nach der Sanierung der Rothenburg-Grundschule in Steglitz-Zehlendorf 2013 weisen die Räumlichkeiten des Ganztags im Souterrain des Gebäudes nach wie vor erhebliche Mängel auf: Feuchtigkeitsschäden und Schimmelpilzbefall gefährden die Gesundheit der Kinder und Erzieher/innen. Schul- und Ganztagsleitung sowie die Elternsprecher/innen des Horts haben das Bezirksamt mehrfach informiert, aber bislang wurden keine Maßnahmen zur Ermittlung der Ursachen und ihrer Behebung eingeleitet. Schulelternsprecher Volker Dorn hat das Thema deshalb am 10. Dezember an die Bezirksverordnetenversammlung Steglitz-Zehlendorf herantragen.

Nach langer Bauzeit und manchen Verzögerungen konnte die endgültige Inbetriebnahme der „neuen“ Rothenburg-Grundschule 2013 realisiert werden. Darüber haben sich Kinder und Eltern, Schule und Ganztag seinerzeit sehr
gefreut. Für die Ganztagsbetreuung stehen die Räume des Souterrains zur Verfügung. Hier halten sich nicht nur die Hortkinder und ErzieherInnen auf, auch SchülerInnen, die die verlässlichen Halbtagsgrundschule (VHG) in Anspruch nehmen, verbringen hier ihre Zeit vor und nach dem offiziellen Schulbeginn oder zum Mittagessen.

Doch nach der Sanierung ist leider vor der Sanierung, denn die Räume des Ganztags weisen erhebliche Mängel auf. Der gravierendste Mangel sind die Feuchtigkeitsschäden und der Schimmelpilzbefall, die sich im Gemäuer des
Hortes immer weiter ausbreiten. Ein Kurzgutachten des Umweltamts belegte bereits im Juni 2010, dass in den Räumen eine überdurchschnittlich hohe Luftfeuchtigkeit, ein mangelhaftes Raumklima und eine hygienisch unzumutbare Belastung der Luft vorherrscht. Wer wie die Hortelternsprecher das Gesundheitsrisiko auf sich nimmt und z.B. den Materialraum des Hortes aufsucht, um die Schäden mit Fotos zu dokumentieren, hat alles andere, nur nicht den Eindruck sich in einem frisch sanierten Gebäude zu befinden. Die zuständige Hausmeisterin betritt den Raum nur noch mit Atemschutzmaske. Dabei ist dieser Raum Luftlinie gerade einmal 3 Meter vom Küchen- und Mensabereich entfernt.

Der Direktor wendet sich an die Bezirkspolitiker

Aufgestellte Entfeuchtungsgeräte lindern zwar vorübergehend den beißenden Geruch und die Feuchtigkeitsprobleme, setzen aber nicht an den Ursachen an. Die Kosten für eine Beseitigung der fortschreitenden Schäden werden
überproportional steigen, je später geeignete Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Unabhängig hiervon ist die Gesundheit der Kinder und des betreuenden Personals gefährdet. Eltern von Schülerinnen und Schülern mit Asthma, Allergien und Atemwegserkrankungen berichten bereits von zusätzlichen gesundheitlichen Belastungen ihrer Kinder.

Bilder aus dem Materialraum des Hortes
Feucht und schimmlig.Alle Bilder anzeigen
1 von 6Foto: Gunhild Flöter/Ben Lohse
10.12.2014 14:51Feucht und schimmlig.

Die Probleme wurden dem Bezirksamt von Schul- und Ganztagsleitung bereits mehrfach vorgetragen. Die Eltern haben Protestbriefe aufgesetzt. Gleichwohl hat das Bezirksamt bisher keine Maßnahmen zur Ermittlung der Ursachen und ihrer Behebung eingeleitet. Die Eltern der „Rothenburgkinder“ haben sich deshalb dazu entschlossen, das Problem in der Sitzung am 10. Dezember an die Bezirksverordnetenversammlung Steglitz-Zehlendorf heranzutragen.
Schulelternsprecher Volker Dorn möchte dort das Bezirksamt im Namen aller Eltern, aber auch von Schul- und Hortleitung, auffordern, unverzüglich einen Ortstermin zur Einleitung von Sofortmaßnahmen anzuberaumen. Dies ist auch ein Gebot der Wirtschaftlichkeit. Dass unverständlich langes zu Warten die Kosten zum Explodieren bringt, haben wir gerade erst bei unserer Nachbarschule, dem Fichtenberg-Gymnasium, erlebt. Wir hoffen sehr, dass das Bezirksamt ein Einsehen hat und diese unwirtschaftliche Strategie bei der Rothenburg-Grundschule nicht wiederholt.

Die Autoren sind Hortelternsprecher der Rothenburg-Grundschule in Steglitz-Zehlendorf. Der Text erscheint auf dem Zehlendorf Blog, dem Online-Magazin des Tagesspiegels aus dem Südwesten. Mehr zu maroden Schulen und deren Probleme erfahren Sie auf dem Blog einstürzendeschulbauten. Dieser Blog ist ein Produkt des Bezirkselternausschusses Steglitz-Zehlendorf, das gesetzliche Elterngremium im südwestlichen Berliner Bezirk und hat eine lange Tradition.





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