Bilinguale Schulen in Berlin : Senat will Deutschpflicht an Privatschulen

Deutsch ist an vielen englischsprachigen Schulen nur noch Nebensache. Die Bildungsverwaltung des Senats will das jetzt ändern und eine Deutschquote einführen.

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You can say you to me. Der Senat will, dass an bilingualen Schulen das Deutsche nicht zu kurz kommt.
You can say you to me. Der Senat will, dass an bilingualen Schulen das Deutsche nicht zu kurz kommt.Foto: dpa

Sie nennen sich "international" und zielen auf Eltern, die ihre Kinder fit machen wollen für das Leben außerhalb Deutschlands: In Berlin gibt es immer mehr Privatschulen, die mit englischsprachigen Schwerpunkten werben. Jetzt will die Bildungsverwaltung sicherstellen, dass Kinder mit festem deutschen Wohnsitz auch die deutsche Sprache in gleichem Maße wie das Englische lernen. Die entsprechende Verordnung wird zurzeit verschärft.

Das Vorhaben ist in den betroffenen Schulen hoch umstritten: Sie haben monatelang versucht, eine Verschärfung der bisher eher lax gehandhabten Regeln abzuwenden – mithilfe wissenschaftlicher Gutachten, öffentlicher Diskussionsrunden und mit endlosen Gesprächen hinter verschlossenen Türen. Es hat alles nichts geholfen: Die überarbeitete Verordnung, die dem Tagesspiegel in Auszügen vorliegt, ist an Deutlichkeit nicht zu überbieten und droht den freien Schulen im Falle eines Verstoßes sogar mit einem Entzug der Genehmigung.

Zu den Bestimmungen gehört, dass in jedem Schuljahr „mindestens die Hälfte des gesamten Unterrichts in den Sachfächern in deutscher Sprache erteilt wird“. Grundsätzlich müssten die Schule dafür Sorge tragen, dass Schüler, die einen bilingualen Zug verlassen wollen, in einen Zug ohne bilinguales Profil wechseln können – falls erforderlich, auch in einer anderen Schule“. Beim Fach Mathematik entscheide „die für dieses Fach zuständige Fachaufsicht, ob und in welchen Fremdsprachen Mathematik unterrichtet werden darf“. Überhaupt gelte es, den deutschen Fachwortschatz auch in jenen Fächern sicherzustellen, die in der jeweiligen Fremdsprache erfolgen.

Andreas Wegener, der Vorsitzende des Privatschulverbandes, hält die 50prozentige Deutschquote für „sachfremd“. Er fordert, dass es auch „Bildungskonzepte für Schüler aus hochmobilen Familien“ geben müsse. Wegener hat die „Bildungsinitiative für das internationale Berlin“ ins Leben gerufen, die für ein liberaleres Vorgehen wirbt – bislang ohne Erfolg.

Unter Druck stehen aber nicht nur die privaten Ersatzschulen, die vom Land mitfinanziert werden, weil sie hiesige Abschlüsse anbieten. Vielmehr schaut die Bildungsverwaltung jetzt auch bei den „Ergänzungsschulen“ genauer hin. Ergänzungsschulen werden vom Land nicht unterstützt, weil sie für Diplomaten gedacht sind und andere Familien, die nur vorübergehend in Deutschland wohnen. Sie unterrichten nach ausländischen Lehrplänen. Vor einigen Monaten ist die Berlin British School (BBS) ins Visier der Verwaltung geraten, weil bekannt wurde, dass dort viele Kinder zur Schule gehen, die ihren festen und dauerhaften Wohnsitz in Berlin haben. An der BBS wird, mit Ausnahme des fünfstündigen Deutschunterrichts, nur auf Englisch unterrichtet. Diese Kinder müssten sich jetzt eine andere Schule suchen – wenn die BBS nicht bereit wäre, auf ein bilinguales System umzustellen. Wie die BBS auf Anfrage mitteilte, will sie genau dies tun. Es soll jedoch einen Bestandsschutz für die höheren Klassen geben, die nicht mehr imstande sind, auf das deutsche System umzuschwenken.

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