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Bluttat in Neukölln : Polizei sucht dringend Zeugen

Die Hintergründe der tödlichen Schüsse in Buckow in der Nacht zum Donnerstag sind der Polizei weiterhin unklar. Bislang gingen bei den Ermittlern rund zehn Hinweise ein. Darunter befand sich jedoch keine heiße Spur.

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Blumen schmücken am Freitag im Stadtteil Neukölln in Berlin den Tatort einer Schießerei.
Blumen schmücken am Freitag im Stadtteil Neukölln in Berlin den Tatort einer Schießerei.Foto: dpa

Auf einen der Hinweise hin wurde ein Mann untersucht, der Verdacht erhärtete sich aber nicht. Der Mann wurde wieder gehen gelassen. Die Polizei bittet darum erneut die Bevölkerung dringend um Mithilfe. Das Präsidium präzisierte, dass der gesuchte, etwa 1,80 Meter große Mann einen grün-schwarzen Kapuzenjacke mit Reißverschluss getragen habe. Nach der Tat sei er in den Möwenweg hineingelaufen.

Wer hat in diesem Bereich, auch vorher, ungewöhnliche Geschehnisse wahrgenommen? Wer wurde Zeuge des Vorfalls und hat sich bislang nicht bei der Polizei gemeldet? Wer kann Angaben zu dem unbekannten Schützen machen, fragt die Polizei. Hinweise nimmt die Polizei unter der Rufnummer (030) 4664 - 911 601 entgegen und in jeder Polizeidienststelle.

Am Tatort finden sich Spuren der Trauer. Vier Seiten DIN-A4-Karopapier voller Worte der Verzweiflung, Trauer und des Entsetzens liegen am Baum inmitten von Blumen wie vielen roten Rosen auf der Erde. „Burak, mein Schatz, Ich zittere noch am ganzen Körper, ich werde nie wieder deine Lippen berühren – In ewiger Liebe“, ist der Brief unterzeichnet.

An der Stelle, wo der 22-jährige Burak B. in der Nacht zu Donnerstag von einem bislang unbekannten Täter erschossen wurde und zwei junge Männer schwer verletzt wurden, ist noch das dunkle Blut auf den Gehwegplatten zu sehen. Am Tag danach halten hier, auf der Straßenseite gegenüber dem Vivantes-Klinikum Neukölln ständig Autos an, vor allem Männer aus Migrantenfamilien steigen aus, schütteln den Kopf, gedenken des Getöteten. Auch viele Passanten lesen die letzten Grüße von Familie und Freunden am Tatort an der Rudower Straße 51. „Burak – Zeiten vergehen, Erinnerungen bleiben...“ ist auf dem Leinwandplakat am Baum zu lesen, „Wir werden diese Tat nie vergessen“. Und direkt darunter steht: „Deutschland, wir wollen Gerechtigkeit“, mit einer Zeichnung, die ein durchgestrichenes Hakenkreuz darstellt. Doch derzeit ist völlig unklar, wer und aus welchem Grund auf eine Gruppe Migranten in Britz die Schüsse abfeuerte.

Tödliche Schüsse in Neukölln
Auch mehr als sechs Wochen nach der Bluttat in Neukölln erinnern Plakate in der Rudower Straße an den getöteten Burak B., 22.Weitere Bilder anzeigen
1 von 34Foto: Isabelle Buckow
22.05.2012 11:49Auch mehr als sechs Wochen nach der Bluttat in Neukölln erinnern Plakate in der Rudower Straße an den getöteten Burak B., 22.

Das Opfer Burak B. ist in Neukölln groß geworden. Er besuchte die Hans-Fallada-Grundschule nahe der Sonnenallee. Seit etwa einem Jahr besuchte er im benachbarten Treptow regelmäßig eine Wing-Tsun-Schule, die Kampfsportart ist auch als Kung Fu bekannt. Sein Lehrer beschrieb Burak B. äußerst positiv: „Er ist nie negativ aufgefallen.“ Er habe auch nie mit teuren Dingen geprahlt. „Die Tat ist sehr schwer zu verstehen“, sagte Kenan Yilmaz von der Wing-Tsun-Schule.

Im Internet war B. in verschiedenen sozialen Netzwerken aktiv, darunter auch einer Online-Flirt-Vermittlung. Am Tatort kursierten Gerüchte, dass eine angeblich kürzlich gescheiterte Beziehung der Hintergrund sein könne, dies wurde von der Polizei nicht bestätigt. Dies sei schon deshalb nicht recht wahrscheinlich, weil auf gleich drei Männer gefeuert wurde. Neben dem 22-jährigen türkischstämmigen B. traf es einen 16-Jährigen aus Russland und einen 17-Jährigen arabischer Herkunft.

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