"Brötchentaste" : Parken in der Innenstadt wird billiger

Die Strafe schreckte keinen ab: Also senken CDU und SPD die Preise in Mitte und wollen im Bezirk die „Brötchentaste“ einführen.

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15 Minuten Freiparken. Mitte will eine sogenannte Brötchentaste einführen.
15 Minuten Freiparken. Mitte will eine sogenannte Brötchentaste einführen.Foto: ddp

Einfach mal schnell das Auto abstellen, um Brötchen zu holen – ohne Parkschein kann das teuer werden in den Innenstadtbezirken. Mitte will nun die sogenannte „Brötchentaste“ an den Parkscheinautomaten einführen. Die ersten 15 Minuten Parken wären dann kostenlos.

„Wer nur kurz was erledigen möchte, soll das eine Viertelstunde kostenlos tun können“, sagte Thorsten Reschke, Fraktionsvorsitzender der CDU Mitte. So wolle man auch den lokalen Handel stärken. Vorgesehen sei die Taste zum Beispiel in der Friedrichstraße, am Hackeschen Markt sowie an den angrenzenden Straßen, aber auch dort, wo es Bürgerämter oder Schulen gibt. Die Einführung der Brötchentaste hätten SPD und CDU vereinbart. Zudem wolle der Bezirk die Parkraumbewirtschaftung effizienter gestalten. Zwar nahm Mitte im vergangenen Jahr über die Parkautomaten 8,8 Millionen Euro ein. Doch am Ende, nach Abzug aller Ausgaben, hätte man mit der Parkraumbewirtschaftung 1,5 Millionen Euro Verlust gemacht, sagte Reschke. Billigere Parktickets könnten die Leute dazu verleiten, sich wirklich ein Ticket zu kaufen – denn bisher kassierten viele bewusst einen Strafzettel: Das kostet fünf Euro, ein Parkschein für zwei Stunden hingegen sechs Euro. Deswegen müsse man überlegen, sagt Reschke, beispielsweise rund um den Potsdamer Platz und Alexanderplatz die Parkgebühren von drei auf zwei Euro pro Stunde zu senken. Der Strafzettel wäre dann wieder teurer. Zudem soll öfter kontrolliert werden.

Die Brötchentaste gibt es in Spandau bereits seit sechs Jahren. Sie werde gut angenommen und solle beibehalten werden, sagte Baustadtrat Carsten-Michael Röding (CDU). Dennoch seien die wirtschaftlichen Effekte schwer messbar. Auch Steglitz-Zehlendorf führte 2005 diesen Freiparkschein für Kurzparker an neun Automaten ein. Die Erfahrungen sind nicht nur positiv. Manche Dauerparker würden die Taste missbrauchen und alle Viertelstunde ein neues Ticket holen, heißt es aus dem Ordnungsamt.

Nils Busch-Petersen vom Handelsverband freut sich, dass nun auch Mitte nachzieht. Auch die angedachte Absenkung der Parkgebühren von drei auf zwei Euro pro Stunde begrüßt er. Allerdings müsse alles getan werden, damit Dauerparker und Berufspendler den Kunden der Läden nicht die Plätze wegschnappten.

Die Grünen dagegen kritisieren das Vorhaben des Bezirks Mitte. „Das ist das falsche Signal, wenn man die öffentlichen Verkehrsmittel stärken will und die Autofahrer aus der Stadt raus haben möchte“, sagte die verkehrspolitische Sprecherin Claudia Hämmerling. Auch Pankow lehnt die Brötchentaste ab. Diese sei bei Berlins dichtem ÖPNV-Netz unangebracht und führe nur zu noch mehr Autoverkehr und vollen Parkplätzen in der Innenstadt, sagte Ordnungsstadtrat Jens-Holger-Kirchner (Grüne). Charlottenburg-Wilmersdorfs Ordnungsstadtrat Marc Schulte (SPD) lehnt die Kurzparktaste ebenso ab. Man müsse sparsam mit dem „wertvollen Gut Parkplätze“ umgehen. Zudem müsse die Kontrolle der Kurzparker ja auch finanziert werden.

Pankow plant weitere Parkzonen im Bötzowviertel, in der Siedlung „Grüne Stadt“ sowie rund um den Arnimplatz und Humannplatz. Diese könnten ab kommenden Spätsommer gelten.

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