• Bürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg: Monika Herrmann, die Grüne mit konservativen Wurzeln

Bürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg : Monika Herrmann, die Grüne mit konservativen Wurzeln

Wenn jemand ausrastet, könne sie das zwar nicht gutheißen, sagt Monika Herrmann, aber „nachvollziehen“. Seit Wochen versucht die Bürgermeisterin den Streit um das Flüchtlingscamp am Oranienplatz zu schlichten. Aber in der Grünen-Hochburg Kreuzberg geht es um sehr viel mehr.

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Vertretungsanspruch. Bei der Bezirksverordnetenversammlung geriet Bürgermeisterin Monika Herrmann vergangenen Mittwoch in Bedrängnis. Sie sagt: „Das war doch gut.“
Vertretungsanspruch. Bei der Bezirksverordnetenversammlung geriet Bürgermeisterin Monika Herrmann vergangenen Mittwoch in...Foto: dpa

In diesen Wochen schaut mal wieder die halbe Republik nach Kreuzberg. Von hier aus erhielt schon manche politische Auseinandersetzung grundsätzliche Bedeutung. Hausbesetzungen, Migration, Integration und Gentrifizierung – oft wird hier im Kleinen auch große Politik gemacht. Dieses Mal mittendrin: Monika Herrmann, seit August Bürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg.

Auch jetzt geht es nicht nur um ein paar Schlafzelte von Flüchtlingen am Oranienplatz, die geräumt werden sollen. Es soll auch über Europas Verantwortung diskutiert werden, über den Missstand, dass es in Deutschland für Asylbewerber eine Residenzpflicht gibt, aber ein genormtes europäisches Asylrecht nicht.

Solidarität mit Flüchtlingen

Monika Herrmann, 49, Diplom-Politologin, sitzt in ihrem Büro im ersten Stock des Bezirksamts in der Frankfurter Allee. Sie trägt Jeans und dunkelgrünen Kapuzenpulli und macht darin einen entspannten Eindruck. Manchmal lacht sie so laut, dass ihr schmaler Körper bebt. Das Lachen macht ihre Gesichtszüge weich. Sie lässt sich auf alle Fragen ein, reflektiert, argumentiert, manchmal ruft sie kritisch: „So bin ich nicht!“, wenn sie sich falsch beschrieben fühlt. Nur einen Moment gibt es in diesem Gespräch für sie nicht – einen Moment des Zweifelns.

„Politisches Mahnmal“ hat die Bürgermeisterin den Oranienplatz ursprünglich einmal genannt, als es noch keine Lösung dafür gegeben hatte, die Flüchtlinge andernorts unterzubringen. Es war so symbolisch gemeint, wie es klang. Denn die generelle Haltung der Grünen ist eindeutig und lautet sinngemäß: Wir können das europäische Asyl-Problem hier zwar nicht lösen, aber wir akzeptieren, dass es Proteste gegen diese Missstände gibt. Mahnmal, das bedeutete auch: Unsere Solidarität habt ihr!

Nichtszweifeln am eigenen Tun

Auch in dem hässlichen Funktionsgebäude, in dem Herrmann ihr Büro hat, kann man im Gespräch mit ihr einiges lernen über die sehr spezielle, ja sture Art der Grünen, Haltung zu demonstrieren. Das Nichtzweifeln am eigenen Tun etwa passt ins Selbstbild. Kreuzberg, nun Friedrichshain-Kreuzberg, ein gallisches Dorf, Widerstandsnest gegen soziale Ungerechtigkeit, auch Kurort und Streithort der multikulturellen Gesellschaft. Mal verspottet, mal bewundert. Angeführt und seit 1996 regiert und verwaltet von den Grünen, einer mächtigen 33-Prozent-Partei.

Wie muss man ticken, wenn man hier politische Verantwortung trägt?

Monika Herrmann steht in der Tradition des legendären Bürgermeisters Franz Schulz, dem sie im August dieses Jahres ins Amt folgte, weil er aus gesundheitlichen Gründen aufhören musste. Schulz hat das Camp von Beginn an im Herbst 2012 geduldet. Nun wird genau beobachtet, ob sie seinem Erbe gerecht wird.

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