Bundestagswahlkampf in Berlin : SPD fürchtet den Volksentscheid Tegel

Nicht nur die Wähler der FDP stehen hinter dem Flughafen Tegel. Auch SPD Wähler mögen ihren TXL. Die Sozialdemokraten fürchten deshalb das Volksbegehren am Tag der Bundestagswahl.

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Der Flughafen Tegel könnte auch am Tag der Bundestagswahl eine Rolle spielen - auf mehreren Ebenen.
Der Flughafen Tegel könnte auch am Tag der Bundestagswahl eine Rolle spielen - auf mehreren Ebenen.Foto: dpa

In der Berliner SPD wird befürchtet, dass der Volksentscheid zur Offenhaltung des Flughafens Tegel den Bundestagswahlkampf der Sozialdemokraten negativ beeinflussen könnte. Aller Voraussicht nach wird die Abstimmung gemeinsam mit der Bundestagswahl am 24. September stattfinden. Bisher hatte es die Regierungspartei SPD erfolgreich vermieden, Volksentscheide und Parlamentswahlen in Berlin auf einen Tag zu legen. Mit den Grünen und Linken als Koalitionspartner ist das nicht zu machen.

Die Sorge der Parteibasis, dass die Volksabstimmung über Tegel den Sozialdemokraten ein relativ gutes Wahlergebnis verhageln könnte, weil viele Bürger dem Senat einen Denkzettel verpassen wollen, drückt sich in einem Antrag des SPD-Kreisverbands Charlottenburg-Wilmersdorf für den Parteitag am 20. Mai aus. Darin wird die Parteiführung aufgefordert, „schnellstens geeignetes Informationsmaterial zu erstellen“, um allen Parteimitgliedern überzeugende Argumente für das Ende des Flugbetriebs in Tegel an die Hand zu geben. Denn im bevorstehenden Wahlkampf müssten die Genossen ganz sicher „auch für die Schließung von TXL werben“.

Zwei Drittel der Stimmen kommen aus den wählerreichsten Bezirken

Den Freien Demokraten, die den Volksentscheid erfolgreich organisierten, werfen die Sozialdemokraten „Populismus“ vor. Gleichzeitig ahnen sie, und Gleiches hört man aus Kreisen der Grünen, dass die Berliner FDP mit diesem Wahlkampfthema in den westlichen Stadtregionen ein gutes Ergebnis einfahren könnte. Auch CDU und FDP wollen die Forderung nach einer Offenhaltung Tegels für ihre Zwecke nutzen, während Rot-Rot-Grün den Bürgern erst einmal erklären muss, warum sie dagegen sind.

Von den 204.263 Unterschriften, die den Volksentscheid herbeigeführt haben, kommen mehr als zwei Drittel aus den Westbezirken Charlottenburg-Wilmersdorf, Reinickendorf, Steglitz-Zehlendorf, Tempelhof-Schöneberg und Spandau. Das hat Gewicht, denn in diesen fünf Bezirken leben über 40 Prozent der Wahlberechtigten. Nach einer Umfrage des Instituts Civey für den Tagesspiegel ist nicht nur eine Mehrheit der Anhänger von FDP, CDU und AfD, sondern auch der SPD-Wähler für die Offenhaltung Tegels. Diese Grundstimmung könnte den Sozialdemokraten bei der Bundestagswahl zu schaffen machen. Jedenfalls dann, wenn ihre Argumente für die Schließung Tegels bei der eigenen Klientel nicht ziehen.

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