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Caterer weist Vorwürfe zurück : Welle von Magen-Darm-Erkrankungen: Erstmals Norovirus nachgewiesen

Nach den massenhaften Magen-Darm-Erkrankungen von Kindern und Jugendlichen in Ostdeutschland ist erstmals das hochansteckende Norovirus als Erreger nachgewiesen worden. Unterdessen ist die Zahl der Betroffenen weiter gestiegen.

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Mobile Küche. Am Sitz von Sodexo bei Werder gab es jetzt Kontrollen.
Mobile Küche. Am Sitz von Sodexo bei Werder gab es jetzt Kontrollen.Foto: Ariane Lemme

Nach den massenhaften Magen-Darm-Erkrankungen von Kindern und Jugendlichen in Ostdeutschland ist erstmals das hochansteckende Norovirus als Erreger nachgewiesen worden. In Sachsen seien in 16 Fällen Noroviren festgestellt worden, sagte der Sprecher des Dresdner Sozialministeriums am Sonnabend. Bundesweit sind mittlerweile 8365 Erkrankungsfälle bekannt, teilte die Sprecherin der Berliner Gesundheitsverwaltung am Sonnabend mit. In Berlin seien 2213 Fälle bekannt. Alle Betroffenen wurden mit Essen von demselben Caterer beliefert. In den meisten Fällen verlief die Erkrankung relativ milde. Nur wenige Patienten mussten stationär behandelt werden. Das Norovirus führt zu Durchfall und Erbrechen und geht oft mit Schmerzen, Übelkeit und Fieber einher.

Unter Verdacht, für die Erkrankungen verantwortlich zu sein: die Firma Sodexo. Schmutzig-weiße Wände, rostige Mülltonnen davor: Besonders appetitlich sieht sie zumindest von außen nicht aus, die Baracke bei Werder, in der die Firma Sodexo Schulessen produziert. Hinein kommen Besucher in die Großküche der Firma Sodexo am Freitag ohnehin nicht. Auf dem Hof laden Mitarbeiter des Lieferservice Löwenmenü Styroporboxen ein und aus. Mit Fremden reden will hier niemand, schon gar nicht über das Gerücht, dass der Sodexo-Standort geschlossen werden soll.

Der bundesweit tätige Anbieter beliefert vor allem Schulen und Kitas – und geriet am Donnerstag in Verdacht, kontaminiertes Essen ausgeliefert zu haben, nachdem bundesweit Kinder an Erbrechen und Durchfall erkrankt waren. Eine Ermittlungsgruppe des Bundes und der betroffenen Länder Thüringen, Berlin, Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt soll die Aufklärung auch am Wochenende mit Hochdruck vorantreiben.

Im Landeslabor Berlin-Brandenburg etwa würden am Samstag und Sonntag Proben ausgewertet, sagte Berlin Gesundheitsstaatssekretärin Emine Demirbüken-Wegner (CDU) am Samstag im RBB-Inforadio. Untersucht werden müssten 37 Lebensmittel- und 30 Tupferproben, fügte die Staatssekretärin hinzu. Anders als auch Sachsen gibt es aus Berlin aber noch keine Ergebnisse: Damit ist Demirbüken-Wegner zufolge erst Anfang der Woche zu rechnen.

Da alle in Berlin betroffenen Kitas und Schulen von dem unter Verdacht stehenden Caterer beliefert worden seien, liege es nahe, dass der Ausbruch der Krankheit „lebensmittelbedingt“ sei, fügte Demirbüken-Wegner hinzu. Es gelte aber, die Laborergebnisse abzuwarten.

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts in Berlin waren bislang „überwiegend unkomplizierte Verläufe“ zu beobachten. In einzelnen Fällen hätten Betroffene stationär behandelt werden müssen, hieß es.

Bei Sodexo weist man den Vorwurf zurück, man sei Verursacher der Beschwerden. Aus reiner Vorsorge habe man in den betroffenen Küchen alle Lebensmittel, die vor Freitag an die betroffenen Küchen geliefert worden waren, für die Weiterverarbeitung gesperrt. Einige Küchen hätten auf Bitten der Behörden die Lieferungen eingestellt. Beim Gesundheitsamt Potsdam-Mittelmark hingegen heißt es: Trotz einiger Ungereimtheiten sei die Verbindung zwischen Essensausgabe und Erkrankungen nicht zu übersehen. In Werder werden täglich bis zu 18 000 Portionen produziert, eine Lebensmittelkontrolle am Donnerstag habe keinen Anlass zur Beanstandung gegeben, so Mittelmarks Chefkontrolleur Hans-Georg Hurttig. Mehrere Schulen im Potsdamer Umland haben das Sodexo-Essen vorerst abbestellt.

Bis Freitagmittag stieg die Zahl der Krankheitsfälle allein in Brandenburg um rund 400, wie es im Brandenburger Gesundheitsministeriums hieß. „Betroffen sind sechs Landkreise und zwei kreisfreie Städte“, sagte die Sprecherin. Erkrankungen gebe es in den Städten Potsdam und Brandenburg/Havel sowie sechs Landkreisen. (mit dapd, dpa)

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