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Dagobert im Dschungel : Vom A-Kriminellen zum C-Prominenten

03.01.2013 11:08 Uhrvon
Strafe verbüßt. Arno Funke hat für die Erpressung des Karstadt-Konzerns sechs Jahre im Gefängnis gesessen.Bild vergrößern
Strafe verbüßt. Arno Funke hat für die Erpressung des Karstadt-Konzerns sechs Jahre im Gefängnis gesessen. - Foto: dapd/Lennart Preiss

Der einstige Kaufhauserpresser Arno Funke alias Dagobert findet sich hart im Nehmen und zieht ins RTL-Dschungelcamp ein. Einer seiner Vorgänger in der Show findet das in Ordnung, sein einstiger Gegenspieler von der Polizei eher nicht.

Eigentlich darf er ja gar nichts sagen. So sind die Spielregeln. „Uns sind keine Pressekontakte erlaubt“, sagt Arno Funke am Telefon. Aber dann kommt der Mann, der einst als Kaufhauserpresser „Dagobert“ berühmt wurde und ab kommender Woche bei der neuen Staffel des RTL-Dschungelcamps mitspielt, doch noch kurz ins Plaudern. Was den gebürtigen Rudower, der sich nach dem Absitzen seiner Gefängnisstrafe als Karikaturist der Zeitschrift „Eulenspiegel“ eine neue Existenz aufgebaut hat, ausgerechnet in die Vorführ-Show „Ich bin ein Star – holt mich hier raus“ treibt? „Ich bin hart im Nehmen“, sagt er. Außerdem sei er ein „Fan von Hardcore-Camping“ und streife auch privat gern durch die Wildnis.

Und wie um zu beweisen, dass ihn eine Sendung, in der ein Kakerlaken-Bad noch eine der leichteren Übungen ist, nicht schrecken kann, dreht Funke die Musik im Hintergrund auf und sagt: „So bereite ich mich darauf vor.“ Zu hören ist das mexikanische Revolutionslied „La Cucaracha“ – spanisch für Kakerlake.

„Kohlzillas Rache“

Ins komische Fach hat es Funke im Gefängnis verschlagen. Da saß der einstige Rütli-Schüler nach seiner Festnahme von 1994 bis zur Entlassung auf Bewährung im Jahr 2000. Zwischen 1988 und 1994 hatte er mit Sprengsätzen in Karstadt- Häusern und im KaDeWe hohe Summen erpresst und einen Schaden von mehreren Millionen Euro angerichtet. Die Satirezeitschrift „Eulenspiegel“ wollte von dem prominenten Häftling, der gelernter Schilder- und Lichtreklamehersteller ist, gezeichnete Polizistenwitze haben. Funke lehnte ab, aber zeichnete ein Bild, das es sogleich auf den Titel des Magazins schaffte: Helmut Kohl als Monster Godzilla, das Berlin verwüstet, dazu der Slogan „Kohlzillas Rache“.

Zahlreiche Zeichnungen und verfremdete Politikerfotos mit ähnlich brachialen Pointen hat er seitdem veröffentlicht, dazu diverse Poster und auch ein Werbebanner für das Kabarett-Theater „Distel“, die man unter www.arnofunke.de betrachten kann. Das Geld dafür darf er nur zum kleinen Teil behalten, da der Schaden, den er einst verursachte, noch nicht abbezahlt ist.

Ob Geldnot auch der Grund ist, wieso er sich darauf einlässt, ab dem 11. Januar in der australischen Wildnis zusammen mit anderen mehr oder weniger abgehalfterten Halbprominenten vorgeführt zu werden, wofür fünfstellige Summen locken sollen? Von Funke selbst gibt es dazu mit Verweis auf die Verschwiegenheitsverpflichtung gegenüber dem Fernsehsender keine Antwort.

„Er hat seine Strafe abgesessen“

Seine Karikaturen legen nahe, dass er es derb und auch mal zynisch mag, subtile Unterhaltung scheint ihm weniger zu liegen. Auch wenn er im persönlichen Gespräch freundlicher und reflektierter wirkt, als seine Arbeiten vermuten lassen. Nach Ansicht von Peer Kusmagk, Schauspieler, Moderator, Besitzer des Kreuzberger Restaurants „La Raclette“ und „Dschungelkönig“ 2011, dürfte Funke ganz gut in das Dschungelcamp passen. „Man muss das Ganze mit einem Augenzwinkern sehen“, sagt Kusmagk. Er findet, dass Funke durch seine Bekanntheit als Erpresser, aber auch durch die „schlitzohrige Weise“, wie er damals die Polizei an der Nase herumführte, gute Voraussetzungen für die Show mitbringe. „Er hat seine Strafe abgesessen, da steht seiner Resozialisierung nichts im Wege.“ Zumal der Erpresser durch die Wahl der Disney-Figur Dagobert als Maskottchen und durch die Raffinesse seiner Konstruktionen, mit denen er die Polizei bei den 30 versuchten Geldübergaben in die Irre führte, damals eine bemerkenswerte Popularität erreichte. „Ich bin gespannt, wie er nach drei Tagen Mangelernährung und Isohaft reagiert“, sagt Kusmagk, der derzeit unter anderem jeden Sonnabend eine nach ihm benannte Radiosendung moderiert.

„Ich wäre an seiner Stelle nicht hingegangen“, sagt dagegen Martin Textor, der bis zu seiner Pensionierung 2005 der Chef der polizeilichen Spezialeinheiten Berlins war. Er und seine Männer haben Funke einst mehrere Jahre lang gejagt. Inzwischen sind sich die beiden ein paar Mal privat begegnet, in der Regel auf Funkes Wunsch und offenbar nicht ohne Sympathie füreinander. „Er ist der einzige Kriminelle, mit dem ich mich privat getroffen habe“, sagt Textor. Zuletzt vor ein paar Tagen bei der Aufzeichnung einer Fernsehsendung, die an den Fall Dagobert erinnern soll. Da bekam Textor ein Bild mit seinem Porträt – gezeichnet von Funke. Und bei einem vorigen Treffen übergab der Ex-Erpresser dem Ex-Polizisten seinen Karikaturen-Band „Ente kross“, darin die Widmung: „Für meinen Lieblingspolizisten“.

„Ich gucke RTL aus Prinzip nicht“

Dass er damals geschnappt wurde, hat Funke mal gesagt, sei das Beste gewesen, was ihm passieren konnte, weil er so sein verkorkstes Leben noch mal neu beginnen konnte. „Das ist eine eigenartige Beziehung“, sagt Textor über sein Verhältnis zu Funke. Befreundet seien sie nicht. Aber irgendwie sieht er den Ex-Erpresser, den er auch mal mit dessen Lebensgefährtin zusammen getroffen hat, als Beispiel für eine gelungene Resozialisierung. „Wenn man seine Vergangenheit nicht kennt, wäre er ein netter und sympathischer Mensch.“ Den Dschungelcamp- Besuch hätte er Funke nicht empfohlen. „Ich gucke RTL aus Prinzip nicht“, sagt Textor. Auch jetzt nicht? „Naja, vielleicht heimlich unter der Bettdecke.“ Nur einer will zu Funke nichts mehr sagen: der Karstadt-Konzern, der nach Angaben von Funkes Manager noch Schadenersatzforderungen an den einstigen Erpresser hat. Als vor einigen Jahren Funkes Biografie erschien, weigerte sich Karstadt, die zu verkaufen. Man wollte mit jemandem keine Geschäfte machen, der einem einst so viel Schaden zufügte.

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