Berlin : Damenwahl

In Berlin gibt es eine Reihe von Orten, zu denen Männer keinen Zutritt haben. Weil sie nur stören würden. Eine Auswahl vom Café bis zur Kletterschule

Ariane Bemmer

Für 1 735 534 Berlinerinnen ist heute ihr Tag. Der Frauentag. Den könnten sie unter ihresgleichen verbringen wollen. Sofern sie es unter den vielen Mann-Frau- Weisheiten mit der von Loriot halten: Männer und Frauen passen einfach nicht zusammen. Separiert haben sich die Geschlechter vor allem beim Sport. Frau turnt, schwimmt, klettert unbehelligt von männlicher Gesellschaft. Doch es gibt weitere männerlose Orte – und Mann-Frau- Sprüche. Eine Auswahl.

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Wenn du willst, dass etwas gesagt wird, frage einen Mann. Wenn du willst, dass etwas getan wird, frage eine Frau. (Margret Thatcher)

Es ist ein Vormittagskurs bei den Dynamic Women, die Musik dudelt leise aus den Boxen. Die Vorturnerin animiert eine Hand voll ältere Hausfrauen zur rhythmischen Bewegung. Zwei Schritte nach links, zwei nach rechts, dazu die Arme kreisen. Eins, zwei, drei, vier! Die Frauen finden den Takt nicht. Die Vorturnerin sagt, das sehe schon sehr gut aus. In den Kursen abends wird es dann anstrengend: Hanteln stemmen, Liegestütze, Kniebeugen mit Gewichten, Spinningrad fahren.

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Für Männer ist es wichtig, nicht zu reden, Frauen dagegen müssen reden. (John Gray: Männer kommen vom Mars, Frauen von der Venus)

Das ist so eine Weisheit, die Tülin Mete nur zu wahr findet. „Wir Frauen“, sagt sie, „müssen quatschen.“ Und Männer stören dabei nur. Entweder mischen sie sich ein oder sie beeinflussen die Themenwahl. Deshalb hat sie mit zwei Freundinnen ein Café eröffnet: nur für Frauen.

Es heißt Dudu, ein türkisches Wort für Frau, und liegt im Schatten der riesigen Kirche am Südstern in Kreuzberg. Drinnen ist Orient, die drei Besitzerinnen sind türkischer Herkunft, dienstags und freitags gibt es im Nebenraum Bauchtanzkurse. „Die Frauen sollen sich hier wohl fühlen“, sagt Tülin Mete, 37 Jahre alt und Wilmersdorferin. Sie sollen trinken, essen, tanzen, wenn sie wollen. Sie können auch selbst gemalte Bilder ausstellen oder selbst gemachten Schmuck verkaufen. „Alles ist möglich!“, ruft Tülin Mete und lacht. Sie und ihre Freundinnen wissen selber noch nicht so genau, wohin es gehen soll mit dem Dudu. Aber es geht bergauf. Zwei Monate nach der Eröffnung ist das Café an manchen Tagen schon gut besucht. Bisher mehrheitlich von türkischen Frauen, was erstens ausdrücklich keine Absicht ist, und zweitens zur Ausnahme von der Regel geführt hat: Sonnabends ab 18 Uhr dürfen auch Männer ins Dudu. Manche Männer, sagt Tülin Mete, hätten sehen wollen, was da los ist, im Dudu, bevor ihre Frauen allein dorthin gingen. Außerdem, sagt Tülin Mete, und lacht noch mehr, wären viele Männer beleidigt gewesen. Ein neuer Laden und sie dürfen nicht rein! Das kann ja nichts werden, hätten die gesagt.

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Ein Weib ist wie ein Komma, ein Mann ist ein Punkt. Hier weißt du, woran du bist, dort lies’ weiter. (Theodor Gottlieb von Hippel, 1741 – 1796)

Dass Männer sich provoziert fühlen, wenn sie ausgeschlossen werden, erleben sie auch beim Frauenverlag Orlanda. Männer würden Manuskripte einschicken und den Verlag verklagen, wenn sie die zurückbekommen, sagt Geschäfsführerin Anna Mandalka. Oder sie belagerten die Messestände des ehemaligen Feministinnenprojekts und beschimpfen die Mitarbeiterinnen. Äußerst albern sei das, findet Mandalka. Männer hätten es schließlich in nahezu allen Verlagen einfacher als Frauen. Als wären Argumente in diesem Fall nötig. Früher haben sie viel zum Thema sexueller Missbrauch herausgebracht, inzwischen gibt es auch Romane, Krimis, Ratgeber. Das Motto des Hauses: Bücher von Frauen mit Frauen – für alle.

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Allwo ein Weib, da ist Streit. (Romain Rolland: Meister Breugnon)

Das Hotel Artemisia hat zwölf Zimmer auf drei Etagen, in denen ausschließlich Frauen wohnen. Ein Zickenstall sei es aber nicht, sagt Hayde Ollenburg, die hier seit 1989 arbeitet. Gegründet wurde das Charlottenburger Haus, weil allein reisende Frauen in anderen Hotels oft die mickrigsten Zimmer bekommen und sich schief angeguckt fühlen, wenn sie unfrisiert zum Frühstück erscheinen. Frau Ollenburg sagt, dass es ohne Männer einfach entspannter sei. Das Frühstücksbüffet (sieben Euro inklusive Getränke) ist übrigens nicht nur für Hotelgäste.

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Frauen konnten größere Teufel sein als Männer. (John Knittel: El Hakim)

Und Frauen können besser klettern. Findet Freeclimberin Thorid Zänker: „Frauen arbeiten mehr mit Technik, weniger mit Kraft.“ Sie hat mit Gleichgesinnten eine Frauenkletterschule aufgemacht. Denn: Im Leben ist es zwar so, dass die Männer den Frauen nachsteigen, aber am Berg, da ist es andersrum. Da steigt sie ihm nach. Weil er als Erster die Wand erklimmt und die Pfade erkundet, was den Spaß am Sport ausmacht. Nicht selten, sagt Thorid Zänker, sei der Mann gar vergnügt darüber, dass die Frau seinen Pfad nicht schafft. Dann stehe er oben am Berg und rufe: Weiter links, Uschi, da musst du reingreifen. Thorid Zänker ärgert sich schon, wenn sie das nur erzählt. Ihre Schule heißt: Aufsteigerinnen.

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