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Das Mauer-Panorama : Ein Stück Berliner Geschichte ist zurück

23.09.2012 21:02 Uhrvon
Seit Sonntag für Besucher geöffnet: Das Panometer am Checkpoint Charlie.Bilder
Seit Sonntag für Besucher geöffnet: Das Panometer am Checkpoint Charlie. - Foto: dapd

Die einen erinnern sich an ihre wilde Studentenzeit in Kreuzberg, andere an ihre Angst vor "den Russen". Das Mauer-Panoramabild von Yadegar Asisi am Checkpoint Charlie ist eröffnet – und bewegt die Zuschauer.

Es ist ein Stück gelebtes Leben, und jetzt kommt es zurück, an diesem Sonntagmittag in der dunklen Rotunde. Plötzlich und in dieser Wucht auch unerwartet. Es überfällt die Besucher, treibt Tränen in die Augen, öffnet innere Schleusen. Die einen erinnern sich an ihre Studentenzeit im wilden Kreuzberg der 80er Jahre: politische Diskussionen, Alkohol, sich ausprobieren in jeder Hinsicht. Für andere bringt es den Alltag in der Diktatur zurück: die Beklemmung, die Anpassung, die Suche nach ein bisschen Freiheit im Privaten. Seit Sonntag ist am Checkpoint Charlie das Panorama „Die Mauer“ von Yadegar Asisi zu sehen.

Dunkel und kalt ist es in der riesigen Rotunde, in der das Kunstwerk installiert ist. Aus Lautsprechern versichert die heisere Stimme Walter Ulbrichts: „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.“ Mit einem Mal fällt Licht auf das Panorama. Da ist sie, die Kreuzberger und die Ost-Berliner Szenerie: häuserhoch und todesstreifenbreit steht sie vor den Besuchern, fast 1:1. Vorne die Nischenkultur, die sich in den 80er Jahren in Kreuzberg entlang der Mauer eingerichtet hat: Autowerkstatt, Imbisswagen, Freaks an einem Lagerfeuer, die Aussichtsplattform mit den Touristen, die nach drüben schauen. Asisis Blick wandert mit ihnen von West nach Ost, über die monströse Grenzanlage hinweg zu den verfallenen Häusern, in denen hier und da ein Licht brennt.

Wiedersehen mit der Geschichte. Neuberliner Ralf Petersen bringt die Teilung Berlins seinem Sohn Finn nahe.Bild vergrößern
Wiedersehen mit der Geschichte. Neuberliner Ralf Petersen bringt die Teilung Berlins seinem Sohn Finn nahe. - Mike Wolff

Auch im Ausstellungsraum gibt es eine Besucherplattform. Eine Weile steht eine Frau schon da oben und schaut und kann sich nicht losreißen. Sie schaut in den Osten. Sie ist 73 Jahre alt und kommt aus Halle. „Ja, so war es“, sagt sie. Aus dem Lautsprecher bellt die Stimme von DDR-Armeegeneral Heinz Hoffmann: „Wer unsere Grenze nicht respektiert, der bekommt die Kugel zu spüren“. Die Frau aus Halle presst die Lippen aufeinander, ihre Augen sind feucht. Die Beklemmung, die Angst, jetzt ist alles wieder da. Der Vater war in Russland in Kriegsgefangenschaft. Die Angst vor „den Russen“ hat sie nie verlassen. In der Ausfallstraße von Halle, wo sie wohnten, da habe sie die Panzer ja gesehen, mit ihren Kanonenrohren. Hätten genau in ihre Wohnung gezielt, sie hat sich das oft überlegt.

Die Bilder zur Eröffnung des Mauer-Panoramabilds:

'89 sind ihr Mann und die Kinder mit Kerzen nach Leipzig gefahren. Sie konnte nicht, sagt sie, saß wie gelähmt zu Hause, gelähmt vor Angst. Durch die Arbeit in der Behörde, die die Stasi-Unterlagen sichtete, habe sie nach der Wende allmählich die beklemmenden Gefühle verloren. „Ja, so war es“, sagt sie, „bedrückend aussichtslos.“

Neben ihr fachsimpeln westdeutsche Besucher: „Die Kneipe ’Gemütliche Ecke’ da drüben, die kenne ich, aber war die an dieser Stelle? Da gab’s doch keine Tankstelle?“ Ein anderer erwidert: „Aber die Schultheiss-Henne war da wirklich, direkt an der Mauer.“

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