Berlin : Das Millionending

Zwei Studenten haben ihre Kunst-Guillotine an einen US-Sammler verkauft.

Jackpot. Iman Rezai (li.) und Rouven Materne bekamen 2,3 Millionen Dollar für ihre Guillotine. Foto: The Coup
Jackpot. Iman Rezai (li.) und Rouven Materne bekamen 2,3 Millionen Dollar für ihre Guillotine. Foto: The Coup

Auf dem internationalen Kunstmarkt geht es dieser Tage hitzig zu: 120 Millionen Dollar für Edvard Munchs „Der Schrei“, erzielt bei Sotheby’s in New York durch einen vermutlich in Katar heimischen Bieter – nun gut, das war absehbar. Aber 2,3 Millionen Dollar für die kunterbunte Guillotine zweier Kunststudenten aus Berlin, kurzfristig international bekannt geworden durch ihren Coup, über die Hinrichtung eines unschuldigen Schafes per Fallbeil im Internet abstimmen zu lassen – das ist schon, trotz der vergleichsweise bescheidenen Summe, eine kleine Sensation.

Im Mittelpunkt der Köpf-Kunst steht „Norbert“, der Quessant-Rasse zugehörig, die auch als Bretonisches Zwergschaf bekannt ist: die kleinste Schafrasse Europas. Wie berichtet, ersannen Iman Rezai und Rouven Materne, Meisterschüler an der Hochschule der Künste, für den Schafsbock eine sehr funktionstüchtig aussehende Guillotine und lassen derzeit unter www.die-guillotine.com im Internet über das Schicksal des Schafs abstimmen: Abschlagen oder dranlassen – eine Frage, die die Internetgemeinde und nicht nur sie tief bewegt und entzweit. Bislang gebe es etwa 2,5 Millionen Abstimmende, etwa 60 Prozent seien gegen, 40 fürs Köpfen, sagte am Sonnabend Melanie Marten von der Berliner PR-Agentur für Kunst, Mode und Design, die die beiden Jungkünstler vertritt.

Die bunte Guillotine stehe „für eine Gesellschaft, die ihren Gräueltaten den Anstrich von Humanität geben möchte“, hatte der 23-jährige Materne, wie sein Mitstreiter Schüler der Künstlerin Leiko Ikemura, die Aktion erläutert. An sich sei gar nicht daran gedacht worden, die Guillotine zu verkaufen, lässt Melanie Marten wissen. Aber dann habe es mehrere Kaufangebote gegeben, und nach anfänglichen Zögern habe man eben bei 2,3 Millionen Dollar ja gesagt.

Über den Käufer sagt die PR-Frau fast nichts, nur dass er aus den USA komme und das Kunstwerk demnächst dorthin verschifft werden solle. Die bis zum 17. Mai geplante Abstimmung gehe vorerst weiter, der genauen Ablaufplan müsse noch zwischen den Künstlern und dem Käufer abgestimmt werden. Dem Schaf „Norbert“ jedenfalls gehe es nach wie vor sehr gut. ac

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