Der Politikaussteiger : Das System und der Mensch

Foto: promo
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Bei einem Schüleraustausch in Bayern habe ihm der dortige Lehrer gesagt: Die Chance für Deutschland sind die Ostdeutschen. Wenn er auf seine eigenen Schüler schaue, sehe er dagegen schwarz. „Damals war ich total verwirrt“, erzählt Martin Fuchs. Inzwischen zeigt sein Lebenslauf, was der Lehrer wohl gemeint haben könnte.

Er habe die „Wohltaten des Sozialismus“ genossen, sagt Martin Fuchs, 1979 geboren. Er wurde „Kinderstadtführer“, machte in der Computer-AG mit. Der Vater war Chef der Leipziger Landwirtschaftsmesse. Später zog die Familie nach Weimar.

Fuchs wurde durch die Protestbewegung gegen Studiengebühren 1997 politisiert. Damals war er Schülersprecher. Nach dem Abi ging er ins kleine Ilmenau, um dort Medienwirtschaft zu studieren. Doch weil das neue Studienfach völlig desorganisiert ablief, engagierte sich Fuchs in den Uni-Gremien. Unter anderem wurde er der „erste männliche Gleichstellungsbeauftragte“.

Fuchs bewährte sich als Anwalt der Studierenden und merkte, dass ihm das öffentliche Reden Spaß machte. Er wurde Sprecher der Thüringer Studierenden, ging im Landtag ein und aus, wurde in den Vorstand der Hochschulrektorenkonferenz gewählt, mit eigenem Büro, Fahrer und 16-Stunden-Tag. Der Sog des Politikbetriebs hatte ihn erfasst. Fuchs organisierte Demonstrationen, stellte fest, „dass man was bewegen kann“. In Leipzig sprach er vor 25 000 Menschen. Der Sog wurde kräftiger, „da habe ich nur noch funktioniert“. Gleich drei Parteien boten ihm an, für den Bundestag zu kandidieren. Fuchs lehnte ab. „Ich habe gesehen, wie man sich im System verändert.“ Er wollte sein Leben nicht in dieses enge Korsett pressen und trat von allen Ämtern zurück.

Zeit fürs Diplom – Thema: Lobbyismus und sein Wert für Unternehmen. Nach einer Weltreise und Beratertätigkeiten kümmert er sich heute um Social-Media-Projekte von Kommunen. loy

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