Berlin : Der Schul-TÜV kommt ins Klassenzimmer

Ab Februar 2006 sollen sich die Schulen alle fünf Jahre einer externen Inspektion stellen, um die Qualität des Lernens zu überprüfen

Susanne Vieth-Entus

Berlins Lehrer und Schüler bekommen Besuch: Im Februar 2006 sollen die seit langem geplanten Schulinspektionen beginnen. Bei den jeweils zweitägigen Visiten wird der Unterrichtsalltag nach allen Gesichtspunkten untersucht, die für ein erfolgreiches Lernen Bedeutung haben. Während der Anlaufphase im ersten Jahr sollen rund 50 Schulen geprüft werden, später dann im Schnitt 200 jährlich. Alle fünf Jahre soll der „Schul-TÜV“ erneuert werden. Ab sofort können sich Schulleiter und Lehrer um die Mitarbeit in den dreiköpfigen Inspektionsteams bewerben. Ab November sollen die insgesamt 45 Fachleute geschult werden und bei der Entwicklung eines Handbuchs mitarbeiten.

Die Bewertung durch Fachleute von außen gehört seit Pisa zur Zauberformel für eine bessere Qualität von Schulen. Niedersachsen hat bereits damit begonnen. In Brandenburg geht es nach den Sommerferien los. Beide Bundesländer orientieren sich am Vorbild der Niederlande, die eine jahrzehntelange Erfahrung mit Schulbesuchen haben. Auch Berlin will das Rad nicht neu erfinden. „Niedersachsen und Brandenburg haben Pate gestanden“, berichtet denn auch Landesschulrat Hans-Jürgen Pokall. In Brandenburg fragt man beispielsweise, wie die Lehrer den Unterricht gestalten und wie individuell sie die Schüler unterstützen (Bereich „Lernkultur“). Im Bereich „Schulmanagement“ muss der Direktor die Karten auf den Tisch legen: Wie kommt er mit den Ressourcen aus und wie organisiert er den Unterricht? Fallen viele Stunden aus? Wie klappt die Vertretung? Ansonsten wird nach dem Schulklima gefragt, nach der Fortbildung der Lehrer, nach dem Schulprogramm, nach dem baulichen Gesamteindruck der Schule, nach der Kooperation mit „gesellschaftlichen Partnern“ und vielem mehr.

Anschließend sollen die Schulen einen Ergebnisbericht erhalten, den sie dann auch mit Eltern und Schülern diskutieren sollen. Wenn also die Inspektoren feststellen, dass nicht genug dafür getan wird, Dauerschwänzer „einzufangen“ oder aus den Ergebnissen der Vergleichsarbeiten Konsequenzen zu ziehen, lässt sich das nicht geheim halten. Und sicher wird dann auch darüber gesprochen werden müssen, warum etliche Schulleiter jede Menge Unterricht ausfallen lassen, während ihre Kollegen es schaffen, bei gleichem Krankenstand und gleicher Personalsausstattung für Vertretung zu sorgen. „Es gibt bei den Lehrern eine große Bereitschaft, die Schulinspektionen mitzutragen“, sagt die Vorsitzende des Landeslehrerausschusses, Brigitte Wilhelm. Auch Landeselternsprecher André Schindler begrüßt die Neuerung, hält es aber für „katastrophal“, wenn nur Schulleute zu den Teams gehören. Er plädiert dafür, Wissenschaftler einzubeziehen. Diese Ansicht teilt der CDU-Bildungspolitiker Gerhard Schmid. Da die Berichte der Inspektoren „unweigerlich“ bekannt werden, sei es dringend nötig, sie auf eine verlässliche Basis zu stellen. Dies bedeute, dass die Inspektoren gut auf ihre Arbeit vorbereitet und außerdem noch von Wissenschaftlern unterstützt werden müssten.

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