Berlin : Die Gemeinschaftsschule kann starten

Elf Bewerber sind beim Modellprojekt dabei, hat der Bildungssenator entschieden. Darunter ist auch die Evangelische Schule Mitte

Susanne Vieth-Entus

Das wichtigste Schulprojekt der rot-roten Koalition geht in die entscheidende Phase: Nachdem Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) gestern elf Bewerbern die Teilnahme an der Pilotphase genehmigte, können jetzt die Umbauten und Fortbildungen an den künftigen Gemeinschaftsschulen beginnen. Im Schuljahr 2008/09 werden die ersten Klassenverbände gebildet, in denen es weder Probehalbjahre noch Sitzenbleiben gibt und in denen alle Schüler gemeinsam unterrichtet werden.

„Das ist eine Herausforderung, und ich liebe Herausforderungen“, ruft Margret Rasfeld, kurz nachdem sie erfahren hat, dass ihre Schule an der Pilotphase teilnehmen darf. Die 56-Jährige hat bisher eine Essener Gesamtschule geleitet und brennt auf den Neuanfang: auf eine Schule, in der sie die Kinder nicht mehr nach Leistung sortieren muss. Rasfeld ist Rektorin der Evangelischen Schule Berlin-Zentrum – der einzigen freien Schule, die bisher in der Pilotphase dabei ist.

Dass die Evangelische Schule den Zuschlag bekommen hat, überrascht nicht. Sie galt schon lange als „gesetzt“, weil das Konzept überzeugte. Von den Bewerbern, die bis Anfang November noch im Rennen waren, sind drei freie Schulen und zwei öffentliche nicht mehr dabei, dafür kam eine noch zu gründende Schule in Pankow hinzu.

Alle elf genehmigten Projekte, hinter denen 15 Schulen stehen, bekommen pro Jahr 5000 Euro für Fortbildungen. Im Haushalt sind 5,5 Millionen (2008) und 8,5 Millionen Euro (2009) eingeplant, um die Pilotphase zu unterstützen. Bis 2011 sollen insgesamt 22 Millionen Euro fließen. Ein Großteil des Geldes wird für Ausbauten benötigt. Einige Schulen brauchen sogar neue Gebäude, weil sie künftig nicht nur Schüler von Klasse 1 bis 6 oder 7 bis 10 unterrichten, sondern von 1 bis 13.

Große Unterschiede gibt es bei der Ausgangslage der Schulen in Bezug auf ihre Schülerschaft: Einige Schulen haben schon jetzt leistungsstarke Kinder, weil sie seit langem zum Abitur führen, wie etwa die Fritz-Karsen- oder die Anna-Seghers-Gesamtschule. Andere Schulen müssen erst noch die entsprechende Klientel gewinnen. Schon jetzt ist absehbar, dass es nicht überall auf Anhieb gelingen kann, den gewünschten Anteil von mindestens 20 Prozent Gymnasialkindern zu gewinnen. So geht die Heinrich-von-Stephan-Schule, eine integrierte Haupt- und Realschule in Moabit, davon aus, dass es frühestens ab 2009 gelingt, die angepeilte Schülermischung zu erreichen.

Leichter wird es da etwa die Evangelische Schule Berlin-Zentrum haben: Sie kooperiert mit der Evangelischen Grundschulen Mitte und verzeichnet auch sonst eine große Nachfrage. Bei zwei Tagen der offenen Tür waren jetzt über 500 Interessierte zu Gast.

Auch die Hellersdorfer Mozart-Grundschule, die jetzt als Gemeinschaftsschule bis Klasse 10 „hochwachsen“ will, fürchtet nicht um eine gute Schülermischung. Etliche potentielle Gymnasialkinder wollten darauf verzichten, nach der 6. Klasse zum Gymnasium zu wechseln, berichtet Schulleiterin Sybille Stottmeyer. Sie erwartet, dass etwa 40 der 50 Sechstklässler einfach bei ihr bleiben.

Nicht ganz zufrieden ist die Linkspartei mit strengen Auswahl Zöllners: Noch im Sommer hatten über 60 Schulen ihr Interesse bekundet. Einige von ihnen waren zurückgetreten, weil die Schulgremien nicht dahinter standen oder der Standort keine baulichen Veränderungen zuließ. Andere hatten auf die Bewerbung verzichtet, weil die Bildungsverwaltung ihnen abgeraten hatte – mangels Aussicht, genügend gymnasialempfohlene Kinder anziehen zu können. „Hier hätte die Linksfraktion von der Senatsverwaltung mehr Zutrauen und Unterstützung erwartet“, sagte ihr bildungspolitischer Sprecher Steffen Zillich.

Folgende Schulen sind außer den genannten in der Pilotphase dabei: Moabit: Moses-Mendelssohn-Gesamtschule mit der James-Krüss-Grundschule, Spandau: B.-Traven-Gesamtschule, Neukölln: Heinrich-Heine-Realschule mit Rütli- Hauptschule und Franz-Schubert-Grundschule, Treptow: Sophie-Brahe-Realschule mit Grundschule am Heidekampgraben, Lichtenberg: Hermann-Gmeiner-Grundschule. Weitere Schulen können 2009 hinzukommen.

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