Berlin : Die Reihe der Staatssekretäre in der Großen Koalition ist nun fast komplett besetzt

A. Bahr,E. Schweitzer

Fünf Männer und eine Frau wurden gestern durch den Senat zu neuen Staatssekretären in der dritten Auflage der Großen Koalition ernannt. Für Berlin bislang eine Unbekannte ist die neue Staatssekretärin für Verkehr, Maria Krautzberger (SPD). Die 45-jährige Verwaltungswissenschaftlerin aus dem bayerischen Mühldorf war sechs Jahre lang Umweltsenatorin in Lübeck, zuletzt auch stellvertretende Bürgermeisterin. Ebenfalls aus Lübeck kommt ihr Staatssekretärskollege Hans Stimmann. In der Hansestadt musste sie sich um die Ostsee-Autobahn A 20 und die Altlastensanierung bemühen. Sie kämpfte gegen Giftmülltransporte durch Schleswig-Holstein und trat für Lärmschutz ein. Nach der Lübecker Kommunalwahl von 1998 unterlag sie einer Gegenkandidatin, die von CDU, Grünen und einer Unabhängigen Wählergemeinschaft unterstützt wurde und wechselte - nach einem Zwischenspiel von einigen Monaten bei den Energiewerken VEAG - als Planungsdezernentin ins nordrhein-westfälische Oberhausen. In Lübeck kandidierte Krautzberger Anfang des Jahres nochmals als SPD-Kandidatin für die Oberbürgermeisterwahl, unterlag parteiintern aber gegen den neuen Amtsinhaber Bernd Saxe.

Unter maskuliner Dominanz steht die Spitze der Finanzverwaltung. Senator Peter Kurth (CDU), in den letzten vier Jahren selbst Staatssekretär unter Annette Fugmann-Heesing (SPD), bestand als einziger seiner Kollegen darauf, seine beiden Neuen persönlich vorzustellen. Mit Hugo Holzinger stehe ihm ein "alter Fuchs in der Verwaltung" zur Seite, freute sich Kurth mit einem verschmitzten Lächeln. Beide verbindet die oft nicht einfache Zusammenarbeit mit Kurths Vergängerin, bei der Holzinger als Leiter des Amtes für offene Vermögensfragen arbeitete. Holzinger soll sich nun um die weiteren anstehenden Privatisierungen bemühen, einen Liegenschaftsfonds mit aus der Taufe heben und die Beteiligungen des Landes unter seine Obhut nehmen. Dritter im Bunde der Finanzen ist mit Robert F. Heller, ein echter Neuzugang ohne Berliner, aber mit reichlich CDU-Stallgeruch und einer ausgewiesenen finanzpolitischen Vita. Haushaltspolitik ist seit Anfang der Neunziger seine Sache, zuerst im Bundesfinanzministerium, zuletzt in der Bundestagsfraktion. Viel Arbeit wartet auf den (im Gegensatz zu Kurth) streng dreinblickenden Gelsenkirchener: Der Senat will am 11. Januar den Haushaltsentwurf 2000 vorlegen.

Ein Berliner Gewächs und seit 1975 in der SPD ist hingegen Frank Ebel. Der Jurist, der sein Staatsexamen an der Freien Universität mit "Gut" abschloss und nach Angaben der Verwaltung zu den Besten seines Jahrgangs gehörte, wirkt nunmehr als Staatssekretär unter Schul- und Sportsenator Klaus Böger (SPD). Dieser hatte sich für Ebel und gegen Staatssekretär Klaus Löhe entschieden, der gestern in den einstweiligen Ruhestand geschickt wurde. Ebel, der in der Schöneberger SPD beheimatet ist, überließ bei den jüngsten Wahlen den ersten Listenplatz der "Neuberlinerin" und einstigen SPD-Vorzeigefrau Annette Fugmann-Heesing, wurde deswegen nicht wieder ins Parlament gewählt, nun aber mit einer attraktiven Aufgabe betraut. Mit 42 gehört Ebel zu den Nachwuchshoffnungen der Berliner SPD.

Zu den reiferen Vertretern der CDU zählt dagegen Rüdiger Jakesch (Jahrgang 1940). Er übernimmt in der Innenverwaltung den Staatssekretärsposten von Kuno Böse (CDU), der ebenfalls gestern in den einstweiligen Ruhestand versetzt wurde. Jakesch ist vom Fach, diente bis 1983 in der Berliner Polizei, wurde dann Bürgermeister in Schöneberg und 1995 ins Parlament gewählt.

Mit Volker Liepelt ist ein bekanntes Gesicht der Berliner CDU zum Staatssekretär in der Wirtschaftsverwaltung aufgestiegen. Er dient seiner Partei seit einigen Jahren als Generalsekretär und wirkte zudem zuletzt in der Fraktion als Parlamentarischer Geschäftsführer. Der Tiergartener Liepelt galt bisher als "Wadenbeißer", der keine Gelegenheit ausließ, die SPD zu attackieren. Liepelt ist bekennender Gegner jeglichen Grillens im Tiergarten. In der Verwaltung ersetzt er Dieter Ernst, der als Vorstandsmitglied zu den Wasserbetrieben gelobt wurde.

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