Eddie Izzard in Berlin : Extremist im Exil

Der britische Starkomiker Eddie Izzard tritt sechs Wochen lang in Berlin auf – und zwar auf Deutsch. Die Sprache spricht er zwar kaum und dennoch ist sein Plan wohlüberlegt. Ein Treffen.

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Eddie Izzard beim Auftritt in Berlin.
Eddie Izzard beim Auftritt in Berlin.Bruno Calvo/promo

Nach fünf Minuten, da hat er gerade die Wörter „Ergebnis“ und „Ewigkeit“ verwechselt und sich gewundert, warum das Publikum so verwirrt schaut, versucht er eine reflektierte Zusammenfassung dessen, was hier gerade schiefläuft: „Die Show ist in meinem Gedächtnis, aber außerhalb meiner Fähigkeiten.“ Und dann schiebt er hinterher: „Ich kann auch improvisieren, aber das ist ein bisschen scheiß.“ Jetzt lachen sie alle.

Eddie Izzard, 51, britischer Starkomiker, schwitzt heute im Imperial Club, dem Keller des Admiralspalasts, deutlich mehr als gewohnt. Vor neun Monaten war er schon einmal hier, mit demselben Programm und denselben Pointen, damals fiel ihm der Auftritt leichter. Denn 2013 machte er seine Scherze auf Englisch. Diesmal versucht er sich auf Deutsch. Allein der Akzent klingt arg lustig. Und manchmal muss sich der Zuschauer zusammenreimen, worin genau wohl der Witz besteht. Das ist nicht weniger lustig.

Wenn nicht alles täuscht, hat Eddie Izzard gerade einen Sketch vorgetragen, in dem ein mittelalterlicher Kaiser einem anderen den Kopf abgeschlagen hat. Was genau der Maulwurf damit zu tun hat, den Izzard jetzt imitiert, wird nicht klar, aber hey, das Zugucken macht Spaß.

Alle Sätze hat er auswendig gelernt, sie stehen im Skript, das sein Bruder für ihn übersetzt hat. Der ist jeden Abend vor Ort, macht sich Notizen und hinterher Verbesserungsvorschläge. In der Schule hat Eddie Izzard zwei Jahre lang Deutsch gelernt, heißt es, das helfe ein wenig.

Die Versprecher sind innerhalb weniger Tage viel seltener und die Rahmenhandlung viel erkennbarer geworden, behaupten Zuschauer, die bereits die Premierenvorstellung besucht haben. Eine Menge Exilengländer sind gekommen, aber auch mindestens so viele Deutsche.

Zwei Stunden vor seinem Auftritt hockt Eddie Izzard im Backstagebereich vorm Schminkspiegel und macht, woran sich eh alle Comedians außerhalb ihrer Show halten sollten: Er zieht keine Grimassen und hampelt nicht rum, sondern spricht ganz nüchtern aus, weshalb er sich das antut. Vor Jahren habe er im Griechenlandurlaub erlebt, wie Menschen mit unterschiedlicher Herkunft beim Planschen im Pool gemeinsam Spaß haben können, ohne ein Wort miteinander wechseln zu können. Da kam ihm die Vision von grenzüberschreitender Comedy. Und wer so eine Vision habe, sagt er, müsse bitte schön auch dafür kämpfen. Deshalb hält er sich auch bewusst von allen in Berlin lebenden Briten fern. Dass es die reichlich gibt, weiß er – aber Kontakt wäre nicht hilfreich!

Man könnte seinen Versuch irgendwo zwischen „extrem gewagt“ und „bescheuert“ einordnen. Für Eddie Izzard ist das nichts Ungewöhnliches, er wagt sich gern an Aufgaben, die anderen unmachbar erscheinen. Seine Marathonläufe sind noch so ein Beispiel. Lange Zeit ist er überhaupt nicht gelaufen, und dann kam er auf die Idee, er könnte doch einmal 43 Stück hintereinander absolvieren. Er hat es durchgezogen.

Vergangenen Sommer wollte er erneut laufen, nämlich 27 Mal durch Südafrika. Ein Lauf für jedes Jahr, das Nelson Mandela im Gefängnis verbrachte. Diesen Versuch musste Izzard nach vier Läufen auf ärztlichen Rat abbrechen. Und was macht er? Wird es dieses Jahr nachholen. Dann will er aber nicht die verbliebenen 23 laufen, sondern noch mal ganz von vorn beginnen.

„Herr Izzard, sind Sie ein Dickkopf oder ein Extremist?“

„Ich fürchte, das kann ich nicht eindeutig beantworten.“

Auch die Idee mit dem Fremdsprachencomedy soll weitergehen. Weil seine Berliner Shows so gut ankommen, hat er das Gastspiel bis Ende Februar verlängert. Danach will er vielleicht eine kurze Deutschlandtour organisieren. Und anschließend, wenn jeder Satz richtig sitzt, kann er alles vergessen und muss sich neue Übersetzungen einpauken: Dann will er seine Gags nämlich auf Spanisch probieren, danach auf Russisch. Zum Abschluss auch auf Arabisch, er ist schließlich in Jemen geboren, sein Vater war Angestellter bei BP. Auch dort will er auf seine teils heftigen Religionswitze nicht verzichten. „Aber ich werde vorher klarstellen, dass es sich hier um den christlichen Gott handelt, den ich gerade auf den Arm nehme.“

Während er in Großbritannien Arenen füllt, ist Eddie Izzard in Deutschland am ehesten noch für seinen Krieg-der-Sterne-Sketch bekannt, der auf Youtube kursiert: Darin malt er sich aus, was passiert, wenn Darth Vader in der Kantine des Todessterns mit der Bedienung aneinandergerät und partout kein Tablett in die Hand nehmen will. „Ich brauche das nicht! Ich könnte Sie mit einem einzigen Gedanken töten!“ Bei Liveauftritten weigert er sich, den Sketch aufzuführen, das wäre ja so, als wenn die Stones ihr Leben lang immerzu „Satisfaction“ spielen müssten, sagt er. Immerhin hat er sich jetzt eine Fortsetzung ausgedacht: Bei der stößt Gott zu dem streitenden Grüppchen in der Todessternkantine. Den Sketch beherrscht er noch nicht auf Deutsch, sagt er. Wer ihn sehen wolle, solle besser noch zwei Wochen warten. Andererseits: Dann wird man sicherlich verstehen, was der Maulwurf mit den Kaisern zu tun hatte. Mit Pech ist das weniger lustig als die eigene Vorstellung.

Eddie Izzard tritt noch bis Ende Februar im Quatsch Comedy Club auf, die Vorstellungen finden im Imperial Club, Friedrichstraße 101, statt. Karten kosten 22 Euro, alle Infos unter www.quatsch-comedy-club.de

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