Europäische Akademie Berlin : Mr. Europa gibt die Leitung ab

Besonders für die Osterweiterung hat sich Eckart Stratenschulte stark gemacht. Im Grunewald übernimmt jetzt seine Stellvertreterin Andrea Despot.

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Fast ein Vierteljahrhundert leitete Eckart Stratenschulte die Europäische Akademie in Berlin-Grunewald.
Fast ein Vierteljahrhundert leitete Eckart Stratenschulte die Europäische Akademie in Berlin-Grunewald.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Er hat die Liebe zu Europa in Berlin verbreitet und die Integration gepredigt, noch ehe aus der Wirtschaftsgemeinschaft eine politische Union wurde und die EU eine Vertretung in Berlin eröffnete. Seit 1993, also seit fast ist ist , leitet Eckart Stratenschulte die Europäische Akademie in Grunewald.

Wenn Berliner Jugendliche in Schulen etwas über Europa lernen, dann oft von Lehrern, die einen Fortbildungskurs bei ihm besucht haben – und aus Unterrichtsmaterialien, die er verfasst hat. An der Freien Universität Berlin führt er Studenten in die komplizierte EU-Materie ein, in der ihm eigenen ironisch-lockeren Ausdrucksweise. Vor allem hat der umtriebige gebürtige Heidelberger Berlin geholfen, seine neue Rolle als zentraler Bezugspunkt für das sich nach Osten erweiternde Europa zu finden, als die Stadt noch sehr von der Elite ihres Westteils geprägt war, mit dem Rücken nach Osten stand und sich als Außenposten der alten rheinischen Bundesrepublik verstand.

"Berlin grüßt Warschau"

Ab Mitte der 1990er Jahre organisierte Stratenschulte eine preiswerte Initialzündung für die Partnerschaften mit Hauptstädten im Osten. Unter dem Titel „Berlin grüßt Warschau“, Vilnius, Kiew und viele mehr brachte er Partner zusammen, die neben dem neuen Geist guter Nachbarschaft ein wirtschaftliches Interesse verband: Die BVG verkaufte gebrauchte Busse und Schienenfahrzeuge an die Verkehrsbetriebe in Sofia und anderswo. Universitäten und Versorgungsbetriebe fanden zueinander. Und der Regierende Bürgermeister oder Präsident des Abgeordnetenhauses standen im internationalen Glanz, ohne sechsstellige Beträge für hochrangige Inszenierungen wie einen Auftritt der Philharmoniker berappen zu müssen.

Auch die Akademie, ein eingetragener Verein, führt er in diesem unternehmerischen Geist. Sie erhält eine Grundförderung vom Land Berlin und der Europäischen Kommission, muss aber 75 Prozent ihres Etats als Projektmittel einwerben. Nun ist Berlins „Mr. Europa“ 65 und übergibt die Leitung der Akademie bei einem Gartenfest an seine bisherige Stellvertreterin Andrea Despot. Er wird weiter für Europa werben: ab dem Jahreswechsel als geschäftsführender Vorstand der Deutschen Nationalstiftung.

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