Berlin : Fast wie im Märchen

Die 19-jährige Dari Maximova arbeitet als Model für die berühmtesten Designer der Welt. Dabei ist es erst knapp ein Jahr her, dass sie auf dem Weg zu H&M einer Talentsucherin aufgefallen war

Tanja Buntrock

Es klingt märchenhaft, wie Dari Maximova eines Tages Model wurde. Vor über einem Jahr lief sie die Friedrichstraße entlang. Daris Klamotten waren klatschnass, weil ein Schauer sie überrascht hatte. Auf dem Weg zu H&M hört sie plötzlich eine Frauenstimme: „Halt, stehen bleiben!“ Dari drehte sich verblüfft um, und da gab sich die Ruferin schon als Talentsucherin zu erkennen. „Die Agentin gab mir ihre Visitenkarte und eine Woche später war ich Model“, sagt die 19-Jährige. Und nicht nur irgendeines: Vor wenigen Monaten hat sie den renommierten Modelwettbewerb der New Yorker Agentur „Ford“ gewonnen: Unter 55 Frauen aus der ganzen Welt wurde sie zur Schönsten der Schönen gewählt. Einen 250 000-Dollar-Vertrag hat ihr das beschert. „Ford“ verpflichtet Models wie Lizzy Jagger, Stephanie Seymour oder Patricia Velasquez.

Dari sitzt im Friedrichshainer Café „Erdton“, indem sie sich an die Momente erinnert, der ihr Leben veränderten. Gleich nebenan im Hochhaus wohnt sie bei ihren Eltern. Früher saß sie oft hier mit ihren Schulfreunden. Aber seit sie Model ist, fehlt ihr die Zeit dazu. hat „Bei mir stapeln sich massenweise die Anfragen“, sagt die Frau, die Dari damals im Regen entdeckt und ihr eine Visitenkarte zugesteckt hatte. Fabienne Sauvant, 27, von der Berliner Modelagentur „Seeds“ und „seit vier Jahren im Geschäft“, hat die Beschützerrolle übernommen. Kein Interview, keine Reise, keine Terminabsprachen ohne sie. „Es ist jetzt ganz wichtig, dass sich Dari auf das Wesentliche konzentriert. Alles, was Stress bedeutet, versuche ich von ihr fern zu halten“, sagt die Agentin und steckt ganz wie selbstverständlich die Visitenkarte ein, die der Fotograf eigentlich Dari zugedacht hatte.

Vor allem gehöre auch zu ihren Aufgaben, darüber zu wachen, dass die Jungmodels den Schulabschluss machten. Während der schriftlichen Abiturpüfungen hatte Fabienne alle Termine für Dari gestrichen. „Die Schule geht vor, ganz klar“, beteuert die Agentin. Zudem trifft sie sich regelmäßig mit Daris Eltern. Sie sind aus Bulgarien nach Ost-Berlin gekommen, als die Tochter zwei Jahre alt war. Der Vater arbeitet als Diplomingenieur, die Mutter ist Hausfrau.

Dari Maximova ist in eine völlig neue Welt eingetaucht: Ständig reist sie zu Castings. In New York verbrachte sie sogar drei Wochen, um andere Agenturen kennen zu lernen. „Es ist schon gut, wenn jemand dabei ist, da fühlen sich auch die Eltern beruhigter“, sagt Fabienne Sauvant und ergänzt: „In New York war ständig Party“, überall seien „Go-and-Sees“, wie die Agentin die Kennlern-Termine nennt, gewesen. Da hab’ ich dann auf den Tisch gehauen, und gesagt, dass sie jetzt mal schlafen muss.“ Dari nickt. „Wenn du nicht da gewesen wärst, ich wäre durchgedreht.“ Massenhaft sei sie von den Kameraleuten und der Presse belagert worden, besonders nachdem sie, das Jung-Talent, gleich für den Modedesigner Ralph Lauren gelaufen ist. „Und Dari konnte von Anfang an laufen“, ergänzt die Agentin. Laufen, das bedeutet in der Branche sich mit den Designerkleidern auf dem Laufsteg, dem Catwalk, zu bewegen. Graziös, elegant, wie eine Tänzerin, nicht wie ein Trampel.

Genau das sei es gewesen, was Fabienne damals in sekundenschnelle an Dari aufgefallen ist: Die Grazie, die Ausstrahlung. „Schöne Mädchen gibt es viele, aber es braucht noch etwas Besonderes, das kann Intelligenz sein oder Humor“, erklärt die Agentin, auch wenn es altbekannt klingt. All das vereine Dari – ein Glücksgriff. Dabei tue sie gar nicht viel für ihr Aussehen – sagt Dari jedenfalls über sich selbst: Salat verschmähe sie, dafür gönnt sie sich ab und zu eine Pizza, gehe je nach Laune ins Fitness-Center und trinke viel Wasser. Und den schönen, festen Bauch, den habe sie nicht etwa von täglichen Sit-ups, sondern vom vielen Lachen. Diese Unbeschwertheit würde sie gern behalten jetzt, wo der Stress sofort weiter geht.

Die Kunden, die Dari kennen lernen wollten, stehen Schlange, sagt die Agentin stolz. Erst kürzlich hat sie einen Werbespot für Gesichtscreme abgedreht. Ab April wird dann die Szene aus der Mädchen-WG ausgestrahlt. Gestern sind die Aufnahmen für einen Eiscreme-Spot zu Ende gegangen. Auf der thailändischen Trauminsel Ko Samui durfte Dari unter Palmen Eis schlecken.

Aber durch den Vertrag bei „Ford“ wird sie die nächsten drei Jahre für die berühmtesten Agenturen arbeiten: London, Mailand, Paris, New York – welches Jungtalent träumt nicht davon. Doch eigentlich bedeutet das vor allem viel Zeit im Flugzeug, beim Schminken und beim Warten auf die Shows zu verbringen. Das zumindest sei Dari bewusst.

Irgendwann, sagt Dari, wünscht sie sich eine feste Beziehung, einen Partner, der immer für sie da ist, an dessen Schulter sie sich lehnen kann. „Das ist schwierig in diesem Job“, gibt auch die Agentin zu. Da wirkt auch Dari nicht mehr ganz so unbeschwert.

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