Fastfood : Am Ku’damm war McDonald's nicht willkommen

Vor 25 Jahren wurde in Charlottenburg die erste Berliner McDonald’s-Filiale eröffnet Es gab viel Wirbel - wie jüngst in Kreuzberg. Aber er währte nur kurz.

Christian van Lessen
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McDonald's am Hardenbergplatz. Die Eröffnung vor 25 Jahren war eine Attraktion. -Foto: Ullstein

Hossam Hamouda geht durch den Laden und sieht nach dem Rechten. Das Gericht „Hüttengaudi“ läuft gut, mit Almburgern und Big Rösti. Der Laden ist voll junger Leute. Keiner von ihnen ahnt, dass hier ein Jubiläum ansteht. Ob es gefeiert wird, das weiß Hossam Hamouda nicht. Er findest die Idee gut, aber darüber muss noch bei der „Restaurantleiterkonferenz“ gesprochen werden. Es geht um seine Filiale, für die er seit 15 Jahren Geschäftsführer ist und die sozusagen richtungsweisend für die Stadt war.Viel Zeit zum Überlegen ist nicht mehr. Am 1. März wird McDonald’s am Hardenberplatz 25 Jahre alt – die damals erste Filiale der bekannten Burgerkette in Berlin.

Groß war der öffentliche Wirbel, als sich gegenüber vom Bahnhof Zoo die amerikanische Marke einführte. Die Aufregung war fast so heftig wie im letzten September, als die erste Kreuzberger Filiale an der Wrangelstraße eröffnet wurde. Da ging es nicht nur um ein Stück US-Kapitalismus im alternativen Kreuzberg, sondern auch um vermeintlich ungesunde Ernährung in der Nachbarschaft einer Schule. Die Aufregung ebbte aber schnell ab und heute gehört das gut besuchte Schnellrestaurant schon fast zum Kreuzberger Stadtbild.

Vor 25 Jahren galt die Eröffnung einer Hamburger-Filiale noch als Attraktion, war aber auch in Berlin längst keine wirkliche Neuigkeit mehr. In München hatte McDonald’s 1971 seine erste deutsche Filiale eröffnet, für Berlin schienen die Transportwege für die Brötchen und Fleisch zu lang. Hier punktete Konkurrent Burger-King, der die Marktlücke rund acht Jahre früher entdeckt und seine erste Filiale am Kurfürstendamm Ecke Meinekestraße eröffnet hatte. Sie ebnete den Weg für weitere Expansionspläne, rief auch Mc Donald’s auf den Plan. Das Bezirksamt Charlottenburg schlug Alarm, fürchtete um den Kurfürstendamm. Es befand, so genannte Schankveranden, Schnellrestaurants und Sexshops gehörten nicht auf den Ku’damm. Die City-Kommission des Senats forderte, „amerikanische Esskultur“ auf dem Boulevard zu verhindern, sprach von „Bouletten-Niederlassungen“. Doch die Behörden konnten den Lauf moderner Essgewohnheiten nicht aufhalten. Der erste Berliner McDonald’s bot vergleichsweise bescheidene Hamburgers, Schweinehackstücke, Fischbrötchen, Pommes und Apfeltaschen an, die Brötchen kamen noch aus Westdeutschland. Der Burger, heute 3,10 Euro teuer, kostete 2,70 D-Mark, wie sich Hossam Hamouda erinnert. Die Filiale war nur im Erdgeschoss des Hauses untergebracht, das noch als „DOB-Hochhaus“ firmierte, weil hier einst etliche Firmen „Damenoberbekleidung“ residierten. Die Modeleute störten sich nicht an der Braterei .

Im ersten Stock des Hochhauses aber hatte McDonald’s seine Küche untergebracht, was zu Konflikten mit dem damaligen Café Huthmacher führte. Das hatte seine Räume in unmittelbarer Nachbarschaft, so dass die Schwarzwälder Kirschtorte zuweilen notgedrungen in einem Geruchsmantel aus Bratfett serviert werden musste, was viele Kunden verschreckte. Das traditionsreiche Huthmacher gibt es längst nicht mehr, nach einem Umbau vor gut zehn Jahren hat McDonald’s auch den ersten Stock belegt und bedient täglich bis zu 3000 Gäste. Damals, bei der Gründung, hatte man sich täglich 2000 erhofft. Das Frühstücksgeschäft ist aber zurückgegangen, seit im Bahnhof Zoo kein Fernverkehr mehr hält, sagt der Geschäftsführer.

Dem Filial-Vorreiter von einst sind inzwischen fast ein halbes Hundert weitere Restaurants in Berlin gefolgt, das Kreuzberger wirkt geradezu edel und profitiert von seinem Café- und Lounge-Charakter. Die Aktion „zwei Big Mac zum Preis von einem“ ist hier gerade der Renner. Die Kunden erhalten einen Stapel Gutscheine, die sie gleich beim Kauf an der Kasse einlösen können. An Proteste gegen die Filiale erinnert nichts mehr.

Das Restaurant am Hardenbergplatz, der Pionier von allen Filialen, ist seit Anfang des Jahres nicht einem Pächter, sondern direkt der „Company“ unterstellt, was den Wert in der Hamburger-Hierarchie nur noch zu unterstreichen scheint.

Damals, als die Filiale eröffnet wurde, arbeiteten hier noch rund 100 Leute in der Küche und hinterm Verkaufstresen, jetzt sind es rund 60. Von den Altgedienten hätten zwei das Jubiläum fast noch miterlebt. Aber sie haben letztes Jahr aufgehört, sind in Rente gegangen.

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