Flüchtlinge kämpfen gegen Residenzpflicht : Der Protest rollt weiter

Seit dem Herbst demonstrieren Flüchtlinge in Berlin für bessere Asylbedingungen. Jetzt sind sie mit dem Bus zu Heimen in ganz Deutschland aufgebrochen.

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Das Camp von oben. Auf dem Oranienplatz stehen die Zelte der Flüchtlingsaktivisten seit dem vergangenen Herbst. Sie haben auch eine leer stehende Schule besetzt.
Das Camp von oben. Auf dem Oranienplatz stehen die Zelte der Flüchtlingsaktivisten seit dem vergangenen Herbst. Sie haben auch...Foto: dpa

Im Flüchtlingscamp auf dem Oranienplatz herrscht Aufbruchstimmung am Dienstagmittag. Ein großes, etwas zerrissenes Zelt muss noch zusammengefaltet und verstaut werden. Dann kann es losgehen zur „Refugees Revolution Bus Tour“. In zwei Kleinbussen werden rund 15 Flüchtlinge und Unterstützer einen Monat lang zu 21 Asylbewerberheimen in ganz Deutschland fahren – von Halberstadt über Augsburg bis Bremen und Rostock. Die anderen Bewohner des Camps wollen 75 weitere Heime in Berlin und Umgebung besuchen: „Wir rufen Flüchtlinge auf, aus ihrer Isolation in den Lagern auszubrechen, sich uns anzuschließen“, sagt Patras Bwansi aus Uganda.

Bwansi und die anderen Aktivisten vom Oranienplatz sagen, dass Asylbewerber, die in Heimen untergebracht sind und der Residenzpflicht unterliegen, sich wie Häftlinge fühlten: Weil sie sich nur in einem kleinen Radius um die Heime herum bewegen dürfen, die meist in abgelegenen Gegenden oder Industriegebieten liegen - wo kein Kontakt zu Deutschen entstehen kann. Weil dort so viele Menschen auf engstem Raum zusammenleben, dass es oft zu Konflikten und Handgreiflichkeiten kommt. Weil sich dort Krankheiten schneller ausbreiten. Weil sie statt Geld Lebensmittelmarken bekommen, sich ihr Essen nicht aussuchen können. Weil sie meist nicht arbeiten und deutsch lernen dürfen.

Flüchtlingsproteste 2012: Hungerstreik in Berlin
Am 16. November sind einige Flüchtlinge, die vor dem Brandenburger Tor protestieren, erneut in Hungerstreik getreten.Weitere Bilder anzeigen
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15.12.2012 14:20Am 16. November sind einige Flüchtlinge, die vor dem Brandenburger Tor protestieren, erneut in Hungerstreik getreten.

„Seit einem Jahr kämpfen wir auf der Straße gegen Residenzpflicht und die Unterbringung in Heimen“, sagt Bwansis Mitstreiter Turgay Ulu. „Wir haben dabei verschiedene Modelle ausprobiert: den Flüchtlingsmarsch von Würzburg nach Berlin im Herbst und den Hungerstreik auf dem Pariser Platz im Winter. Jetzt rufen wir noch mehr Flüchtlinge auf, Widerstand zu leisten, in dem sie die Residenzpflicht brechen.“ Für den 8. und 23. März kündigen die Flüchtlinge weitere Demonstrationen an.

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