Güterbahnhof Berlin-Pankow : Möbelunternehmer baut Sozialwohnungen

In Berlin-Pankow soll ein neues Stadtviertel mit 750 Wohnungen und zwei Schulen entstehen. Bauherr ist der Chef der Möbelhauskette Höffner, Kurt Krieger. Der Senat hat mit ihm einen außergewöhnlichen Deal gemacht.

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Pankows neue Mitte. So soll der künftige Platz am S-Bahnhof Pankow aussehen.
Pankows neue Mitte. So soll der künftige Platz am S-Bahnhof Pankow aussehen.Foto: promo

Senat und Bezirk Pankow haben sich mit dem Möbelunternehmer Krieger auf einen Kompromiss zur Entwicklung des Güterbahnhofs Pankow geeinigt. Danach wird das 33 Hektar große Gelände mit 750 Wohnungen, einem Einkaufszentrum, zwei Möbelmärkten und zwei Schulen bebaut. Ein Drittel der Wohnungen soll zum Mietpreis von 5,50 Euro pro Quadratmeter angeboten werden, das ist für Neubauten ein sensationell niedriger Preis.

Die Einigung kam bei einem Gespräch zwischen dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit, Bausenator Michael Müller und Pankows Bezirksbürgermeister Matthias Köhne (alle SPD) zustande, sagte Müllers Sprecherin Daniela Augenstein dem Tagesspiegel. Nach Beendigung des Werkstattverfahrens zum Bauprojekt im Januar werde die mündliche Einigung in einem verbindlichen Schreiben festgezurrt. Kriegers Prestigeprojekt „Pankower Tor“ trat bisher auf der Stelle, weil die Verkehrserschließung und die Größe des Einkaufszentrums umstritten sind. Geplant ist eine Handelsfläche von 30 000 Quadratmetern, was dem Stadtentwicklungsplan Zentren widerspräche. Deswegen lehnte Müller Kriegers Pläne bislang ab. Offenbar gibt es in dieser Frage jetzt eine neue Haltung. „Pankow wächst stark“, sagte Augenstein. Das Bauprojekt habe eine „gesamtstädtische Bedeutung“ gewonnen.

Die große Freifläche zwischen den S-Bahnhöfen Pankow und Heinersdorf soll bebaut werden.
Die große Freifläche zwischen den S-Bahnhöfen Pankow und Heinersdorf soll bebaut werden.Foto: promo

Krieger will 400 Millionen Euro investieren und zwei Grundstücke für die Schulen zur Verfügung stellen, die vom Land gebaut werden. Platz für 1800 Kinder soll entstehen. Wichtigster Punkt in der Einigung mit Krieger ist der Wohnungsbau. Ein Drittel der neuen Wohnungen sollen für Haushalte mit geringem Einkommen errichtet werden, ein Drittel im „mittleren Preissegment“, also zwischen acht und zehn Euro, das letzte Drittel darf Krieger frei vermarkten. Ursprünglich waren auf dem Gelände gar keine Wohnungen vorgesehen.

„Das kostet mich 20 bis 25 Millionen Euro“, sagte Kurt Krieger dem Tagesspiegel. Er habe die günstigen Mietpreise spontan im Gespräch angeboten. „Ich bin ja kein Wohnungsbauspezialist.“ Krieger, der in Pankow lebt, gibt sich nun großzügig. „Ick wollt’ mir eh’ ein Denkmal setzen, also wat soll’s.“ Das Vorhaben Pankower Tor will der 65-jährige Unternehmer unbedingt realisieren, nachdem ein kleineres Projekt auf dem ehemaligen Güterbahnhof Grunewald am Widerstand des Bezirks gescheitert ist.

Pankows Stadtrat für Stadtentwicklung, Jens-Holger Kirchner (Grüne), ist nach wie vor skeptisch. „Das Einkaufszentrum wird so groß wie das Alexa. Das hat Auswirkungen für den ganzen Nordosten der Stadt.“ Der Kompromiss könnte vom Verwaltungsgericht gekippt werden, wenn konkurrierende Betreiber von Einkaufszentren dagegen klagen. Der Deal Sozialwohnungen gegen Handelsfläche habe den Geruch eines illegalen Kopplungsgeschäftes. "Das ist höchst problematisch."

Bezirksbürgermeister Matthias Köhne glaubt dagegen, dass nun schnell Baurecht auf dem ehemaligen Bahngelände geschaffen wird. "So dicht davor waren wir noch nie. Ich hoffe auf einen Spatenstich bis 2016". Pankow habe das Potenzial für ein weiteres Einkaufszentrum. Damit gebaut werden kann, muss zunächst das Abgeordnetenhaus den Flächennutzungsplan ändern. Anschließend stellt der Bezirk einen Bebauungsplan auf, den die BVV verabschieden muss. Parallel dazu werde mit Krieger ein städtebaulicher Vertrag geschlossen, der alle Einzelheiten des Kompromisses enthält, sagte Köhne.

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