Berlin : Hartwig Piepenbrock

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Wer es nicht besser weiß, der denkt an einen lebenslustigen, reiferen Herrn, den er schon mal für einen guten alten Cognac oder Jägermeister hat werben sehen. Weißes Haar, gütige Augen, Menjoubärtchen und eine bunte Krawatte. Das Jagen und sein Revier bei Rheinsberg liebt er sehr. Aber er hat sein reiches Leben lang auch anderes gejagt: Kunden zum Beispiel oder Kunst. Kunden brauchte der unternehmerische Handwerkersohn aus Osnabrück für die Firma, die sein Großvater schon 1913 gegründet hatte, für Fensterreinigung und Gerüstbau. Weil der Vater krank aus dem Krieg zurückkam, musste der Sohn schon nach der mittleren Reife „ran“. 80 Leute mussten da beschäftigt und geführt werden. Heute sind es 23500, mit denen seine Gruppe gut 360 Millionen Euro umsetzt.

„Es macht einfach Spaß, erfolgreich zu sein“, gesteht der geborene Unternehmer. Und außerdem habe er „schon relativ früh rechnen gelernt“, erst in der Dorfschule in Wetter bei Melle und dann im Ratsgymnasium. Frühe Erinnerungen an die Kriegs und Nachkriegszeit haben ihn auch geprägt. Vom Dorf aus haben sie Osnabrück im Bombenhagel brennen sehen. Unvergessen die Entbehrungen und Herausforderungen der Wiederaufbaujahre. Aber da waren auch die Gerüste der Firma Piepenbrock gefragt.

Ein guter Sportler war der Junge, aber mehr noch hat ihn schon in der Schule Kunst und Literatur interessiert. Dass er heute ein begeisterter Kunstsammler und Mäzen ist und 2002 Ehrendoktor der Universität der Künste (UdK) wurde, hat auch hier seine Wurzeln.

Berlin hat die Familie Piepenbrock erst relativ spät entdeckt, kurz vor der Wende 1989. Seine Frau, erzählt er schmunzelnd, hat er „1965 im Schweinestall entdeckt“, bei einer Besichtigung landwirtschaftlicher Gebäude mit dem Juniorenkreis der Industrie- und Handelskammer Osnabrück. Ein Jahr später war Hochzeit, und dann kamen im Zweijahresrhythmus die drei Kinder. Mit denen ist er, wenn der unaufhaltsame Aufstieg der Firma ihm dazu Zeit ließ, zum Fußball und zum Skifahren gegangen. Heute führen die zwei Söhne „unter der Aufsicht des Alten“ die beiden Sparten der expansiven Unternehmensgruppe. Der neue Standort in Berlin „mitten im Osten“ war ideal, um die Aktivitäten gleich nach der Wiedervereinigung auf die neuen Bundesländer auszudehnen. Die Stadt habe es übrigens besonders schwer. Als „Insel im Sozialismus“ sei sie gewohnt, am milliardenschweren Subventionstropf zu hängen. Energisch setzt er sich seit Jahren für eine Fusion von Berlin und Brandenburg ein. Das sei ein „längerfristiges Paket, da brauche es Druck von draußen“.

Zum Wohnen ist der Standort Berlin für ihn jetzt kaum zu überbieten. Die Villa Lem ist das repräsentative Zuhause für die Familie und für seine Kunstsammlung.

Heik Afheldt war Herausgeber des Tagesspiegel

Hartwig Piepenbrock ,

geboren 1937 in Osnabrück. Meister im Gebäudereiniger-Handwerk und Gesellschafter der Piepenbrock Unternehmensgruppe. Mäzen, Autor und Honorarprofessor.

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