Integration in Deutschland : Müller lobt Berlin in Montréal

Auf einer Konferenz in Kanada spricht der Regierende über Integration. Seine Bilanz fällt positiver aus, als die der Kritiker in Berlin.

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Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller Foto: Sergii Kharchenko/dpa
Berlins Regierender Bürgermeister Michael MüllerFoto: Sergii Kharchenko/dpa

Michael Müller scheint die Reise nach Kanada offenbar Mut gemacht zu haben. In Montréal sprach der Regierende Bürgermeister in den vergangenen Tagen mit Amtskollegen nord- und südamerikanischer Metropolen über die für viele drängendste Frage: Einwanderung.

„Wir müssen die Allianz zwischen den verschiedenen Beteiligten, den Kirchen, Gewerkschaften und Wirtschaftsverbänden, nutzen. Wir müssen eine klare und starke Botschaft senden: Wir freuen uns, die Einwanderer willkommen zu heißen“, sagte Müller – auch wenn bei der Integration gelte: „Das kann uns noch besser gelingen, wenn wir bisherige Erfolge miteinander teilen, so wie wir das heute tun.“

Zu viel geschwärmt?

Und der SPD-Mann schien in Montréal zu schwärmen: „Wir haben in Berlin einen Masterplan für die Integration Geflüchteter aufgestellt, in dem alle Ressorts meiner Landesregierung konkrete Aufgaben übernommen haben – von den hunderten Willkommensklassen, in die geflüchtete Kinder und Jugendliche integriert werden, um an unser Bildungssystem herangeführt zu werden, über den Bau tausender bezahlbarer Wohnungen für schon in Berlin lebende Menschen und für solche, die neu hinzugekommen sind, bis hin zu Maßnahmen der Sprachförderung, der Beratung und der Arbeitsmarktintegration.“

Zu Hause in Berlin sehen das einige kritischer – auch wenn sich die Opposition derzeit eher mit Blick auf den Flughafen Tegel mit dem Senat zankt. Aus vielen Betrieben ist zu hören, der Staat mache vielleicht doch zu wenig. „Integration heißt eben auch, die Flüchtlinge konsequent ausbilden“, sagt eine Betriebsrätin in einem großen Sozialunternehmen.

„Die allermeisten können bislang nicht mal entfernt auf dem deutschen Arbeitsmarkt mithalten.“ Auch in der SPD heißt es, es müsse sich erst zeigen, ob die Willkommensklassen tatsächlich so ein Erfolg sind, wie man in Montreal zu hören bekommen habe. Es sei noch nicht absehbar, wie hoch die Lernmotivation in den Klassen wirklich ist – und ob es bei den meisten Schülern für eine reguläre Klasse reicht.

Müller lobt „Arrivo“-Projekt in Kreuzberg

Kaum war Müller in Berlin gelandet, hatte zudem der Landesrechnungshof die Unterbringung unbegleiteter, minderjähriger Flüchtlinge durch die Jugendverwaltung kritisiert. Junge Menschen seien in Hostels und Gästehäusern ohne erforderliche Betriebserlaubnisse und mangelhafte sozialpädagogische Betreuung untergebracht worden: „Dies gefährdet die Integration und birgt die Gefahr erheblicher Folgekosten.“

Zu Recht, da sind sich in Politik, Sozialwesen und Flüchtlingsinitiativen viele einig, lobte Müller das mit der Handwerkskammer aufgebaute „Arrivo“-Projekt in Kreuzberg, in dem sich Flüchtlinge qualifizieren sollen. Von den insgesamt 1200 Männern und Frauen, die bislang teilgenommen haben, konnten 20 Prozent in eine reguläre Ausbildung, Anstellung oder Nachqualifizierung vermittelt werden – 180 haben nun Verträge in Handwerksbetrieben.

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