Integrationsprojekt : 32 neue Mütter für Neukölln

Der Neuköllner Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky begrüßte am Montag 32 angehende Stadtteilmütter. Das Projekt hat mittlerweile bundesweit Nachahmer gefunden und wurde mehrfach als herausragende Integrationsmaßnahme ausgezeichnet.

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Neuköllner Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky stolz inmitten der 32 neuen Stadtteilmütter.
Neuköllner Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky stolz inmitten der 32 neuen Stadtteilmütter.Foto: Sylvia Vogt

"Im Grunde ist jede von Ihnen eine Mutter Theresa, jedenfalls ein kleines bisschen", sagt der Neuköllner Bezirksbürgermeister und grinst sein Buschkowsky-Lächeln. Das Kompliment gilt den 32 angehenden Stadtteilmüttern, die Heinz Buschkowsky am Montag im Neuköllner Rathaus begrüßt und zu ihrer neuen Tätigkeit beglückwünscht.

Die Stadtteilmütter, das sind Frauen mit Migrationshintergrund, die andere Mütter und Familien in ihrem Kiez besuchen und mit ihnen über Kindererziehung sprechen, Informationen zum deutschen Schulsystem geben, über gesunde Ernährung reden oder bei der Kita-Anmeldung helfen können. Mit dieser unaufdringlichen Nachbarschaftshilfe können Familien erreicht werden, die sonst auf einen Besuch vom Jugendamt oder von Sozialarbeitern vielleicht eher skeptisch reagieren. Die Stadtteilmütter werden akzeptiert und ihr Erfolg spricht sich herum. 

"Ich hatte vor einem Jahr Besuch von einer Stadtteilmutter und war begeistert. Jetzt mache ich selbst die Ausbildung", sagt Hanadi Iraki. Die Mutter von fünf Kindern kommt aus Ägypten und lebt seit 15 Jahren in Deutschland. Die meisten angehenden Stadtteilmütter kommen aus der Türkei und arabischen Ländern, aber auch eine Frau aus Polen und eine Äthiopierin sind dabei. Viele wurden von Freundinnen oder Familienmitgliedern auf das Projekt aufmerksam gemacht.

Seit 2006 fördert der Bezirk das Projekt, das mittlerweile bundesweit Nachahmer gefunden hat und mehrfach als herausragende Integrationsmaßnahme ausgezeichnet wurde. Buschkowsky ist dementsprechend stolz. "Alle Beteiligten gewinnen, Sie selbst, die Familien, die Sie besuchen, und die Stadt", sagt er, bevor er den angehenden Stadtteilmüttern eine Urkunde und ein rotes T-Shirt mit dem Stadtteilmütterlogo überreicht.

Dass die Stadtteilmütter selbst profitieren, kann Mine Güccük nur bestätigen. Sie arbeitet von Anfang an in der Verwaltung des Projektes mit. "Die Frauen werden viel selbstbewusster ", sagt sie. Sie verbesserten ihre Deutschkenntnisse und hätten nach ihrer Tätigkeit als Stadtteilmutter gute Chancen auf dem ersten Arbeitsmarkt. Viele würden danach eine weitere Ausbildung machen oder beispielsweise eine Stelle als Erziehungshelferin finden.

Die angehenden Stadtteilmütter bekommen von Buschkowsky eine Urkunde und ein rotes T-Shirt.
Die angehenden Stadtteilmütter bekommen von Buschkowsky eine Urkunde und ein rotes T-Shirt.Foto: Sylvia Vogt

Sechs Monate dauert der Kurs, den die angehenden Stadtteilmütter absolvieren. Mitfinanziert wird er vom Jobcenter. Nach der Ausbildung besucht eine Stadtteilmutter jeweils zehn Mal eine Familie. Bei jedem Termin wird ein anderes Thema angesprochen und Informationsmaterial mitgebracht. Oft entwickeln sich aus den Besuchen Freundschaften, und die Hilfestellung geht über die offiziellen Besuche hinaus. "Manche Stadtteilmütter gehen dann mit zur Schule und helfen bei der Anmeldung oder bei Behördengängen", erzählt Güccuk.

255 Stadtteilmütter gibt es schon in Neukölln, rund 50 werden jedes Jahr neu ausgebildet. Über 4000 Familien in sozialen Brennpunkten in Nordneukölln und in der Gropiusstadt wurden bisher besucht. Und die Akzeptanz steigt, berichtet Güccük. "Mittlerweile rufen uns Kindertagesstätten und Grundschulen an, und fragen, ob wir zu bestimmten Familien eine Stadtteilmutter schicken können."

Dass das Projekt sinnvoll ist, kann auch Khadije Chahrour bestätigen, die jetzt die Ausbildung macht. Vieles wäre für sie einfacher gewesen, wenn sie damals, als ihr Sohn klein war, Hilfe und die richtigen Informationen gehabt hätte, sagt die Mutter eines 15-jährigen Sohnes. Jetzt freut sie sich, selbst Stadtteilmutter werden zu können: "Es ist so schön, anderen zu helfen".

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