• Internationale Start-Ups: Berliner Behörden schulen ihre Mitarbeiter in Fremdsprachen

Internationale Start-Ups : Berliner Behörden schulen ihre Mitarbeiter in Fremdsprachen

Schulungen für Mitarbeiter in Englisch sollen zukünftig den Gang zur Berliner Behörde erleichtern. Das Angebot für ausländische Investoren und Arbeitnehmer bringt Erleichterung – aber auch Probleme.

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Schwieriger Behördengang. Auch wenn in den Verwaltungen Deutsch die Amtssprache ist, haben viele Bezirke in ihren Wirtschaftsförderungsabteilungen Mitarbeiter, die mit internationalen Investoren Englisch sprechen können.
Schwieriger Behördengang. Auch wenn in den Verwaltungen Deutsch die Amtssprache ist, haben viele Bezirke in ihren...Foto: Doris Spiekermann-Klaas

„Die Amtssprache ist Deutsch.“ So steht es im Paragraphen 23 des Verwaltungsverfahrensgesetzes der Bundesrepublik. Oft, aber nicht immer kommen Investoren, die in den Berliner Bezirken einen Ansprechpartner suchen, auch auf Englisch zum Zuge.

Ertugrul Tolan stammt aus der Türkei und leitet die Wirtschaftsförderung im Bezirk Mitte. Englisch spricht er auch, allerdings nicht so gut wie seine Mitarbeiterin. Die hat der Bezirk im Rahmen eines EU-Projektes extra zum Sprachkurs nach Großbritannien geschickt. „Eine unserer Hauptaufgaben ist die Unterstützung der Investoren bei den Kontakten zu anderen Behörden“, sagt Tolan. So funktioniert sein Büro als „One Stop Agency“, als zentraler Ansprechpartner für alle bezirklichen Verwaltungsstellen. „Wir sind der Moderator, wenn es irgendwo hakt.“ Dann wird auch schon einmal an die Kollegen appelliert, ihren Ermessensspielraum auszuschöpfen.

Zu den ersten Bezirken, die die „One Stop Agency“ umgesetzt haben, gehörte Spandau. Die bisherigen Klienten hätten immer gut Deutsch gesprochen, sagt Mitarbeiterin Petra Hille. Ansonsten spreche man Englisch und eine Kollegin auch Französisch. Der Reinickendorfer Stadtrat Uwe Brockhausen sagt: „Alle Mitarbeiter unserer Wirtschaftsförderung sprechen Englisch, das gehört zu einer serviceorientierten Verwaltung.“

Investoren und Arbeitnehmer aus dem Ausland allerdings schildern teils andere Erfahrungen. Wie berichtet beklagen sie, auf Ämtern oft auf Unverständnis und bürokratische Hürden zu stoßen, weil sie (noch) nicht Deutsch sprechen. Unterstützungsangebote allerdings gebe es, heißt es beispielsweise bei Berlin Partner. „Wenn es nötig ist, gehe ich mit und übersetze“, sagt Antje Rabenalt. Sie ist Projektmanagerin im Talent Service von Berlin Partner und hilft Unternehmen, damit ihre neuen Mitarbeiter aus dem Ausland hier Fuß fassen können. Groupon, Zalando, Wooga – für viele Berliner Start- ups sei Berlin Partner schon aktiv gewesen. „Wir beraten, sortieren die Unterlagen und vermitteln die Kontakte“, sagt Rabenalt. So arbeite Berlin Partner eng mit der IHK zusammen und dem Arbeitgeberservice in Ausländerbehörde und Arbeitsagenturen.

Zuzügler aus dem Ausland hätten oft auch Schwierigkeiten, die gar nichts mit den Behörden zu tun haben, berichtet Rabenalt. Vielen Neuankömmlingen etwa sei nicht klar, dass die Anmeldung beim Stromversorger oder bei der Telefongesellschaft in Deutschland keine behördliche Angelegenheit sei. Andererseits seien den Berliner Behörden eben auch die Hände gebunden, wenn es zum Beispiel um Ausländerrecht gehe, über das an anderer Stelle entscheiden werde.

Die Berlin Partner stellen online zudem viele Informationen auch auf Englisch bereit: Wer ein Büro oder ein Grundstück sucht, kann die Website des „Business location center“ ansteuern, wo alle wichtigen Ansprechpartner und Informationen versammelt sind – in zehn Fremdsprachen, inklusive Polnisch, Chinesisch und Thailändisch.

„Berlin wird immer internationaler“, sagt IHK-Sprecher Leif Erichsen. Die Probleme seien also nicht so groß, dass Unternehmer und ausländische Fachkräfte sich entmutigen lassen würden. Für die IHK-Studie „Internationale Wirtschaft in Berlin“ verzeichnete die Kammer 38 659 ausländische Gewerbebetriebe aus 170 Ländern in der Stadt. Erichsen sagt aber auch, es gebe Handlungsbedarf in den Bezirksämtern in puncto Sprachkompetenz – und berichtet zudem: „Wenn ein investitionswilliger Unternehmer aus dem Ausland kommt, dann müssen wir ihm erst einmal die Bezirksstruktur erklären.“

Es sei nicht möglich, eine Verwaltung von heute auf morgen umzustellen, sagt Petra Diroll, Sprecherin von Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU). „Aber wir arbeiten daran.“ Zumal der Eindruck falsch sei, dass niemand in den Bezirksämtern Englisch spreche. Unter anderem hat das Land bereits den Einheitlichen Ansprechpartner eingerichtet, bei dem Ratsuchende sich auch auf Englisch helfen lassen können. Im ersten Quartal diesen Jahres habe es bereits 700 Kontakte an das Team gegeben, sagt Diroll. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres habe die Gesamtfallzahl nur 80 betragen.

Senatssprecher Richard Meng betonte, dass Berlin eine Willkommenskultur für Unternehmer pflege. Dazu gehörten auch englisch sprechende Verwaltungsmitarbeiter. „Es gibt die Sprachkompetenz im Publikumsverkehr. Da sind wir ein Stück vorangekommen und auf dem richtigen Weg“, sagte Meng.

Die landeseigene Förderbank IBB bietet eine „Förderfibel“ online auch auf Englisch an. Sprecher Jens Holtkamp weist darauf hin, dass beim Googlen der Stichworte Business und Berlin die Berliner Infoportale zuoberst zu finden sind. Beratungsgespräche mit leitenden Startup- Mitarbeiter aus dem Ausland würden selbstverständlich auf Englisch geführt.

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