Willi Weitzel : Mein Held

„Wi…wi…wi-wi-Willi, Willi wills wissen..." Unsere Autorin hat sich mit ihrem Kindheitshelden über seine neue Vortragsreihe und seinen ursprünglichen Berufswunsch unterhalten. Dabei sollte ihre Lieblingssendung eigentlich anders heißen.

Antonia Bretschkow, 15
Willi Weitzel, bekannt aus der Kinderserie "Willi wills wissen" ist mittlerweile 42 Jahre alt. Aufhören möchte er dennoch nicht.
Willi Weitzel, bekannt aus der Kinderserie "Willi wills wissen" ist mittlerweile 42 Jahre alt. Aufhören möchte er dennoch nicht.Foto: promo/ Megaherz

Eigentlich sollte die Sendung „Helmar wills wissen“ heißen. Helmar? Ja, so lautet der erste Name meines Kindheitshelden: Willi Weitzel, genauer Helmar Rudolf Willi Weitzel, bekannt aus der Serie „Willi will’s wissen“. Kommt schon, den kennt ihr: „Wi…wi…wi-wi-Willi, Willi wills wissen..."! Heute werden zwar keine Folgen mehr produziert, dafür erzählt der 42-Jährige dieses Jahr in der Vortragsserie „Willis Wilde Wege“ von seinen Abenteuern.

Doch wie sah eigentlich Willi Weitzels eigene Kindheit aus? Ohne seine Wissenssendung muss das doch ziemlich trostlos gewesen sein. Wer beantwortete ihm denn die ganzen Fragen: Wie löscht die Feuerwehr, wo kommt die Kohle her? „Eigentlich habe ich Fernsehen genauso geschaut wie alle anderen: „Wickie“, „1,2 oder 3“ und vor allem die Sesamstraße habe ich geliebt!“, erzählt Weitzel. Doch ein späterer Weltentdecker verbringt seine Kindheit nicht vor der Röhre! „Mit meiner großen Schwester Ingrid war ich im Kinderchor und im Leichtathletikverein, nie Erster, nie Letzter, ein paar Mal Vorletzter“.

Auch als er älter wurde, saß er immer am Kindertisch

Die Überlegung, später selbst einmal vor der Kamera zu stehen, erschien damals noch genauso abwegig wie zu Fuß von München nach Venedig zu wandern. Sein ursprünglicher Traum war, mal den Supermarkt der Eltern zu übernehmen. „Es stellte sich jedoch heraus, dass mein Bruder Manuel ein viel besserer Geschäftsmann ist“, sagt er. „Mit Willi wills wissen konnte ich dann quasi doch alle Traumberufe mal ausprobieren“.

Erstmal ging es jedoch nicht auf einen Bagger, sondern in die Schule, und nach dem Abitur in einer hessischen Kleinstadt in Richtung Studium. Während der Studienzeit hospitierte er bei verschiedenen Zeitungen und Radiosendern. Er fand heraus, dass es etwas gibt, das ihm mehr Spaß macht als die ständige Paukerei: Medien für Kinder. Sein Talent, mit Kindern umgehen zu können, zeigte sich darin, dass es bei Familienfeiern immer einen Erwachsenentisch und einen mit Willi und den Kindern gab.

Willi in Australien.
Willi in Australien.Foto: promo/ Megaherz

Eigentlich war ja der Plan, ein cooler Morningshow-Man im Radio zu werden. „Nachdem ich überall herumerzählt hatte, dass ich zum Fernsehen wollte, meinten viele, dass ich dazu erstmal ordentliche Fotos benötigte. Und ein Handy, um immer erreichbar zu sein.“ Willi also los, sein erstes Handy besorgt und im Studio einen Fototermin gemacht. „Zum Fototermin machte ich mein Handy aus, um drei Stunden ungestört fotografiert werden zu können.“ Nach drei Stunden hatte er die erste Mailboxnachricht seines Lebens erhalten, von einer Sekretärin des Kinderfunks. Mit hoher und aufgeregter Stimme spielt mir Willi die Sekretärin vor: „Die vom Fernsehen haben angerufen, sie suchen jemanden fürs Kinderprogramm, und ich glaub das bist du! Ach ja, und sie brauchen Fotos!“. Willi lacht.


Jedes Weihnachten freut er sich auf ein cooles Spiel

Es sollte eine Reportagereihe gedreht werden. Helmar Rudolf Willi Weitzel saß nun also in der Produktionsfirma mit seinen Kollegen an einem ovalen Tisch und beratschlagte mit ihnen über den Namen der Sendung. „Das ist ein Typ, der will was wissen und ist für Kinder unterwegs. Helmar will’s wissen nennen wir das! So stand das dann auch erstmal fest, bis ein Kollege bemerkte, wie cool der Titel doch klänge, würde ich Willi heißen.“ Ab dem Zeitpunkt war Willi neun Jahre lang als Reporter für den Kinderkanal unterwegs. Er erkundete Island, fuhr U-Boot, stellte Geld her – die unbeantworteten Fragen nahmen kein Ende. 180 Folgen „Willi wills wissen“ sind entstanden.

Mit einem Esel ist Willi von Nazareth nach Bethlehem gewandert.
Mit einem Esel ist Willi von Nazareth nach Bethlehem gewandert.Foto: promo/ Megaherz

Wie kommt es, dass ein erwachsener Mann Kinder so erfreuen kann? „Vielleicht liegt das am Kindchenschema, das irgendwie in meinem Gesicht steht“, lacht er. „Auch wenn ich äußerlich immer älter werde und zu Hause auch Vater und Ehemann bin, kann ich mich nie so ganz mit dem Erwachsenwerden anfreunden“. Das Kind in ihm freut sich jedes Weihnachten auf ein cooles Spiel. Ich kann mir vorstellen, wie Willis Augen leuchteten, als er das Miniaturbasketballfeld auspackte, das letztes Weihnachten unter dem Baum lag.


Ich gehöre nicht zur Zielgruppe - und gehe trotzdem hin

2009 dann erstmal die letzte Folge von „Willi wills wissen“. Noch im selben Jahr überquerte er alleine die Alpen und marschierte innerhalb von vier Wochen von München nach Venedig – einfach, um das mal erlebt zu haben. Für die Sternsinger begab er sich in ein Flüchtlingslager in Malawi, reiste in ärmste Regionen der Philippinen und nach Tansania. „Von diesen Reisen kehrt man verändert zurück und ist unendlich dankbar für das Leben, das wir hier in der westlichen Welt führen dürfen.“ Die Reisen waren auch ausschlaggebend für das Projekt „Willi will helfen“, für das er im vergangenen Jahr gemeinsam mit seinem Bruder Manuel 4000 Kilometer in einem Lkw zurücklegte, um Hilfsgüter an die syrische Grenze zu bringen.

Seit 2013 tourt er mit der Vortragsshow „Willis Wilde Wege“ durch Deutschland.

Auf der Bühne berichtet er von seinen Abenteuern, zum Beispiel seiner Reise von Nazareth nach Bethlehem, die nicht unbedingt so idyllisch und märchenhaft war, wie man sie sich vielleicht vorstellt. „Mein Esel und ich wurden teils mit Steinen beworfen oder von Männern mit Maschinengewehren eingekreist. Ich habe mir dann einfach gedacht: Schön lächeln und weitergehen“. Die Worte eines unverbesserlichen Optimisten.

Im Trailer für Willis Wilde Wege strahlt ein kleiner Junge in die Kamera: „Ich bin 9 Jahre alt und es war super, alle meine Freunde wollen hier auch hin!“. Ich bin fast doppelt so alt. Und ich werde trotzdem hingehen.

Sonntag, 22.3., 15 Uhr, Admiralspalast Studio. Karten ab 13,80 Euro (ausverkauft)

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