Juniorwahlen in Berlin : Jugendliche simulieren Bundestagswahl

Einmal selber Kreuze auf den Wahlschein setzen und diesen in die Wahlurne stecken - für 500.000 Schüler wird das bundesweit während der simulierten Juniorwahlen in der Woche vor der Bundestagswahl zur Realität. Das Galileo-Gymnasium ist eine der Berliner Schulen, die mitmachen.

Kristina Wollseifen
Die Schüler des Galileo-Gymnasiums haben vom Juniorwahlen-Team eine Wahlbenachrichtigung im Großformat erhalten.
Die Schüler des Galileo-Gymnasiums haben vom Juniorwahlen-Team eine Wahlbenachrichtigung im Großformat erhalten.Foto: Kristina Wollseifen

Mancherorts wird dieses Jahr die Bundestagswahl vorgezogen. Die Schüler des Berliner Galileo-Gymnasiums wählen so zum Beispiel am Mittwoch vor dem offiziellen Wahlsonntag ihre Wunschpartei. Die Wahlen sind natürlich nur simuliert – aber die so genannten Juniorwahlen geben Jugendlichen ab der Jahrgangsstufe sieben eine Möglichkeit, trotzdem mit zu wählen. „Das ist wichtig für die demokratische Erziehung“, sagt Katja Gerstenmaier, Leiterin des Galileo-Gymnasiums. „Die Jugendlichen müssen in ihrer Meinungs- und Interessenbildung begleitet werden.“

Alle 40 Schüler der Schule, an der es momentan nur die Klassen sieben bis zehn gibt, nehmen an dem größten deutschen Schulprojekt gegen Politikverdrossenheit teil. Es wird vom Bundesfamilienministerium und den Ländern gefördert. Nun hat das Juniorwahl-Team dem Galileo-Gymnasium als Dank für ihr Interesse und Engagement eine Wahlbenachrichtigung im Großformat überreicht. Es ist nämlich die 2222. Schule, die sich angemeldet hatte.

„Ich finde es gut, dass wir auch schon mal wählen dürfen“

In der letzten Zeit haben die Schüler des Galileo-Gymnasiums im Unterricht die Theorie zur Bundestagswahl gelernt: Wie ist der Bundestag aufgebaut, wie läuft die Wahl eigentlich ab? Schon bald dürfen sie es selber ausprobieren, wenn am Mittwoch vor der Bundestagswahl in der kleinen Cafeteria der Schule die Wahlkabinen und Wahlurnen aufgebaut werden. Im Galileo-Gymnasium wird originalgetreu mit Papier und nicht online gewählt. Wer dann am Wahltag seine Wahlbenachrichtigung den zuvor gewählten Wahlhelfern zeigt, darf seine Kreuze setzen. Dabei wird nicht irgendwer gewählt – die Stimmzettel entsprechen immer dem Wahlkreis, in dem die jeweilige Schule liegt. Die Wahlergebnisse werden dann am Wahlsonntag, 22. September, auf der Internetseite des Projekts veröffentlicht. „Ich finde es gut, dass wir auch schon mal wählen dürfen. Auch wenn wir noch keine 18 sind“, sagt der 12-jährige Finn, der die siebte Klasse des Galileo-Gymnasiums besucht.

Damit ist er nicht allein - insgesamt werden 500.000 Jugendliche an der Juniorwahl teilnehmen. Sie kommen von den 2264 weiterführenden Schulen, die sich zu dem Projekt angemeldet haben. Darunter sind auch 49 deutschsprachige Schulen im Ausland. In Berlin sind 89 Schulen angemeldet, Niedersachsen liegt mit 440 angemeldeten Schulen an der Spitze. Die Aktion findet seit 1999 bundesweit zu allen Europa-, Bundestags- und Landtagswahlen statt. Momentan sucht das Juniorwahlen-Team nach Aktionären, die bereit sind, das Projekt pro Schule mit 250 Euro zu unterstützen. Denn durch die Rekordbeteiligung sind die Fördermittel bereits aufgebraucht.

 

 

 

 

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