Kinder aus Migrantenfamilien : Besseres Deutsch durch längere Kita-Zeiten

Die neue Untersuchung des Senats zeigt: Kinder aus Migrantenfamilien lernen leichter Deutsch, wenn sie nicht nur zu Hause erzogen wurden. Und auch für Kinder aus deutschen Familien bringen Kitas vor allem Vorteile.

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Balance, bitte! Wie fit Kinder in puncto Motorik sind, entscheidet mit über die Schulreife. Foto: Thilo Rückeis
Balance, bitte! Wie fit Kinder in puncto Motorik sind, entscheidet mit über die Schulreife. Foto: Thilo Rückeis

Ob zeichnen, bewegen oder sprechen: Je länger Kinder in eine Kita gehen, desto besser fallen die Untersuchungen vor der Einschulung aus. Das geht aus Zahlen der Senatsgesundheitsverwaltung zu den ärztlichen Einschulungsuntersuchungen für 2012 hervor, die nun ausgewertet wurden. Der Effekt dürfte bekannt sein, immer mehr Eltern melden ihre Kinder in Kindertagesstätten an. Von den mehr als 28000 untersuchten Mädchen und Jungen, die 2012 in Berlin eingeschult worden waren, hatten 89 Prozent länger als zwei Jahre eine Kita besucht – das sind etwas mehr als in den Vorjahren. Die Entwicklung dürfte wegen des ab August erweiterten Rechtsanspruches auf Kita-Plätze zunehmen. Kindertagesstätten seien der „erfolgreichste Weg“, die Chancen von Kindern aus Einwandererfamilien und sozio-ökonomisch schwächeren Elternhäusern zu erhöhen, sagte Sozialsenator Mario Czaja (CDU). Dieser Trend müsse gestärkt werden. Vor allem Kindern mit Migrationshintergrund helfe der Besuch einer Kita beim Lernen der Sprache. Von den Mädchen und Jungen aus Einwandererfamilien, die vor der Einschulung gar nicht – oder nur weniger als sechs Monate – in eine Kita gegangen sind, konnten höchstens drei Prozent sehr gut Deutsch. Demgegenüber sprechen 75 Prozent der Einwandererkinder, die länger als zwei Jahre in die Kita gehen, zur Einschulung schon gut oder sehr gut Deutsch. 2005 lag dieser Wert bei gerade 55 Prozent. Im Jahr 2005 fanden die Untersuchungen erstmals auf methodisch vergleichbarer Basis statt, weshalb Czaja sie am Montag zum Vergleich heranzogen hat. Generell nimmt der Anteil der Kinder aus Einwandererfamilien in den Schulen der Stadt zu: Bei den Erstklässlern liegt er derzeit bei 39,2 Prozent, 2005 waren es gerade 30 Prozent. Zu dem Zuwachs dürften viele Familien aus Bulgarien, Rumänien und Polen beigetragen haben. Aus Osteuropa kommen inzwischen zwölf Prozent der 2012 eingeschulten Kinder, 11 Prozent haben türkische, sechs Prozent arabische Wurzeln. Dennoch gibt es deutliche Unterschiede zwischen Kindern aus Einwandererfamilien und deutschen Elternhäusern, aber auch zwischen sozial schwachen Familien und denen aus der Mittel- und Oberschicht. Verglichen mit Schülern deutscher Herkunft besuchten Kinder aus Migrantenfamilien 2012 seltener und kürzer eine Kita. Während 94 Prozent der Kinder aus deutschen Familien länger als zwei Jahre in einer Kita waren, waren es nur rund 80 Prozent der Einwandererkinder und gerade 77 Prozent der Kinder der weniger gut gebildeten und oft erwerbslosen Deutschen. Letztere und Migrantenkinder haben wohl auch deshalb häufiger Übergewicht als Kinder aus der Ober- und Mittelschicht. In beiden Gruppen haben zudem rund 15 Prozent motorische Schwierigkeiten. Ober- und Mittelschichtskinder sind nur halb so oft betroffen. Bei der Auge-Hand-Koordination, also dem Nachzeichnen von Figuren, hatten sogar 30 Prozent der Jungen und Mädchen aus der unteren Statusgruppe auffallend Schwierigkeiten. In vielen Kiezen konzentrieren sich Einwanderer und Elternhäuser mit niedrigem Einkommen und weniger Bildungsabschlüssen. Dazu zählen den Sozialdaten der Senatsverwaltung zufolge etwa Wedding und Neukölln. Meinungsseite

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