Klaus Wowereit und der Rücktritt : Wowereit bleibt BER bis Dezember erhalten

Klaus Wowereit will sein Amt als Aufsichtsratschef des Flughafens BER nicht vorzeitig aufgeben. Das hatte die CDU gefordert. Was sich sonst am Tag nach der Rücktrittsankündigung getan hat, haben wir in unserem Nachrichten-Ticker für Sie zusammengefasst.

von , und
Im Schatten des Monsters. Seine größte Niederlage hat Klaus Wowereit die Baustelle des Großflughafens genannt. Für die nicht enden wollende Pannenserie musste er sich mit BER-Chef Hartmut Mehdorn etliche Male rechtfertigen.
Im Schatten des Monsters. Seine größte Niederlage hat Klaus Wowereit die Baustelle des Großflughafens genannt. Für die nicht enden...Foto: Imago

22:00 Uhr: Tag 1 nach dem angekündigten Rücktritt von Klaus Wowereit als Regierender Bürgermeister brachte neue Erkenntnisse, aber warf auch viele Fragen auf. Die Ereignisse können Sie in unserem Live-Blog noch einmal nachlesen. Für heute sagen wir gute Nacht!

21.25 Uhr: Im Olympiastadion rief am Mittwochabend ein möglicher Wechsel von Klaus Wowereit auf den Posten eines Olympia-Managers nur wenig Begeisterung hervor, berichtet Tagesspiegel-Kollege Benedikt Voigt. Ein Sportfunktionär vertrat gar die Ansicht, dass sein Rücktritt der Olympiabewerbung der Berliner nur guttun könne. Olympiastadion-Geschäftsführer Joachim E. Thomas wollte sich nicht zu dieser Personalie äußern. Es gehe jetzt erst um die Sache und nicht um Personen, sagte er.

19:45 Uhr: Berliner finden Wowereit-Rücktritt richtig

Im Berlin-Trend der RBB-Abendschau gaben 70 Prozent der Befragten an, dass sie den Rücktritt von Klaus Wowereit richtig finden. Demnach trauern nur 18 Prozent dem Regierenden Bürgermeister nach und hätten ihn gern über Dezember hinaus im Amt gesehen. Die möglichen Nachfolger Jan Stöß und Raed Saleh haben bei den Berlinern noch einen schweren Stand. Nur 23 Prozent würden ihre Stimme dem SPD-Landeschef geben und gar nur elf Fraktionschef. Sogar die Anhänger der SPD (29 bzw. 14 Prozent) hätten lieber noch eine dritte Wahl. Beim Thema Neuwahlen hingegen sind die Befragten uneins. 47 Prozent wären dafür, 46 Prozent dagegen. Alle Daten vom Berlin-Trend finden Sie hier bei den Kollegen vom RBB.

17:50 Uhr: Senatssprecher weist Spekulationen über vorzeitigen Abschied Wowereits aus BER-Aufsichtsrat zurück

CDU-Fachpolitiker hatten gleich am Tag nach Wowereits Rücktrittsankündigung gefordert, er solle auch sein Amt als Vorsitzender des BER-Aufsichtsrates sofort abgeben. Doch den Gefallen wird Wowereit der CDU nicht tun. "Er bleibt bis Dezember", sagte Senatssprecher Richard Meng am Mittwoch. Spekulationen, er könne früher aufhören seien "Quatsch". "Er hat als Regierender Bürgermeister das Amt übernommen und solange er Regierender Bürgermeister ist, wird er dort die Weichen stellen."

17:10 Uhr: Nußbaum und Högl wollen unterschiedliche Wowereit-Nachfolger
In der Berliner SPD gibt es Bedenken, ob durch das Mitgliedervotum über Klaus Wowereits Nachfolger „eine Instabilität entstehen kann“. Das sagte Landesparteichef Jan Stöß am Mittwoch nach den Sitzungen von Fraktion und Landesvorstand. Dies werde ernst genommen, das Verfahren solle aber nun umgesetzt werden - zügig und zugleich ohne Hast, wie Stöß sagte. Fraktionschef Saleh erläuterte, in der Sitzung sei offen und ehrlich über den Umgang der Partei mit Wowereit diskutiert worden. „Da gab es berechtigte Kritik. Viele haben kein Verständnis gehabt, wie man den Regierenden Bürgermeister öffentlich so kritisieren konnte“, sagte der 37-Jährige. Gewählt wird der Regierende Bürgermeister vom Berliner Abgeordnetenhaus. Ein Kandidat bedarf dort der Zustimmung des Koalitionspartners. Das SPD-Mitgliedervotum soll vor dem Landesparteitag am 8. November abgeschlossen sein. Zuvor sollen die Mitglieder Zeit bekommen, die Kandidaten besser kennenzulernen. Er selbst habe nach seiner Kandidatur über soziale Netzwerke viel Zuspruch bekommen, sagte Stöß. Als Regierender Bürgermeister wolle er sich dafür stark machen, dass das Wachstum Berlins bei allen Bürgern ankomme und Schwerpunkte auf Wohnungspolitik, gebührenfreie Bildung und Arbeitsplätze legen. Saleh betonte, sein Motto sei immer „Stabilität und Kontinuität“ gewesen. Er wolle an die erfolgreiche Arbeit Wowereits anknüpfen. Politische Schwerpunkte lägen bei Bildung, Schuldentilgung und einem Miteinander verschiedener Kulturen in Berlin. Saleh zeigte sich im RBB-Sender Radio eins erfreut über die Unterstützung durch Berlins Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos). Stöß bekam Rückendeckung von der Berliner SPD-Bundestagsabgeordneten Eva Högl.

14:43 Uhr: Wowereit wird persönlich
Im Laufe seiner fast 14 Amtsjahre als Regierender Bürgermeister hat Klaus Wowereit gelernt, nur selten Einblicke in sein Gefühlsleben zu geben. Umso interessanter sind einige Aussagen, die er am Mittwoch, einen Tag nach seinem angekündigten Rücktritt, im Interview mit dem Radiosender 104,6 RTL machte. Im Folgenden geben wir einige Passagen daraus wieder, wie sie die "B.Z." dokumentiert hat. Wie fühlt es sich am Tag nach der Verkündung seiner Entscheidung an? "Eigentlich wie an jedem Tag. Er fängt ja wieder früh an mit Interviews. (…) Aber gestern war schon ein besonderer Tag, das ist mir auch nicht leicht gefallen." Wann hat er sich entschieden? "Würde mal sagen am Montag. Ich bin ja auch ne Waage, die schwankt manchmal hin und her. Natürlich gab es auch immer wieder mal Situationen, wo man sagt, Mensch, das kannste doch nicht machen, da hängt viel dran. (..) Überlegungen hat es schon in der Sommerpause gegeben. Da guckt man mal, wann kann ein schöner Termin sein. Dann sind wir auf einmal Weltmeister geworden und die Fußball-Nationalmannschaft hat sich angesagt, nach Berlin zu kommen. Das hätte der Tag sein können, da war dann ja auch Senatssitzung, der ging auf einmal nicht mehr."

"Der beste Berlin-Botschafter" - Reaktionen auf Wowereits Rücktritt
Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit tritt im Dezember von seinem Amt zurück. In unserer Bildergalerie zeigen wir Reaktionen von Politikern und anderen Prominenten . „Ich bin über seinen Rücktritt schon etwas traurig. Er hat sehr viel für die Stadt Berlin getan, gerade auf dem kreativen Sektor", sagt Modedesigner Michael Michalsky. Es ist aber sehr mutig und bewundernswert von ihm, selbst zu gehen. Er war es, der Berlin international attraktiv und hip gemacht hat. Berlin ist jung, trendy, dynamisch und offen. Die coolste Stadt, die einfach anders ist, als andere Städte – diese Message hat er in die Welt getragen. Gerade für die Modebranche hat Klaus Wowereit viel bedeutet. Ohne ihn gäbe es keine Fashion Week. Er hat schon meine allererste Show im Roten Rathaus supported, bevor es überhaupt eine Fashion Week in Berlin gab. Er hat verstanden, dass Fashion, Musik und Kunst Hand in Hand gehen und eine kreative Atmosphäre schaffen. Das ist für Start-ups und junge Unternehmen sehr interessant und anziehend.“Weitere Bilder anzeigen
1 von 51Foto: Imago
27.08.2014 13:17Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit tritt im Dezember von seinem Amt zurück. In unserer Bildergalerie zeigen wir...

Mit wem hat er sich vorher abgestimmt? "Natürlich habe ich mit meinem Freund, dem Jörn, geredet. Ansonsten ist es leider so, man kann da wenig diskutieren, weil heute alles sofort rausgeht. Das ist insgesamt ein Problem der Politik, es gibt leider wenig Zeit zum Nachdenken. (…) Und wenn man nachdenkt über komplizierte Sachverhalte, wird alles schnell nach Außen getragen. (…) Das ist allgemein ein Problem der Politik, aber nicht nur in der Politik." Welche Rolle spielte der BER bei der Rücktritts-Entscheidung? "Das hat natürlich meine letzten Jahre besonders bestimmt seit der Verkündung des Nicht-Eröffnungstermins. Es gab soviel Häme, soviel Gülle natürlich hauptsächlich über meine Person, das ist schon schwer zu ertragen (…) Ist schon ein bisschen merkwürdig gewesen, aber so ist die Welt. (…) Uns hat die komplizierte Entrauchungsanlage einfach das Genick gebrochen. Das ist schwierig und mir tut es unendlich leid, dass wir das bis heute nicht in Griff bekommen haben. (…)" Wie fühlt man sich, wenn man nicht mehr der beliebteste Politiker ist? "Man will natürlich immer der Beliebteste sein, ist doch ganz klar. Macht ja auch keinen Spaß da ganz hinten. Auf der anderen Seite habe ich viele Jahre ganz vorne gestanden (…) Wenn man die Berliner fragt, sind sie denn zufrieden, dann sage ich mal, ich bin auch unzufrieden dass der Flughafen nicht fertig wird. Das kann man dann auch nachvollziehen. Wenn sich das dann auf eine Person konzentriert, na das ist dann eben so in einer Mediengesellschaft."

14:05 Uhr: Ein neuer Kandidat bringt sich ins Spiel
Unter den vielen launigen Kommentaren, die Klaus Wowereits am Dienstag angekündigter Rücktritt bei sozialen Netzwerken wie Twitter provoziert, sind die von Piraten-Politiker Christopher Lauer besonders unterhaltsam. "Die Vorberichterstattung zu Stöß und Saleh zeigt: Beide werden nur Übergangslösungen sein", schreibt er am Mittwochmorgen. Wenige Minuten später folgt der Kommentar: "Ich glaube Klaus Wowereit hat es als erster geschafft, noch im Amt zurück gewünscht zu werden." Dann fragt er kurz darauf ironisch bei Klaus Wowereits Partei an: "Liebe @spdde, dürfen nur SPD-Mitglieder kandidieren beim Mitgliederentscheid? Ich frage für eine ähem, Kandidatur ;)". Wenig später legt er nach: "Komm @spdberlin, blas den Mitgliederdriss ab, Twitter hat entschieden! Ich mach es!" Kurz darauf schreibt Lauer: "Schon mal üben: Liebe Genossinnen und Genossen, hallo München!!" Einen Tweet später schlägt der Piraten-Politiker vor: "Steinbrück könnt's tatsächlich machen. Aber den fragt wahrscheinlich niemand".

Und am Mittag schiebt er einen weiteren Kommentar nach: Wowereits Ankündigung ist ein arschzarter Move, um den Machtkampf in der SPD um seine Nachfolge zu eskalieren."

13:30 Uhr: Der CDU geht Wowereits Rücktritt nicht schnell genug
Einen Tag nach seinem angekündigten Rücktritt macht die CDU Druck auf Klaus Wowereit. Der Regierende Bürgermeister auf Abruf sollte aus Sicht der Bundes-Union den Aufsichtsratsvorsitz am neuen Hauptstadtflughafen sofort räumen. «Er sollte den Weg schnell für einen geeigneten Nachfolger freimachen», sagte der CDU-Verkehrspolitiker im Bundestag, Steffen Bilger, am Mittwoch «Handelsblatt Online». «Einen Aufsichtsratschef auf Abruf kann sich der Hauptstadtflughafen nach der ganzen Vorgeschichte nicht auch noch leisten.» Wowereit hatte am Dienstag für den 11. Dezember seinen Rückzug aus der Politik angekündigt. Auch den Aufsichtsratsvorsitz der staatlichen Flughafengesellschaft will er abgeben.

13:20 Uhr: Wusste Björn Böhning als erster vom Rücktritt?
Den sozialdemokratischen Senatskanzleichef Björn Böhning überraschte die Nachricht von Klaus Wowereits Rücktritt im Urlaub mit der Familie in Polen. Das erklärt, wieso man von dem sonst bei Internet-Netzwerken wie Twitter so aktiven Böhning am Tag nach dem Rücktritt nichts hört.

Obwohl, da ist dieser eine Tweet vom 23. August, der aus heutiger Sicht fast schon propehtisch klingt: "Freu mich schon auf die "Berlin ist wieder da-stories" von @tagesspiegel und @morgenpost" steht da. Hat er also doch vom bevorstehenden Rücktritt gewusst, eher als alle anderen? Schön wär's. Aber das Hasthag #breadandbutter verrät den wirklichen Anlass der Nachricht.

13:00 Uhr: Berlin liegt in Schutt und Asche - zumindest bei der "Titanic"
Liebhaber brachialen Humors kommen auch in Sachen Wowereit beim Satiremagazin "Titanic" auf ihre Kosten. Während sich im Abgeordnetenhaus die SPD-Fraktion mit dem scheidenden Regierungschef Klaus Wowereit bespricht, kann man auf der "Titanic"-Website ein Luftbild aus der Zeit kurz nach dem Zweiten Weltkrieg sehen. Die Aufnahme der fast komplett zerstörten Berliner Innenstadt haben die Spaßmacher mit der Überschrift versehen: "Was von ihm bleibt: Berlin nach Wowis Rücktritt".

Der Wowereit-Rücktritt in Bildern
26. August 2014, kurz vor 13 Uhr. Klaus Wowereit hat was vor an diesem Dienstag ...Weitere Bilder anzeigen
1 von 13Foto: dpa
26.08.2014 14:3426. August 2014, kurz vor 13 Uhr. Klaus Wowereit hat was vor an diesem Dienstag ...

Wer damit nicht genug hat, bekommt auch noch einen satirischen Nachrichtenticker vom Vortag serviert: "EILMELDUNG: Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit will laut Insiderinformationen für 11. Dezember seinen Rücktritt ankündigen. Näheres in Kürze +++ UPDATE: Wowereit verkündet Rücktritt "im Laufe von 2015" +++ UPDATE: Rücktritt Wowereits wurde "falsch kommuniziert", neuer Termin: 11. Dezember 2016 +++ UPDATE: Berlin baut für 16 Mio. Euro "Rücktritts-Infotower" auf Tempelhof-Gelände +++ UPDATE: Möglicher Wowereit-Nachfolger nicht brandsicher! Verhandlungen laufen weiter +++ UPDATE: Klaus Wowereit (Bürgermeister) läßt Rücktritt von Hartmut Mehdorn managen +++ UPDATE: Experten schätzen Kosten von Wowereit-Rücktritt inzwischen auf 5,1 Milliarden Euro +++ UPDATE: Mehdorn verspricht behutsamen Umbau Wowereits (neue Frisur, neues Sakko) für 2020 +++ UPDATE: Klaus Wowereit (Berlin) übernimmt Verantwortung für Terminchaos um seinen Rücktritt und tritt zurück +++"

65 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben