Berlin : Lehrer sollen rechnen lernen

Künftig gehört Mathe definitiv zur Ausbildung.

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Berlin / Potsdam - Im Leistungsvergleich der Bundesländer belegten Berliner Schüler in Mathematik den vorletzten Platz. Brandenburger Neuntklässler kamen bei den Vergleichsarbeiten in Mathematik und Biologie dagegen auf den dritten Platz. In den Fächern Chemie und Physik schafften die märkischen Schüler jeweils den vierten Platz, während die Berliner in Biologie, Chemie und Physik nur im unteren Drittel landeten. „Wir wollen besser werden“, sagte Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD). Das A und O sei eine „gute Fachlichkeit“ des Unterrichts. Zeitnah will der Senat das reformierte Lehrerbildungsgesetz verabschieden.

Es sieht vor, die Fächer Mathematik und Deutsch in der Ausbildung für Grundschullehrer verpflichtend zu machen. „Vor allem Mathematikdefizite in der Grundschule sind später kaum noch aufholbar“, sagte der CDU-Bildungsexperte und frühere Schulleiter Stefan Schlede. Scheeres setzt zudem auf Kooperationen der Schulen mit Stiftungen, Schülerlaboren, Universitäten und auf das 14 Millionen Euro umfassende Brennpunktprogramm, das der Senat ab 2014 auflegen will. Es besagt, dass jährlich bis zu 100 000 Euro pro Schule zusätzlich zur Verfügung stehen, wenn eine Schule mehr als 75 Prozent Kinder aus Familien betreut, die staatliche Leistungen wie Wohn- oder Arbeitslosengeld beziehen. Wenn die Quote bei 50 bis 75 Prozent liegt, sollen bis zu 62 000 Euro fließen. Diese Kriterien erfüllen derzeit 207 Berliner Schulen. Das Konzept sieht zudem vor, dass ein Teil der Gelder nur dann fließt, wenn die Schulen nachweisen können, dass sie die zusätzlichen Mittel sinnvoll einsetzen. Um die Unterrichtsqualität zu verbessern, sollen in Berlin außerdem die Lehrer-Fortbildungskurse verpflichtend werden. „Und wir sollten uns auch die Methodik anschauen, wie in den ostdeutschen Ländern Mathematik vermittelt wird“, sagte die bildungspolitische Sprecherin der CDU-Fraktion, Hildegard Bentele. Die ostdeutschen Neuntklässler bilden die Spitzengruppe bei den Naturwissenschaften.

Den Berliner Grünen-Bundestagsabgeordneten und Bildungspolitiker Özcan Mutlu überrascht das schlechte Ergebnis in Berlin „nach 18 Jahren SPD-Bildungspolitik“ nicht. „Die Probleme werden schöngeredet. Seit Jahren wird nur experimentiert und Flickschusterei betrieben.“ Das Testergebnis sei eine „Katastrophe für die Hauptstadt“. Auch wenn alle Koalitionäre betonten, Bildung habe Priorität, sei das eine reine Floskel. Es gebe nach wie vor viel Unterrichtsausfall und keine ausreichende Zahl von Fachlehrern. Berliner Lehrer würden nur unzureichend unterstützt und müssten viel leisten. Mutlu will eine „Qualitätsoffensive“ starten und „Anreizsysteme“ in der Lehrerfortbildung schaffen. Auch die Universitäten müssten umdenken und die Lehrerausbildung ernst nehmen. „An vielen Unis ist diese Ausbildung eher ein Anhängsel.“ In die Lehre sollte auch mehr Geld fließen, fordert er. Sabine Beikler

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