• Minderjährige Flüchtlinge in Berlin: "Check in" für unbegleitete Minderjährige eröffnet

Minderjährige Flüchtlinge in Berlin : "Check in" für unbegleitete Minderjährige eröffnet

Im Süden von Treptow hat Berlin eine weitere Erstaufnahmestelle für allein reisende minderjährige Flüchtlinge eröffnet. Bis Sommer sollen alle minderjährigen Flüchtlinge in solchen Einrichtungen untergebracht sein.

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Diese alte Schule wurde umgebaut und wird heute in Betrieb genommen. Durchschnittlich 100 solcher Jugendlichen kommen pro Monat in der Hauptstadt an.
Diese alte Schule wurde umgebaut und wird heute in Betrieb genommen. Durchschnittlich 100 solcher Jugendlichen kommen pro Monat in...Foto: Frank Bachner

Der Betonklotz ist flach und ziemlich hässlich. Aber er ist zweckmäßig, das ist entscheidend. Hier, in der Ortolfstraße in Alt-Glienicke im Bezirk Treptow-Köpenick, war mal eine Schule. Vermutlich war vielen Schülern das Aussehen des Baus ziemlich egal, und die Jugendlichen, die ab Montag hierher kommen, dürfte die Fassade noch weniger interessieren. Für sie ist die frühere Schule eine Art Fluchtpunkt, sie soll vor ihrer Entspannung dienen. Deshalb wurde die Schule auch noch umgebaut.

Mitte März öffnete hier das "Check in" – eine Art Erstaufnahmestelle für allein reisende minderjährige Flüchtlinge, die nach Berlin gekommen sind. Das "Check in", betrieben von der "SozDia Stiftung Berlin", ist ein weiterer Schritt auf dem Weg, 14- bis 18-jährige Flüchtlinge möglichst optimal zu versorgen und zu betreuen. Durchschnittlich 80 solcher Jugendlichen kommen pro Monat in der Hauptstadt an.

Mit dem "Check in" gibt es nun die fünfte zentrale Betreuungsstelle in Berlin. Neun temporäre sind noch mit jungen Flüchtlingen belegt, Jugend-Freizeitheime zum Beispiel. Auch in einem Hostel sind noch junge Flüchtlinge untergebracht. In Einrichtungen wie dem "Check in" sorgen Sozialarbeiter und Erzieher intensiv um die Jugendlichen. Die bekommen Essen, Kleidung, einen Platz in einem Doppelzimmer, sie können sich erstmal erholen. "Anschließend wird mit ihnen über ihre Lebensperspektiven geredet", sagt Nina Kirch, die Pressesprecherin der Stiftung.

Bezirke betreuen insgesamt 2120 junge Flüchtlinge

In den temporären Einrichtungen werden die Jugendlichen zwar auch rund um die Uhr pädagogisch betreut, allerdings sind Sozialarbeiter und Erzieher nicht fest vor Ort. Das ist der Unterschied zu Einrichtungen wie dem "Check in". "Unser Ziel", sagt eine Pressesprecherin der Jugend-Senatsverwaltung, "ist es, dass es bis zum Sommer keine temporären Einrichtungen mehr gibt und alle Flüchtlinge zentral untergebracht sind".

In der Regel bleiben die Flüchtlinge drei Monate in so einer festen oder temporären Einrichtung. Danach werden sie, nach einem bestimmten Schlüssel, in die verschiedenen Bezirke verteilt. Flüchtlinge, die im September geboren wurden, kommen zum Beispiel in den Verantwortungsbereich von Treptow-Köpenick. In den Bezirken werden die Jugendlichen in Einrichtungen von betreutem Wohnen untergebracht. Allerdings ist das nicht so einfach. "Es gibt viel zu wenige Plätze für betreutes Wohnen", sagt Nina Kirch von der "SozDia-Stiftung". Das kann bedeuten, dass Jugendliche länger in Einrichtungen wie dem "Check in" bleiben müssen.

Derzeit betreuen die Bezirke insgesamt 2120 junge Flüchtlinge. Darunter sind 620, die zwar schon volljährig, genau gesagt: 18 Jahre alt sind, die aber noch Betreuungsbedarf haben. Im Bereich der Jugend-Senatsverwaltung, also in den zentralen und temporären Einrichtungen, leben derzeit 460 Jugendliche.

Viele neue Jugendliche kann das "Check in" allerdings nicht aufnehmen. Es hat momentan nur zehn Plätze. 50 sollen es mal im Normalbetrieb werden. Doch bis der eintritt, kann es noch einige Wochen dauern. Noch fehlen der Stiftung genügend Sozialarbeiter und Erzieher. "Wir suchen Fachkräfte", sagt Nina Kirch. Im Moment stehen neun Sozialarbeiter und Erzieher zur Verfügung. 50 sollen es mal werden. Nina Kirch ist zuversichtlich, dass diese Zahl in ungefähr drei Monaten erreicht wird. "Am Anfang ist das alles eine Herausforderung", räumt die Pressesprecherin ein.

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